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Interview: PR-Berater lobt Usinger Zukunftskonzept 2020

Manchmal hilft ein Blick von außen, um die eigene Lage besser beurteilen zu können. Der neue Blick, neue Ideen, vielleicht auch nur ein kleiner Anstoß. Andreas Burger, stellvertretender Leiter der Taunus Zeitung, hat den Usinger PR-Berater Dirk Rabis gebeten, anhand des Beispiels Usingen – einer sich in der Entwicklung befindlichen Kleinstadt – mögliche Lösungen für die Innenstadt, den Handel und das Gewerbe unter die Lupe zu nehmen.
Dirk Rabis aus Usingen ist international bekannter Medien- und PR-Berater und arbeitet zudem als Filmproduzent. Seit fast zwei Jahren ist er erster Vorsitzender des Usinger Tennis- und Hockeyverein (UTHC). Das bekannteste UTHC-Mitglied ist Tennis-Nationalspielern Mara Guth, die im Bereich PR auch von ihm betreut wird. Der Internet-Wahlkampfauftritt von Bürgermeister Steffen Wernard (CDU)  2015 stammte von Rabis. Bilder > Dirk Rabis aus Usingen ist international bekannter Medien- und PR-Berater und arbeitet zudem als Filmproduzent. Seit fast zwei Jahren ist er erster Vorsitzender des Usinger Tennis- und Hockeyverein (UTHC). Das bekannteste UTHC-Mitglied ist Tennis-Nationalspielern Mara Guth, die im Bereich PR auch von ihm betreut wird. Der Internet-Wahlkampfauftritt von Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) 2015 stammte von Rabis.
Usinger Land. 

Lassen Sie uns doch einfach mal so tun als könnten Sie für die ehemalige Kreisstadt Usingen mit einem Zauberstab drei Wünsche erfüllen. Was könnte, müsste sich ändern?

DIRK RABIS: (schmunzelt) Zauberstäbe und Wünsche besitzen die Eigenschaft, nicht real zu sein. Ich bin nicht für Dinge zu haben, die bereits im Ansatz nicht reell sind und einer gut geplanten Basis entbehren. Aber ich muss auch zugeben, dass ich zwar in Usingen wohne, sich mein beruflicher Fokus aber nicht auf Usingen begrenzt. Und wenn ich in Usingen bin, dann stehen meist meine Familie, aktuelle Mandate oder mein doch recht zeitaufwendiges Ehrenamt als Vorsitzender des Usinger Tennisvereins (UTHC) im Mittelpunkt. Wenn Sie aber fragen, was positiv ist an der Stadt, dann habe ich eine klare Antwort: Die alte Residenzstadt punktet mit ihrem wunderbaren Anblick, den alten Fachwerkhäusern, Plätzen, ihren sozialen-, schulischen aber auch sportlich kulturellen Freizeitangeboten die zur landschaftlich lebenswerten Wohlfühl-Atmosphäre beitragen. Im Vergleich mit anderen Kleinstädten verfügt Usingen durchaus über Potenzial sich zu positionieren.

Sie sehen also nichts Negatives?

RABIS: Das habe ich nicht gesagt. Aber ich müsste mich natürlich viel tiefer in die regionale Materie einarbeiten, vorherrschende Gegebenheiten und Ziele kennenlernen um diese fachlich fundiert als PR-Berater zu kommunizieren. Dennoch weiß ich, worauf sie raus wollen. Ich sehe schon, dass die Innenstadt durchaus über Ressourcen verfügt um an Attraktivität zu gewinnen. Und Möglichkeiten zu haben bedeutet im Kehrschluss ja auch immer Chancen nutzen zu können.

Sie wollen nicht ins Detail gehen. Gut. Aber wenn ein PR-Mann etwas „vermarkten“ müsste, was wäre dann an dieser Kleinstadt ganz vorne?

