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Schutz: Landwirte und Züchter wappnen sich gegen den Wolf

Von Heute geht’s dem Wolf an den Kragen. Rhetorisch. Denn Bauernverband, Jagdgenossenschaften und der Schafzuchtverband treffen sich an einem Mahnfeuer in Braunfels. Und auch im Hochtaunus mehren sich die Stimmen gegen den bösen Wolf und sein ruchloses Tun. So er denn mal ankommt.
Noch ist er nicht im Taunus gesichtet worden, doch dass er eines Tages hier auftauchen wird, scheint festzustehen: Der Wolf. Tierzüchter und Landwirte sind von dieser Prognose jedoch alles andere als begeistert und ergreifen bereits  Gegenmaßnahmen. Foto: Bernd Thissen (dpa) Noch ist er nicht im Taunus gesichtet worden, doch dass er eines Tages hier auftauchen wird, scheint festzustehen: Der Wolf. Tierzüchter und Landwirte sind von dieser Prognose jedoch alles andere als begeistert und ergreifen bereits Gegenmaßnahmen.
Hochtaunus. 

Wer Tiere auf der Weide hat, ist gegen ihn. Auf jeden Fall gegen unkontrolliertes Einwandern oder, wie es der hessische Bauernverband formulierte, rasantes Ausbreiten ohne Kontrollmöglichkeiten. Es geht um den Wolf, der sich in der Vergangenheit im Rhein-Main-Gebiet mehr oder weniger einzig durch seine Unkenntnis von Verkehrsregeln auszeichnete – einer hat sein Leben auf der Autobahn bei Frankfurt ausgehaucht, ein anderer wurde bei Bad Soden-Salmünster überfahren. Gesichtet wurde im Taunus allerdings noch keiner.

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Kommentar

Im Gegensatz zur Landesregierung und den Naturschutzverbänden vermisse ich so rein persönlich den Wolf eigentlich und generell überhaupt nicht.

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Aber: Die Landwirte und Tierzüchter haben bereits Maßnahmen getroffen, um ihr Vieh zu schützen. Denn dass der Wolf den Taunus besucht, davon ist Elke Schuhmacher als Chefin der Eschbacher Schafzüchter-Familie überzeugt: Von Bad Homburg bis Wiesbaden ist eine durchgehende Waldfläche vorhanden. „Was sollte den Wolf abhalten, sich hier anzusiedeln?“, fragt sie. Auch Heinz Dienstbach als Vorsitzender der Usinger Jagdgenossen, sieht keine Argumente, warum der Wolf den Hochtaunus meiden sollte. Nun sind aber weder die Schumachers noch Dienstbach oder die Pferdehalter generell gegen Lupus eingestellt. Sie wollen nicht, dass er mit Stumpf und Stil ausgerottet wird, sondern fordern von der Politik vorausschauendes Handeln. Derzeit breitet eben diese – ob auf Landes- oder Bundesebene – dem Wolf den roten Teppich aus, ohne mögliche Gefahren für Haustiere einzubeziehen.

Schwierige Beweislage

Ein Beispiel: Wird ein Schaf von einem Wolf gerissen, steht die Beweispflicht beim Tierhalter, wenn’s um die Entschädigung geht. Also müsste der auf frischer Tat ertappte Wolf zum Amt geschleift werden (was schwierig sein dürfte) oder aber Fotos vom Wolf beim Beutezug vorgelegt werden (auch nicht gerade wahrscheinlich). Sonstige Möglichkeiten, dem Wolf etwas nachzuweisen, gibt’s nicht. Selbst wenn Speichel auf DNA untersucht würde, käme nur die des Hundes heraus – Hund und Wolf sind bei der DNA zu 99,96 Prozent deckungsgleich.

Info: Platz für 440 Rudel

Im vergangenen Jahr sollen in ganz Deutschland 60 Wolfsrudel, 13 Paare und drei sesshafte Einzeltiere gelebt haben. Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl der bestätigten Rudel in Deutschland um 13 gestiegen,

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Also bleibt den Züchtern nur, sich gegen Wolfsübergriffe zu wappnen. Etwa durch erhöhte Weidezäune mit deutlich mehr Strom auf der Leitung wie bisher. Sowohl Strom als auch teurere Weidezäune bleiben finanziell beim Züchter hängen. Eine weitere Möglichkeit, die bei den Schuhmachers bereits eingeführt wurde: Die Züchter schaffen sich Herdenschutzhunde an – nicht zu verwechseln mit Hütehunden. Die Schutzhunde sind groß, kräftig und auf alles abgerichtet, was nicht zur Herde gehört. Selbst ein Zusammentreffen mit den Hütehunden wäre nicht ratsam, denn Schutzhunde sehen diese als Angreifer gegen die Herde und attackieren sie. So ein Tier, das nur nachts bei der Herde wacht, kostet bis 4000 Euro. Und: Diese Hunde wiegen bis zu 90 Kilo und fressen entsprechend – und auch nur spezielles Futter, denn ihr Blutinstinkt darf nicht geweckt werden. Hinzu kommt die Versicherung – denn viele Hundebesitzer lassen ihre Tiere beim Spaziergang frei laufen. Nähert sich ein braver Wuff dem Schutzhund, ist der Ausgang klar.

Klare Regeln gefordert

Doch Schuhmacher sieht nicht nur hier Probleme, sondern möchte, wie auch alle anderen Betroffenen, klare Regelungen. „Der Schutz der Weidetierhaltung muss Kernanliegen des Naturschutzes werden und darf nicht dem Wolfsschutz untergeordnet werden. Die von den Weidetierhaltern ergriffenen Maßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde bieten nur einen begrenzten Schutz vor dem Wolf und verlangen hohe Investitionen.“ Und weiter: „Der bereits heute den Tierhaltern entstandene hohe Aufwand muss vollumfänglich erstattet werden ebenso wie die Schäden für Wolfsrisse, die nicht nur den Wert des Tieres, sondern auch die Ertragsausfälle und die Mehrkosten umfassen.“

Eigentlich wollen die Schuhmachers verständlicherweise gar keinen Wolf. Es geht ihnen nicht nur um mögliche Tötungen ihrer Tiere: „Schafe und Pferde reagieren absolut panisch, wenn sich wilde Hunde oder gar der Wolf nähern. Dann greift der Fluchtinstinkt, sie trampeln die Zäune nieder und wir sitzen wieder auf Schadensersatzforderungen. Ganz zu schweigen davon, dass die Tiere dann für lange Zeit traumatisiert sind, und wir den Ärger haben.“

Für alle Wolfsgegner steht fest: Der dicht besiedelte Taunus eignet sich nicht für Wölfe. „Wir haben bisher von den Befürwortern, also Umweltverbänden und der Politik nichts gehört, wie sie unsere Probleme lösen wollen. Bisher heißt es immer nur, wir sollen die Zäune höher machen. Gute Lösungen sehen anders aus“, so Dienstbach.

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