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In Unfall verwickelt: Melanie Schösser sieht Motorradfahrer sterben und erleidet Trauma

Von Eine junge Frau wurde im vergangenen Jahr unverschuldet in einen Motorrad-Unfall mit Todesfolge verwickelt. Bis heute leidet sie unter den Auswirkungen.
Melanie Schösser arbeitet noch immer an den Nachwirkungen des Unfalls, bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam. Foto: Evelyn Kreutz Melanie Schösser arbeitet noch immer an den Nachwirkungen des Unfalls, bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam.
Schmitten/Hegewiese. 

Melanie Schösser ist als Krankenschwester im Hospiz in Oberursel tätig und wird dort häufig mit dem Tod konfrontiert. Als sie jedoch unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, bei dem ein Motorradfahrer stirbt, bringt sie das an ihre Grenzen. Nur mit professioneller Therapie hat sie gelernt mit ihrem Trauma zu leben. Die seelische Verletzung sitzt tief und bricht immer wieder auf.

„Zum Glück kann ich darüber reden“, meint die 33-Jährige und sagt: „Das hilft, wenn die Panikattacken kommen.“ Die verfolgen sie jeden Tag, vor allem seit sie begonnen hat wieder Auto zu fahren. Was war passiert? Die junge Frau sieht das, was sich am 1. November, dem letzten Tag der Motorradsaison, abgespielt hat, genau vor sich. Da war sie im Auto auf dem Heimweg zur Hegewiese. Ihr Mann Christian fuhr direkt hinter ihr.

Versucht auszuweichen

Ihr fiel auf, dass im Berufsverkehr auffallend viele Biker unterwegs waren. In der letzten Linkskurve vor dem Sandplacken kam ihr einer mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf ihrer Spur entgegen. Die zwei bis drei Sekunden vor dem Unfall, das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit, sei für sie der schlimmste Moment gewesen, berichtet sie und beschreibt, was in ihr vorging: „Dir ist bewusst, es passiert etwas Furchtbares, du hast einfach Angst um das eigene Leben und das des Motorradfahrers.“

Sie hat noch gebremst und ist um auszuweichen in die Leitplanke gefahren. „Da sah ich plötzlich den Kopf des Motorradfahrers auf der Höhe meines Kopfes auf mich zukommen und da war auch schon der Aufprall auf der Motorhaube.“ Sie nahm einen schrecklichen Knall und weitere Geräusche wahr und hörte sich plötzlich selbst laut schreien.

„Mein erster Gedanke war: Ich muss hier raus“, erzählt sie und dass sie erstaunt war, überhaupt noch zu leben.

Für ihn gebetet

Sie erinnert sich, dass sie zu dem Motorradfahrer gelaufen ist und einem anderen Verkehrsteilnehmer aufgetragen hat den Notruf abzusetzen. Den Zustand des Motorradfahrers beschreibt Schösser sachlich medizinisch. „Ich habe gesehen, dass er tot war und ihn trotzdem noch in die stabile Seitenlage gebracht.“ Dann habe sie für ihn gebetet, weil sie wusste, dass sie nichts anderes mehr machen konnte.

Im Nachhinein sei ihr erst klar geworden, dass der Polizist, der den Unfall aufnahm und sie daraufhin wies, dass ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung auf sie zukommen könne, nur seine Arbeit getan hat. Die Polizeiakte zählt inzwischen über hundert Seiten. Ein Zeuge versicherte, dass er von dem Motorradfahrer direkt vor der Kurve noch halsbrecherisch überholt worden ist. „Ich bin so froh, dass ich nicht schuld war, das macht es leichter“, stellt die junge Frau fest und erzählt wie ihre Leidensgeschichte weiterging.

Erst habe sie gedacht, sie könne nach vier Tagen wieder arbeiten gehen. Aber wegen der Prellungen konnte sie acht Wochen lang ihre Hände nicht benutzen. Insgesamt war sie ein halbes Jahr lang krankgeschrieben. Nach einer Traumatherapie fährt sie erst seit Anfang April wieder selbst Auto. „Anfangs bekam ich schon als Beifahrer Panik, wenn irgendein Fahrzeug entgegenkam.“ Auch jetzt kostet sie jede Fahrt Überwindung. Aber ohne Auto kommt sie nicht zur Arbeit, die sie seit Ende April wieder aufgenommen hat.

Familie kontaktiert

Abgesehen davon hat die Versicherung den Schaden noch immer nicht reguliert. Bis heute ist sie neben dem Lohnausfall auch auf vorgestreckten Behandlungskosten sitzengeblieben. Viel schlimmer ist für sie die Angst, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann. „Dass überhaupt Verkehrsteilnehmer so rasant fahren, dass sie andere gefährden, ist für mich unverständlich“, sagt sie. Das seien besonders häufig Motorradfahrer.

Die möchte sie gerne wachrütteln. Denn sie ist überzeugt, dass vielen gar nicht bewusst ist, was sie mit ihrer Fahrweise anrichten können, und dass sie sich selbst überschätzen. Nach der ersten Phase der Wut sei ihr das klar geworden. Ihr selbst habe es geholfen mit der Familie des bei dem Unfall verstorbenen Motorradfahrers Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, was das für ein Mensch war. Und sie möchte ins Gespräch mit anderen Betroffenen kommen, die bisher nicht den Mut hatten, darüber zu sprechen.

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