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Justiziar: Markus Etzel ist der Geheimnisträger beim Apfelweinwettbewerb

Von Markus Etzel ist so etwas wie der Justiziar beim jährlichen Apfelweinwettbewerb in Wehrheim und Nachfolger von Kurt Wagner. Ohne Schweigegelübde bekommt man diesen Job nicht.
Peter Gwiasda (links) und Olaf Bohris (rechts) waren am Samstag die ersten Hobbykelterer, die ihre Wettbewerbsarbeiten bei „Justiziar“ Markus Etzel in dessen Backstube anlieferten. Peter Gwiasda (links) und Olaf Bohris (rechts) waren am Samstag die ersten Hobbykelterer, die ihre Wettbewerbsarbeiten bei „Justiziar“ Markus Etzel in dessen Backstube anlieferten.
Wehrheim. 

Der Unterschied zwischen Markus Etzel und einer Auster? Nun, es gibt keinen, denn beide halten absolut dicht. Und wie man einer Auster von außen nicht ansieht, ob eine Perle drin ist, weiß man das auch bei Markus Etzel nicht. Bis zu 21 könnten es jedoch sein, denn so viele Apfelweine waren es gestern, die beim Apfelweinwettbewerb um die Siegerkrone buhlten. Die eine oder andere „Perle“ dürfte da schon dabei gewesen sein.

Etzel ist seit vier Jahren der Mann beim Wehrheimer Schoppenwettstreit, der am meisten weiß und am wenigsten sagt. Er ist Geheimnisträger und hat, als man ihn bat, Nachfolger von Kurt Wagner als Justiziar zu werden, spontan zugesagt. „Ich habe früher selbst gekeltert und war sogar zwei Mal Apfelweinkönig, irgendwann aber hat mir dann die Zeit gefehlt. Die Lust auf Apfelwein ist aber geblieben“, erzählte er am Samstag, als er in seinem Hof in der Gartenstraße auf die ersten Proben wartete. Peter Gwiasda war um 10 Uhr der erste, der seine mit goldgelber Flüssigkeit gefüllte 5-Liter-Flasche auf den Tisch in Etzels Backstube wuchtete, kurz darauf legte Olaf Bohris nach. Die beiden frotzelten freundschaftlich und einer sagte dem anderen „für das Zeug“ bestenfalls einen der hinteren Plätze voraus, wenn nicht sogar den letzten.

Mix oder Pur

Für Markus Etzel begann da die Arbeit: Er händigte den beiden ihre Meldezettel aus, auf denen die Art des Apfelweins – Mix oder Pur, also mit oder ohne Zugabe von Wildobst, Name, Ernte- und Kelterdatum – vermerkt werden. All das gehört auf die Karte, die Etzel dann an die neutralen Kanister, in die er die Apfelweine umfüllt, anbringt. Erst wenn alle angemeldeten Schoppen in Reih’ und Glied auf dem Tisch stehen, bringt Etzel sie in eine nur ihm bekannte „geordnete Unordnung“: Kreuz und quer ordnet er jeder Probe eine Nummer zu. Die wird in eine Liste eingetragen, von der Etzel zwei Kopien macht, die er an einem sicheren Ort einlagert, der nur ihm bekannt ist.

Siegerehrung

Und seiner Frau. Es könnte ihm ja zwischen Samstag und Sonntag etwas zustoßen, und dann wüsste niemand, wer welchen Schoppen gekeltert hat. Eine Kopie steckte er sich gestern ein, bevor er ins Bender-Bad fuhr. Diese steckte er am Ende des Wettkampfes der Ersten Beigeordneten Susann Odenweller (CDU) zu. Die ist nämlich für die Siegerehrung zuständig und musste nur noch die errungenen Punktzahlen eintragen, und schon standen Sieger und Besiegte fest.

Die Keltergemeinschaft Wiesengrund Niederweisel ist der „Schoppeking“

Und wie lebt es sich so als Geheimnisträger? „Ganz gut“, sagte Etzel und musste schmunzeln. Bislang habe es seitens der Teilnehmer noch keinen Versuch gegeben, ihm einen Tipp zu entlocken, Einbruchsversuche gab es auch nicht, und dass im Etzel’schen Hof zur Sicherheit Nachtwachen aufziehen, ist auch nur ein Gerücht. Das eine oder andere Mal werde er aber schon „un’, was meinste?“ gefragt. Ohne Erfolg natürlich, denn Etzel schnuppert allenfalls an den Proben, nippen kommt nicht in Frage.

Dabei versteht er durchaus viel vom Hohenastheimer. Sein allererster Selbstgekelterter, weiß er noch, war der 2003-er. Das war der Wehrheimer Jahrhundertsommer schlechthin mit praller Sonne bis in den Oktober und Öchslegraden nahe 80. „Fast wie Traubenwein“, schwärmt Etzel noch immer von diesem legendären Schoppen. Heute steht er eher am anderen Ende der Nahrungskette. Er sichert Wehrheim seinen Ruf als Apfeldorf, indem er Streuobstbäumen Triebe alter Apfelsorten aufpfropft. Mit riesigem Erfolg. Etzel hat 120 Apfelbäume in 100 „alten Sorten“. Darunter befinden sich die Netzrenette, der Kleine Herrenapfel und der Rote Eiserapfel. Aber auch der Korbiniansapfel, der auch „KZ-3“ heißt. Etzel kennt die dramatische Geschichte: Pfarrer Korbinian Aigner hat ihn in seiner Zeit im KZ Dachau gezüchtet und aus dem Lager geschmuggelt.

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