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Gemeinnützige Arbeit für Flüchtling als Strafe: Nach Messerattacke: Angeklagter zeigt Reue

Von Für gefährliche Körperverletzung sieht die Rechtsprechung mindestens sechs Monate Haft vor. Dass „Recht sprechen“ auch anders geht, wenn die Umstände besondere sind, war gestern am Bad Homburger Amtsgericht im Prozess gegen einen jungen Eritreer zu sehen...
Die Statue Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv Die Statue Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
Usingen. 

Körperliche Auseinandersetzungen entstehen oft aus nichtigem Anlass und enden ebenso oft tragisch. Bei dem Streit am Abend des 17. März 2017 in der Usinger Flüchtlingsunterkunft im alten Krankenhaus war der Anlass zwar auch nichtig, das Ende aber zum Glück glimpflich.

Ein 23-jähriger Eritreer und ein Aramäer hatten sich dort gegen 22.30 Uhr um die Nutzung einer Kochplatte in der Küche der Gemeinschaftsunterkunft gestritten. Wer die „älteren Rechte“ an der Platte hatte, also zuerst am Herd war, konnte gestern im Prozess nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ebenso blieb offen, wer letzten Endes zuerst handgreiflich geworden ist.

Die Aussagen gehen da etwas auseinander, wenngleich das Kerngeschehen vom Angeklagten und vom Opfer übereinstimmend geschildert wurde. Geschlagen haben wohl beide, auch habe es lautstarke Beleidigungen gegeben. Der Streit hatte sich so heftig angelassen, dass mehrere Frauen, die zu dem Zeitpunkt ebenfalls in der Küche waren, diese schreiend verlassen haben.

Dreimal zugestochen

Fest steht, und das gibt der Angeklagte Eritreer, – der nach seiner Ankunft in Deutschland im August 2014 zunächst in Oberursel untergebracht war, bevor er nach Usingen kam –, auch zu, dass er in seiner Stube ein Küchenmesser geholt hat, um damit auf den Aramäer loszugehen. Dreimal will er ausgeholt, ihn aber nur zweimal getroffen haben.

Die dabei entstandenen Verletzungen waren zum Glück nur oberflächlicher Natur, „als hätte er sich beim Rasieren geschnitten“, beschrieb Strafrichter Martin Gierke nach Inaugenscheinnahme der bei der Polizei von den Wunden gefertigten Lichtbilder.

Ängstlicher Eindruck

Offenbar hat der Angeklagte, der im Prozess einen stark eingeschüchterten, ängstlichen Eindruck gemacht hat und nach eigenem Bekunden in der Gemeinschaftsunterkunft ziemlich isoliert lebt, sehr schnell eingesehen, dass er da gerade einen großen Fehler gemacht hatte.

Über seinen Dolmetscher erklärte er dem Gericht, dass er den Mitbewohner auf keinen Fall habe töten wollen. Unmittelbar nach dem Vorfall hat sich der Angeklagte bei seinem Kontrahenten entschuldigt. Der, so steht es im Protokoll von seiner polizeilichen Vernehmung, hat die Entschuldigung als ehrlich empfunden und sie angenommen. Er spielte die Sache sogar herunter. Sie hätten sich eben gestritten, ja, aber vermutlich habe der Angeklagte sich ihm körperlich unterlegen gefühlt und deshalb Angst gehabt.

Der Geschädigte hat bei der Polizei im Übrigen erklärt, er habe kein Interesse an einer Bestrafung des anderen. Das brachte er vermutlich auch dadurch zum Ausdruck, dass er trotz korrekter Ladung zum Termin sich beim gestrigen Prozess als Zeuge und Geschädigter nicht gemeldet hat. Das Gericht und auch die Vertreterin der Amtsanwaltschaft sahen in den diversen Begleitumständen eine Möglichkeit, das Verfahren „auf andere Weise zu beenden“, ohne Verurteilung, die zwangsläufig eine Haftstrafe bedeutet hätte: Der junge Mann muss nun lediglich 120 Stunden gemeinnützig arbeiten.

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