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Blitzer bei Wehrheim: Nur den Schafen sind die Raser egal

Von Von der Aussicht, dass Wehrheim mehr Bauland im kommenden Jahr dazu gewinnt, sind nicht alle im Ortsbeirat begeistert. Die Sorge, dass die Gemeinde ihr Tafelsilber verscheuert ist groß.
Den Schafen ist die Geschwindigkeit in Richtung Schlink ziemlich egal, für alle anderen heißt es aber Fuß vom Gas, denn dort soll künftig vermehrt kontrolliert werden. Den Schafen ist die Geschwindigkeit in Richtung Schlink ziemlich egal, für alle anderen heißt es aber Fuß vom Gas, denn dort soll künftig vermehrt kontrolliert werden.
Wehrheim. 

Den Schafen, die an der Kreisstraße 728 grasen, ist nicht nur das Wetter egal. Offenbar machen sie sich auch nichts aus der Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge aus Wehrheim kommend gen Pfaffenwiesbach fahren. Tempo 100 war bislang durchgängig auf der Kreisstraße zwischen den beiden Ortsteilen erlaubt. Seit Kurzem aber müssen die Autofahrer kurz vor der Schlink das Fuß vom Gas nehmen und die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer drosseln, zumindest so lange sie den von Wehrheim kommend, rechter Hand liegenden Parkplatz passiert haben.

Die Geschwindigkeitsreduzierung komme der Gemeinde zwar grundsätzlich sehr entgegen, „allerdings wurde das Stück, an dem der Radweg aus dem Wald kommend die Straße kreuzt, bei der Verminderung der Geschwindigkeit ausgelassen“, schilderte der Beigeordnete Gerhard Terlitzki im Wehrheimer Ortsbeirat. Das soll nun nachgebessert werden. Bereits Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) hatte jüngst vermehrt Geschwindigkeitskontrollen in diesem Bereich angekündigt und dieser Tage waren in der Tat bereits die Blitzer aufgestellt.

Erhitzte Gemüter

So einverstanden wie sich der Ortsbeirat mit der Geschwindigkeit zeigte, so uneins waren sich die Mitglieder mit Blick auf das neue Baugebiet Mühlberg. Bereits 2015 hatten die Vorstellungen von Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) die Gemüter erhitzt, als lediglich über die Möglichkeiten diskutiert worden war. Nun, zwei Jahre später, ist die Gemeinde deutlich weiter. Denn in der Gemeindevertretersitzung am 15. Dezember soll nicht nur der Haushalt beschlossen werden. Auch ein Aufstellungsbeschluss zu Erstellung eines Bebauungsplans sowie die Ermächtigung des Gemeindevorstands, Flächen dafür anzukaufen, stehen auf der Agenda.

Baulandflächen habe die Gemeinde derzeit keine mehr, dafür aber 152 Kaufwillige – aus Wehrheim und Auswärtige, die gerne im Apfeldorf bauen wollen. Mit den Grundstückseigentümern am Mühlberg hat die Verwaltung bereits verhandelt und schlägt als Ankaufspreis 95 Euro pro Quadratmeter für das Bauland und zwei Euro pro Quadratmeter für das Grünland vor. Insgesamt muss die Verwaltung eine Gesamtfläche von 35 706 Quadratmetern ankaufen, wovon 3778 Quadratmeter Grünland sind. Zu diesen Grundstücken kommen noch gemeindliche Grundstücke und Feldwege hinzu, so dass die Gesamtfläche 39 369 Quadratmeter umfasst.

Zu viel, befand Matthias Reiter. (SPD) Neben der Gesamtgröße sind es aber auch die vielen Details, die dem Ortsbeiratsmitglied so gar nicht passen. Denn in der Tat wollen nicht alle Grundstückseigentümer einfach nur verkaufen. Drei Eigentümer meldeten Eigenbedarf an den Flächen an, ein weiterer möchte sich einen Teil des Preises für das Grundstück auszahlen lassen und den Rest als Bauland behalten und wiederum ein weiterer Eigentümer ist daran interessiert, auch noch 1000 Quadratmeter mehr in das Planverfahren aufgenommen zu bekommen.

Vier Bauabschnitte

In mindestens vier Bauabschnitten soll das Gebiet durch die Gemeinde entwickelt werden, wobei sowohl Einzel-, Doppel und Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen entstehen sollen. Auch das Wehrheimer Modell soll dabei zum Tragen kommen, „doch das wird ja auch erst noch überarbeitet“, gab Ortsvorsteher Stefan Velte (CDU) zu bedenken. Rund 3,3 Millionen Euro muss die Gemeinde dafür im kommenden Jahr in die Hand nehmen, sofern die Gemeindevertretung zustimmt. In Kraft treten werden die Kaufverträge erst, wenn der Bebauungsplan wirksam wird.

Doch nicht bei allen Ortsbeiratsmitgliedern stoßen die Pläne auf große Gegenliebe. Während Christiane Matyschik und Jan Krebs (beide CDU) für das Wachstum in Wehrheim plädierten, stemmte sich der stellvertretende Ortsvorsteher Matthias Reiter vehement dagegen. Da wären die vielen kleinen Bedingungen die an den Ankauf des Baulandes geknüpft seien, die sehr große Fläche und im Gegenzug die Möglichkeit, innerhalb der Gemeinde nachzuverdichten.

Auch Marie-Magdalene Kruchten (FDP) sah zumindest was den bezahlbaren Wohnraum angehe, nicht genügend Perspektiven. Aus den Besucherreihen war zumindest eine Stimme zu vernehmen die die Befürchtungen auf den Punkt brachte, nämlich, dass die Gemeinde ihr Tafelsilber nun verscheuert. Auch Ortsvorsteher Stefan Velte (CDU), der der Vorlage zwar zustimmte, hatte größte Bedenken. Die Wehrheimer müssten bei den Bauplätzen Priorität genießen, forderte er. „Wir brauchen keinen Zuzug“, sagte Velte, der dabei auch die Verkehrsproblematik wie die Saalburg und Peters-Pneu-Kreuzung in Bad Homburg im Blick hat. Zudem störe ihn vor allem die Art der Umsetzung.

Bei zwei Gegenstimmen von SPD und FDP stimmte der Ortsbeirat aber dennoch mehrheitlich der Aufstellung eines B-Plans sowie den Grundstückskäufen zu.

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