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Geschichte: Norbert Hartmann ist der letzte Vertreter einer Bäcker-Dynastie

Von Viel ist nicht übrig geblieben von den ehemals sieben Bäckerdynastien Wehrheims. Die Taunus Zeitung hat die Bäckerei Etzel bereits vorgestellt. Das Café in der früheren Schillerstraße und die anderen Bäckereien sind längst geschlossen, aber Norbert Hartmann setzt als Nachkomme und Zuckerbäcker noch auf die Tradition des alten Handwerks.
Ein Blick in Café Hartmann in den 60er Jahren. In der Vitrine steht der Kuchen, aber das Geschäft war auch für sein Eis bekannt. Bilder > Ein Blick in Café Hartmann in den 60er Jahren. In der Vitrine steht der Kuchen, aber das Geschäft war auch für sein Eis bekannt.
Wehrheim. 

1959 geboren, ist Norbert Hartmann in der Backstube aufgewachsen, daher gab es für ihn keinen anderen Beruf als den des Konditors. Er ist damit der siebte seiner Dynastie, der mit Begeisterung am Backofen steht. Auch wenn er heute als Betriebsleiter der Firma Kondiback in Frankfurt seine Arbeit eher vom Schreibtisch aus erledigt, macht das Backen ihm nach wie vor Freude.

Ein gelungenes Produkt, ob mehrstöckige Hochzeitstorte oder ein Plunderstückchen, auf dem die Glasur glänzt, lässt seine Augen strahlen. „Es sind oft die Kleinigkeiten, die einen erfreuen.“

Bis ins 18. Jahrhundert

Vor fast 300 Jahren gab es noch keine Zuckerbäcker, dafür aber jede Menge Bäcker in Wehrheim. Der erste seiner Vorfahren, der nachweislich diesen Beruf hatte, war Conrad Hartmann. Sein Geburtsdatum ist zwar nicht bekannt, aber im „Arier-Nachweis“, den die Familie Anfang der 1930 Jahren erstellen lassen musste, ist Johannes Hartmann, geboren 1761 als Sohn von Conrad Hartmann erwähnt, und dass der Bäcker war, ist im Nachweis erwähnt.

Norbert Hartmann geht also davon aus, dass die Bäcker-Dynastie Hartmann bis fast zum Beginn des 18. Jahrhunderts zurückgeht.

Irgendwann kam dann der Name „Schossee-Pitsche“ auf, die Bäcker Paul Etzel wie berichtet in seinen Aufzeichnungen erwähnt. Diese Bezeichnung haben die Hartmanns wohl einem Vorfahren zu verdanken, der im Taunus keine Zukunft sah und nach Amerika „üwwer die groß Pitsch“ ausgewandert war.

Sein Opa Wilhelm Karl, genannt Willi, geboren 1897, ist zusammen mit zwei Brüdern im Stammsitz der Bäckerei in der Usinger Straße, früher „Chaussee“ genannt, aufgewachsen und hat, vermutlich in den 1920er Jahren, zusammen mit Ehefrau Margarete das Café Hartmann in der Schiller-, heute Pfaffenwiesbacher Straße gegründet, nachdem sein Bruder Fritz die Bäckerei übernahm.

Oma führte Geschäft fort

Aus Erzählungen weiß Norbert Hartmann, dass diese Oma Greta in Frankfurt einen Kurs besucht hatte, um das Konditoren-Handwerk zu erlernen, nachdem Ehemann Willi bereits 1930 verstorben war. Sie heiratete später Richard Manck und führte das Café weiter, bis es der Sohn Karl-Heinz, der Vater von Norbert Hartmann, übernahm. Dieser führte das Café Hartmann in der Schillerstraße, das nach seinem Tod 1977 jedoch geschlossen wurde. Es war in Wehrheim und in der Region für seine leckeren Torten und im Sommer für das selbst gemachte Eis bekannt.

An die Bäckerei in der Usinger Straße kann sich Hartmann kaum noch erinnern, den Gesellenbrief von Opa Willi aus dem Jahr 1914, ausgestellt in Usingen und die beiden Meisterbriefe hängen bei ihm an der Wand. Der von Vater Karl-Heinz, der wie er in der Konditorei Weigand im Oederweg in Frankfurt lernte, datiert vom 5. August 1958 und sein eigener aus dem Jahr 1984, ausgestellt in Wolfenbüttel, wo er die Bundesfachschule für das Konditoren-Handwerk besuchte.

Norbert Hartmann ist die siebte Bäckergeneration. Er arbeitete zeitweise im eigenen Café, aber auch in der Konditorei Schleiermacher in Bad Homburg. Nach der Meisterprüfung hat er sich bei der Firma Kondiback vom stellvertretenden Konditormeister zum Betriebsleiter entwickelt, und engagiert sich zudem als Mitglied in der Prüfungskommission des Konditoren-Handwerks Rhein Main für den Nachwuchs. Im eigenen Café selbstständig arbeiten wie Vater und Großvater, möchte er jedoch nicht, dafür hat er als Kind hautnah erlebt, wie viel Arbeit dahintersteckt, und dass der Verdienst eines kleinen Cafés oft nicht zum eigenen Einsatz in einem Familienbetrieb passt.

Backen ist zu Hause übrigens nicht angesagt, dafür gibt’s die Großbäckerei in Frankfurt, aber Kochen mit Ehefrau Andrea, das macht er gerne, wenn er nicht gerade als Vizechef Veranstaltungen für die Landjugend plant oder als CDU-Parlamentarier unterwegs ist. Denn in seinem Heimatdorf Traditionen zu erhalten, ist ihm wichtig.

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