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6 Monate Haft: Ohne Führerschein: Sohn gibt vor, sein Vater zu sein

Von Autofahrenkönnen alleine reicht nicht, man muss es auch dürfen. Einen Grävenwiesbacher kümmert das aber nicht, er fährt einfach. Bei der letzten Kontrolle schlug seine Behauptung dem Fass den Boden aus, er sei sein eigener Vater...
Symbolbild Foto: dpa Symbolbild
Grävenwiesbach/Bad Homburg. 

Der 32-jährige Grävenwiesbacher meint offenbar, es sei ausreichend, wenn er Auto fahren kann. Dass es dazu aber gewisser Formalitäten bedarf, zuallererst eines Führerscheins, dürfte ihm zwar geläufig sein, nach leidvoller Erkenntnis des Bad Homburger Amtsgerichtes scheint ihn das aber nicht sonderlich zu kümmern.

Selbst etliche einschlägige Vorstrafen können ihn nicht bewegen, endlich eine Fahrschule zu besuchen. Am Dienstag war dem Strafrichter wohl endgültig der Geduldsfaden gerissen.

Der 32-Jährige saß schon wieder wegen einer verbotenen Ausfahrt auf der Anklagebank. Letzten Herbst war er in Cratzenbach unterwegs. Vielleicht hatte er ja gedacht, dass die Polizei nicht in dieses entlegene Dorf kommt. Doch das war ein Irrtum.

Sechs weitere Monate

Was die Angelegenheit kolossal erschwerte, war der Umstand, dass der Mann bei dem Vorfall doppelt unter Bewährung stand. Das könnte sehr eng für ihn werden, denn Gerichte widerrufen mangels Wohlverhaltens Bewährungen auch schon einmal. Das heißt: Die Strafen müssen abgesessen werden. Jetzt kamen sechs weitere Monate dazu. Und damit keine Bewährung widerrufen werden muss, gab es erst gar keine.

Richter und auch Staatsanwälte bekommen von Angeklagten so manchen Bären aufgebunden, müssen aber längst nicht alles glauben. Jetzt glaubte der Richter allerdings, dass er Gast in einem „Schmierentheater“ war.

Streife im Dorf

Einer Polizeistreife, die sich kurioserweise, möglicherweise auch einer Ahnung folgend, nach Cratzenbach verirrt hatte, war der Wagen aufgefallen. Der Mann am Steuer, so berichtete ein Beamter, habe einem Herrn verdammt ähnlich gesehen, von dem man wusste, dass er keine Fahrerlaubnis hatte. Die Streife hielt das Auto an, bekam aber vom Fahrer mitgeteilt, dass er dummerweise den Führerschein daheim vergessen habe, ihn aber gerne holen wolle. Das reichte den Beamten aber nicht aus, sie fragten nach dem Namen.

Auf die Idee, dass der Mann ohne rot zu werden geistesgegenwärtig den seines Vaters angeben würde, wären die Beamten nie gekommen. Und doch war es so, wie sich später herausstellte. So recht trauten die Polizisten der Sache aber doch nicht.

Sie fuhren mit dem 32-Jährigen zu dessen Wohnanschrift nach Grävenwiesbach, um sich dort den angeblich vergessenen Führerschein zeigen zu lassen. Vor der Haustür angekommen, wartete schon das nächste Problem: Schlüssel vergessen, keiner daheim, der öffnen könne. Da die Beamten aber weitermussten, trugen sie dem Mann auf, den Führerschein der Nachtschicht zur Ansicht vorzuweisen.

16-fach vorbestraft

Tatsächlich kam dann zu später Stunde ein Mann vorbei und legte dem Wachhabenden den Führerschein vor. Es war aber nicht der 32-Jährige, sondern dessen Vater, der sich allerdings nichts dabei dachte, als der Polizist den Führerschein auf den Kopierer legte. Als die Beamten vom Vortag die Kopie dann morgens in Augenschein nahmen, flog der Schwindel vom Sohn, der vorgegeben hatte, sein eigener Vater zu sein, auf. Als der Vater jetzt auch noch als Zeuge vor Gericht behauptete, er sei das in Cratzenbach gewesen, und sich auch noch in Widersprüche verwickelte, sprengte das jegliche Vorstellungskraft des Richters.

Für eine Bewährungsstrafe sah er nun keinen Raum mehr und verdonnerte den bereits 16-fach vorbestraften 32-Jährigen, vor dem man die Bevölkerung schützen müsse, zu „sechs Monaten ohne“ (Bewährung). Möglicherweise blüht dem Vater des Mannes auch noch ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage. Für den Sohn dürfte es auch noch nicht erledigt sein: Beim Verlassen des Gerichtssaals lief ihm der Polizeibeamte, der ihn damals in Cratzenbach erwischt hatte, über den Weg und bekam den Stinkefinger gezeigt sowie eine deftige Beleidigung zu hören.

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