RABIS: Lassen Sie mich die Sache anders angehen. In Kleinstädten sind es nicht immer große Innovationen die maßgebend sind. Wenn ich jedoch höre, dass etwas „schon immer so gemacht wurde“, dann brauche ich erst gar keine Lösung suchen. Zu schnell werden Begriffe wie Tradition zur Schutzbehauptung, rücken Interessen Einzelner in den Vordergrund und dies transportiert sich über alle Facetten der Kommunikation und Außenwahrnehmung. Nur hat Usingen derzeit eine gute Chance. Denn der Arbeitskreis integriertes Stadtkonzept ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, eine Kommune voran zu bringen. Hier kommen Bürger aus allen Berufen, Gesellschaftsschichten, Interessen und Vorwissen zusammen, um ihre Stadt voran zu bringen. Dies ist immer ein guter Weg wenn es darum geht gemeinsam mit Stadt, und Land, dem Handel und Gewerbe eine zukunftsorientierte Entwicklungsarbeit betreiben zu können, die dann final auch kommuniziert und vermarktet werden kann.

Das geht in Richtung Eigeninitiative?

RABIS: Das ist doch die Grundlage für Erfolg. Egal ob gestandener Unternehmer oder ein Start-Up-Unternehmen: Vergleicht man Erfolgsgeschichten, findet man schnell Gleichungen. Hierzu zählen Eigeninitiative gepaart mit Ideen und teamfähiger Kompetenz gleichermaßen, wie ein Markt, sowie gefragte und gut kommunizierte Alleinstellungsmerkmale, in Verbindung mit einem fundierten Geschäftsmodell. Und ganz sicher ist: Erfolg setzt immer Unternehmer voraus, keine Unterlasser.

Am Anfang steht ja immer eine Idee. Wagen wir einen Blick auf den Gewerbeverein, der schon viele Ideen hatte – jetzt soll es ein Gründerzentrum sein . . .

RABIS: Was ja so verkehrt nicht ist. In den USA sind die Zentren gang und gäbe. Dort werden junge Unternehmer mit Ideen gefördert und können durch ein solches Modell, ohne die Belastung durch hohe Kosten, bei der Gründung einer eigenen Firma ihr Modell verfolgen.

Das arbeitet der Usinger Idee entgegen. Nur ist dies bisher ausschließlich eine Idee mit dem Ruf nach staatlicher Unterstützung . . .

Und genau hier bin ich vorsichtig. Ein Gründerzentrum sollte keine Einrichtung sein, bei der einfach jemand kommt, testet und wieder geht. Ich glaube diese Erfahrung konnte Usingen schon machen. Interessenten sollten vorab vielmehr ein Geschäftsmodell ausarbeiten und vorstellen: Was produziere ich, womit unterscheide ich mich von anderen Anbietern, wer und wo ist meine Zielgruppe und wie erreiche ich diese? Abgesehen von der Frage eines Trägers sollten aber auch erfahrene Mentoren oder ein begleitendes Kompetenzteam berücksichtigt werden, das Gründern bei einer fundierten Marktanalyse, Markteinführung, Markenbildung, der Produktplatzierung, der Ausarbeitung von tragfähigen Businessplänen und einer nachhaltigen Öffentlichkeitsarbeit zur Seite steht. Aber, wie führten sie Eingangs aus: Es handelt sich um eine von vielen Ideen, und diese bedürfen sicherlich einer umfassenderen Betrachtung.

Sie sehen also Werbung als ein Erfolgsmodell an?

RABIS: (lacht) Das ist ja schließlich mein Beruf. Nein. Ernsthaft. Natürlich muss ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell nach außen getragen werden. Henry Ford sagte einmal, wer einen Dollar in sein Unternehmen investiert, muss einen weiteren Dollar beiseite legen, um es auch bekannt zu machen. Gute PR ist eine Grundlage für Erfolg. Und diese muss professionell sein, in der heutigen Zeit multimedial. Damit ist ein Kleinunternehmen – mit einer meist anders gelagerten Kernkompetenz – erfahrungsgemäß überfordert.

