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Hochtaunus: So versuchen Ornithologen, die Turteltaube zu retten

Von Die Turteltaube ist aus dem Hochtaunuskreis offenbar fast ganz verschwunden. Nun soll ein Projekt der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie den verbliebenen Tieren das Leben schmackhaft machen. In der Hoffnung, damit einen Grundstein für die Zukunft zu legen.
Die Population der Turteltauben wird in der Region immer geringer. Nun kümmert sich die Hessische Gesellschaft für Ornithologie um ihre Pflege. Foto: Photographer:YUVAL ROSENBERG Die Population der Turteltauben wird in der Region immer geringer. Nun kümmert sich die Hessische Gesellschaft für Ornithologie um ihre Pflege.
Hochtaunus. 

Tauben gelten in Großstädten als Plagen, die mit ihrem Kot Denkmäler verunreinigen und Krankheiten übertragen. Aber: Taube ist nicht gleich Taube. Während die Ringeltaube in den Städten also eher ein ungeliebtes Dasein fristet, ist die Turteltaube hingegen gedanklich positiv besetzt. Schließlich gelten Verliebte umgangssprachlich als Turteltauben und das wiederum kommt nicht von ungefähr, schließlich ist das lange und einprägsame Gurren der Tauben sehr markant.

Auf der Roten Liste

Doch um die Zukunft der grau-braunen Tauben ist es schlecht bestellt. Zumindest im Hochtaunuskreis. 2015 wurde die Turteltaube bereits auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen, da ihr Bestand in den vergangenen 25 Jahren um 62 Prozent zurückgegangen ist und in den letzten zwölf Jahren um 25 Prozent. „In ganz Hessen sind nur noch 4000 Brutpaare gemeldet worden, bundesweit sogar nur noch 25 000“, so Uwe Kühn von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie (HGON). Der in Michelbach lebende Mitstreiter der HGON hat sich nun an die Stadt gewendet, um dort Hilfe für ein neues Projekt zu erbitten. „Wir wollen die Turteltauben auf einem Grundstück anfüttern, um sie so zum Bleiben zu bewegen“, sagte Kühn im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bedingungen schlechter

Gerade einmal vier Brutpaare seien im vergangenen Jahr für das Usinger Land bestätigt worden, eines davon in Michelbach. „In der Vergangenheit waren auch Brutpaare im Vordertaunus, vor allem Kronberg gesehen worden, allerdings nicht mehr im vergangenen Jahr“, sagte Kühn.

Es sei zwar nicht auszuschließen, dass es noch Paare gebe, die seitens der Ornithologen nicht gesichtet oder gehört wurden, doch die Chance ist gering. Die Turteltaube ist eine Langstreckenzieherin in Mitteleuropa, die zwischen 26 und 28 Zentimeter groß wird. Ihren bevorzugten Brut- und Lebensraum hat die Turteltaube an Waldrändern, an die sich Felder anschließen. „Die Nester bauen die Tauben in den Bäumen, das Futter finden sie in und an den Feldern“, erklärte Kühn.

Zwischen drei und vier Kilometer weit fliegen die Tauben, um etwas Essbares zu finden. Sei nichts vorhanden, werde der Standort aufgegeben. Doch die Lebens- und Aufzuchtbedingungen der Turteltauben haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert. Ursache wären der Rückgang der landwirtschaftlichen Flächen, fehlende Blühstreifen, die intensive Bewirtschaftung und die ausgeräumten Landschaften. Hinzu kommt, dass die Vögel in den Mittelmeerländern intensiv bejagt und gefangen werden.

Laut BirdLife gibt es bis zu 600 000 Abschüsse pro Jahr. Um nun die Turteltauben im Hochtaunuskreis zu behalten, hat sich die HGON ein Anfütterungsprojekt überlegt. Ein entsprechendes Grundstück, das der Stadt gehört, habe die Gesellschaft in Michelbach bereits ausgemacht. Dazu würden Ehrenamtliche eine Futtermischung ausbringen. „Allerdings ist diese Stelle nahe des Waldes, so dass wir nicht ausschließen können, dass sich auch Wildschweine da einfinden“, sagte Kühn. Dass auch andere Vögel zum Futtern kommen, stelle hingegen kein Problem dar. Wenn aber die Schwarzkittel zum Essen kommen, „dann sieht danach nichts mehr aus wie vorher“, ist sich Kühn sicher, der schon einige Wiesen auf diese Art und Weise umgepflügt im Michelbacher Tal vorgefunden hat. Deshalb müsse ein Einvernehmen zwischen dem Landbesitzer und Pächter gefunden werden.

Natürliche Feinde

Auch Greifvögel gehören zu den natürlichen Feinden der Turteltauben. Es soll nicht das ganze Jahr über gefüttert werden, sondern nur in der Brut- und Balzzeit von Mai bis Juni. Nach 20 bis 25 Tagen seien die Jungtiere geschlüpft und Mitte August machen sich die Turteltauben sodann auf in wärmere Gefilde. Bis Anfang April erwarten die Vogelschützer die Tiere zurück. „Bis dahin müssen wir dann geklärt haben, ob das Projekt so umgesetzt werden kann“, sagte Kühn.

Rund 500 Euro lässt sich die HGON im Hochtaunuskreis die Bio-Saatmischung kosten, die täglich neu ausgebracht werden muss. Kühn habe sich dazu bereit erklärt und hofft nun in den nächsten Tagen auf eine positive Rückmeldung. Wer übrigens Turteltauben hört, entsprechende Beispiele gibt es im Internet zu hören, kann sich ebenfalls an die HGON wenden.

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