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Kransbergs Schlossherr hat einige Ideen, wie die Bunkeranlage genutzt werden kann: Kunst soll die Leere füllen

Von Der Hauptbunker im Schloss war Ziel einer Führung. Und da ging es auch um die Frage, ob Hitler jemals in Kransberg, seiner geplanten Dependance zu Wiesental, war. Die Historiker sagen Nein, der Schlossherr weiß hingegen etwas anderes.
Ein langer Steingang führt zum eigentlichen Bunker im Schloss Kransberg. Zurzeit sieht es hier noch sehr leer und trist aus. Doch in Zukunft könnten Gemälde und andere Kunstwerke die kahlen Wände zieren. Ein langer Steingang führt zum eigentlichen Bunker im Schloss Kransberg. Zurzeit sieht es hier noch sehr leer und trist aus. Doch in Zukunft könnten Gemälde und andere Kunstwerke die kahlen Wände zieren.
Usingen. 

Es ist eine kleine Seitentür, die in den jüngeren Flügel des Schlosses führt. Eine hölzerne Tür wie jede andere. Beim Öffnen gibt sie den Blick ins historische Treppenhaus frei. Und zeigt eine Mischung aus Baustelle, Unordnung und dazwischen eine große Leere. Sebahattin Özkan, der Besitzer von Schloss Kransberg, geht voran: ein paar Stufen hinunter, um die Ecke und weitere Stufen hinab. Die Luft wird schon spürbar kühler. Während auf dem Schlosshof angenehme sommerliche Temperaturen mit der Aussicht auf Regen vorherrschen, haben wir auf dem Weg nach unten gefühlt mindestens zwei Grad eingebüßt. Nicht die herrlichen Hallen voller Glanz, Glorie und Feste stehen an diesem Abend auf dem Programm, auch nicht die inzwischen bekannten Schlosskonzerte. Mit denen versucht Özkan ein an Klassik interessiertes Publikum nach Kransberg zu holen. Nein, es ist der hässliche, abstoßende Teil der deutschen Geschichte, um die es am Freitagabend geht: die Nazizeit. Eine Gruppe von Interessierten hat sich zu einer Bunkerbesichtigung angemeldet und der bekannte Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer erzählt aus der Geschichte.

Original Schilder

Vorab gewährt Özkan dieser Zeitung einen Einblick in seine Pläne und eben jenen Ort, der die Menschen vor einem Giftgasangriff retten sollte. Noch eine Biegung, und der Schlossherr erreicht die erste Tür. „Keep the door close“ (haltet die Tür geschlossen) ist auf dem Schild zu lesen. „Das ist noch original von den Amerikanern“, weist der Schlossherr auf das Stück Plastik in Augenhöhe der Tür, eine Tür, wie sie auch in jedem Keller zu finden ist, grau, unauffällig. Dahinter verbirgt sich allerdings kein Keller, sondern ein langer Gang. Direkt in den harten Felsen gehauen, die Wände schroff und kalt, die Decke mit rostigen Stahlschwellern belegt, von denen das Wasser tropft.

Mehrfach den Besitzer gewechselt

Als staufische Burg wurde das Schloss Kransberg wahrscheinlich 1170 erbaut, urkundlich allerdings erst 1250 erwähnt. Die Besitzer haben in der Vergangenheit mehrfach gewechselt.

clearing

Mit dem Schritt durch die Tür wird die Luft noch einmal drei Grad kühler, und wer bislang im T-Shirt auskam, braucht ab jetzt eine Jacke. Die Wände sind mit langen Lichtleisten beleuchtet, sonst gibt es hier nichts. Ein beleuchteter Tunnel, der zu einer weiteren Stahltür führt. In zwei Teilen ist sie, wie bei einem U-Boot, von innen verriegelbar. „Ich habe hier auch noch andere Lichter angebracht“, sagt Sebahattin Özkan und schaltet das Licht aus, um kurz darauf eine andere, schmale Lichtleiste anzuknipsen. Sie taucht den gesamten Gang in ein warmes Orange und schon wirkt der kalte Gang wie ein moderner Lounge-Club oder ein Ausschnitt aus einer modernen Kunst-Performance.

Ausstellungen

Kunst, ja das ist auch für Özkan das Stichwort. Für die Zukunft kann er sich vorstellen, den Stollen mit Kunstausstellungen zu verschönern. Und nicht nur diesen. Hinter der zweiteiligen Stahltür befinden sich jene Räume, die den Nazis als Versteck dienen sollten: der eigentliche Luftschutzbunker. Im Vorraum, der als Abwehr für Giftgas dienen sollte, steht das Wasser auf dem Boden, in den ersten Gängen lagern Stühle.

Komplett umgebaut

1926 kaufte Emma von Scheidlein das Schloss, das im 12. Jahrhundert von den Staufern als Burg erbaut wurde. 1939 von den Nazis enteignet, baute Albert Speer die gesamte Anlage so um, dass sie den drei militärischen Größen Heinrich Himmler, späterer Reichsinnenminister und Chef der Polizei, Hermann Göring, Reichsmarschall, und Erwin Rommel, Generalfeldmarschall, als Unterkunft dienen konnte. Hitler selbst sei nie in Kransberg gewesen, sagt Vorlaeufer-Germer, Özkan hingegen will etwas anderes wissen. War der Führer also doch in Kransberg? „Ich kenne jemanden, der bestätigt hat, dass Hitler hier war“, sagt der Schlossherr. Ob dem wirklich so war, bleibt an diesem Tag aber erst einmal ungeklärt. Ebenso die Frage, was Özkan mit dem Bunker vorhat.

Wenn es nach Schlossbesitzer Sebahattin Özkan geht, soll an den kahlen Wänden im Bunker, der zurzeit noch bedrückend wirkt, bald Kunst hängen. Bild-Zoom
Wenn es nach Schlossbesitzer Sebahattin Özkan geht, soll an den kahlen Wänden im Bunker, der zurzeit noch bedrückend wirkt, bald Kunst hängen.

Die unterirdische Anlage besteht aus mehreren Teilen, alle sind miteinander verbunden. Die schwarze Decke ist mit unzähligen Aufhangmöglichkeiten gespickt. „Hier wurden früher Sado-Maso-Partys gefeiert“, weiß Özkan. Die noch verbliebenen Toiletten erlauben keine Privatsphäre, und es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich derartige Feiern in den tristen Räumen vorzustellen.

Noch um 1946 versuchten die Amerikaner ihrerseits, die Stollen des Bunkers zu erweitern. Doch der Taunus-Schiefer ist hart. Eine begonnene Treppe zeigt die rauen Felsen, die zu Hitlers Zeiten von Häftlingen behauen und teilweise gesprengt wurden.

Die kleineren Räume, die nicht als Stuhllager dienen, sind mit Gerümpel vollgestellt, die großen Räume sind kalt und leer. Ein Ort des Wohlbehagens sieht anders aus. Doch vielleicht braucht es nur das rechte Licht und etwas Kunst, um aus dem Bunker einen beschaulichen Ort zu machen. „Das Schloss selbst ist für gemeinnützige Organisationen und vor allem auch Konzertbesucher offen“, betont der Schlossherr.

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