Das müssen sie bitte erläutern . . .

RABIS: Lassen Sie es mich so sagen: Das eigentliche Tagesgeschäft, und das setzen sinnvoller Schwerpunkte, spielt hier eine tragende Rolle. Ich habe auch in Usingen schon Plakate, Flyer, Werbeanzeigen und Internetauftritte gesehen, die eher eine Zielgruppe suchen als diese zu erreichen. Gewerbetreibende, Unternehmer und Manager denken, sehen und sprechen anders als Kunden. Der Transport relevanter Inhalte verbunden mit der Visualisierung des eigenen Anspruches, aber auch das nachhaltige Wecken von Begehrlichkeit und Vertrauen sollte nicht unterschätzt werden. Die Zeiten, in denen ein Unternehmen mal eben mit Word ein Plakat entworfen hat und anhand rudimentärer Bordmittel irgendwie mit Schriftarten und Farben spielte, sind längst vorbei. Zielgruppen erkennen sehr schnell, wer wirklich Interesse an ihnen hat und was von Relevanz geprägt ist. Dies schließt zum Beispiel auch die zeitgemäße Suche nach qualifizierten Mitarbeitern ein.

Aus der Erfahrung heraus: Damit sind Familienunternehmen meist a) überfordert und b) mit der ersten Frage dabei: Was kostet das? Mögliche Kosten verhindern oftmals die Umsetzung von Ideen . . .

RABIS: Hier verhält es sich häufig so wie mit der pauschalen Frage: Was kostet ein Auto? Sicherlich haben Kosten ihren Stellenwert, müssen aber im Kontext der angestrebten Entwicklung betrachtet und zudem betrieben werden können, damit es zielführend ist. Nicht immer sind große Geschütze erforderlich und nicht jede Maßnahme ist für Jeden gleichermaßen sinnvoll. Und auch hier kommt erneut das Thema Kernkompetenz zum Tragen: „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, heißt es: Es gilt bereits im Vorfeld mit Fachleuten Fehlinvestitionen zu vermeiden, und tatsächlich greifende Maßnahmen auszuarbeiten, um diese dann angebotsspezifisch sowie auf Zielgruppen ausgerichtet in einem nachhaltigen, gegebenenfalls auch mehrstufigen, Strategiekonzept aufzunehmen und voranzutreiben. Themen wie Markenbildung und Platzierung erhalten so für Viele einen ganz neuen Stellenwert. Erfolg sollte immer langfristig betrachtet werden, man braucht Atem. So ist auch gute PR ein Marathon, kein Sprint.

Realität ist aber auch, dass gerade kleine Unternehmen gerne nach dem Staat rufen, oder gleich der Verwaltung die Schuld an einer Misere geben.

RABIS: Das ist sicherlich der Fall und natürlich äußert sich gefühlte Machtlosigkeit teils darin, das die Nase des anderen als näher im Gesicht empfunden wird als die eigene. Aber Kritikfähigkeit ist heute wichtiger denn je. Erfolgreiche Unternehmen verstehen es Kritik ins positive zu kehren. Man spricht hier auch von Krisenmanagement und auch dies kann erlernt werden.

Wie bekommt man solche, für viele älteren Familienunternehmen neue Ideen an den Mann oder an die Frau?

RABIS: Hier ist es sicherlich hilfreich erfolgreiche Geschäftsmodelle, Konzepte und Strategien kennenzulernen. In diesem Zusammenhang biete ich in der Region Usingen seit 2015 kostenlose Workshops oder Vorträge an, die jeweils unterschiedliche Themen aufgreifen. Für den Herbst diesen Jahres ist die nächste Wirtschaftsförderung geplant. Dieses Mal im direkten Schulterschluss mit der Stadt Usingen. Denn auch Usingen kann bereits einige Erfolge vorweisen, und dies ist ein weiterer Indikator für die positive Entwicklung unserer Stadt und Region.

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