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84-Jähriger mit Talent: Karl Kastl hat ein „Taunus-Lied“ komponiert

Von Es gibt viele Lieder, die ein Heimatgefühl ausdrücken sollen – das Westerwald- oder das Böhmerwaldlied zum Beispiel. Karl Kastl hat sich jetzt dem Taunus gewidmet.
Diese von ihm gemalte Landschaft mit dem Feldberg im Hintergrund hat Karl Kastl motiviert, ein „Taunus-Lied“ zu komponieren. Diese von ihm gemalte Landschaft mit dem Feldberg im Hintergrund hat Karl Kastl motiviert, ein „Taunus-Lied“ zu komponieren.
Neu-Anspach. 

Karl Kastl hat eine glückliche Kindheit gehabt. Noch heute gerät der Anspacher ins Schwärmen, wenn er von den Jahren auf dem Bauernhof im Egerland berichtet, auf dem er in den ersten zwölf Jahren seines Lebens aufgewachsen ist. Und so, wie diese Zeit den Grundstein für seine Verbundenheit zur Natur gelegt hat, haben später seine Lehrer seine Liebe zur Musik, zum Gesang und zur Poesie geweckt. An sie denkt er deshalb nicht weniger gerne zurück.

„Ich konnte besser singen als alle Mädchen“, erzählt der 84-Jährige. Dieses Talent habe ihm die Integration erleichtert, und er sei in Usingen, wohin die Familie nach der Vertreibung 1946 gelangte, schnell heimisch geworden. Kastl bekommt glänzende Augen, wenn er von seiner Musiklehrerin in der Grundschule erzählt, die ihm das Volkslied nahegebracht hat, und später dann vom Gymnasium, wo er sich mit Kunstliedern, Mozart-Opern und Bach beschäftigte. Nicht zu vergessen der Deutschlehrer, der dafür gesorgt hat, dass Kastl noch heute den „Osterspaziergang“ von Goethe auswendig kann. „Das Gedicht hat mich so ergriffen, dass ich es nie vergessen habe.“

Gute Erinnerungen

Kastl hat an seine Jugendzeit in Usingen nur gute Erinnerungen, und er ist so dankbar dafür, dass er vor zehn Jahren für die Buchfinkenstadt, in der er noch immer ein Freizeit-Grundstück hat („Mein Jungbrunnen“), den „Usinger Kerbemarsch“ komponiert hat. Auf Veranlassung des ehemaligen „Kerbevadders“ Heinz Dienstbach wird er noch heute jedes Jahr auf der Laurentiuskerb gespielt. „Das ging mir gut von der Hand“, erzählt der Musikfreund, der seitdem noch weitere Lieder getextet und komponiert hat: „Schön ist die Seniorenzeit“, den Kanon „Ich lieb’ mein schönes Neu-Anspach“ und das „Taunus-Wanderlied“ zum Beispiel.

Und jetzt ein „Taunus-Lied“. Die Lieder über das Riesengebirge, den Westerwald und den Böhmerwald haben ihn dazu motiviert, eine Melodie zu komponieren und sich an einen Text über seine Heimat „zu wagen“ (Lesen Sie dazu auch die Zeilen des Liedes auf dieser Seite). „Schöner als du – Feldberg – kann ein Berg ja gar nicht sein!“ heißt es an einer Stelle, und Kastl, der beim Gespräch mit der Taunus Zeitung immer mal wieder einzelne Strophen singt, meint das völlig ernst: Was sind schon das Matterhorn oder die Zugspitze gegen den Feldberg? Mit den „Himmelblauen Blumen“ meint er die für unsere Region typische Wegwarte, und für die Zeile „Wenn nach langem Winter die Natur mit Macht erwacht“ ist er mitten in der Nacht aufgestanden, um sie zu Papier zu bringen. Er ist stolz auf das Lied, und er findet: „Die Melodie kann mit anderen bekannten Liedern durchaus mithalten.“

Zum ersten Mal hat er sein „Taunus-Lied“ anlässlich der Jubiläumsfeier des Taunusklubs in der Frankfurter Sandelmühle vor mehr als 300 Menschen präsentiert. „Alle haben gleich mitgesungen“, erzählt er stolz. Auch dies ist eine Bestätigung für ihn, dass er mit seiner Heimatverbundenheit nicht alleine ist. „So geht es mir, und so geht es auch anderen.“

Kastl fühlt sich als „Musensohn“ und zeigt bei einem Rundgang durch sein Haus, dass er nicht nur singen, texten und komponieren, sondern auch malen kann. Er hat einst in Kassel an der Kunstakademie bei Professor Arnold Bode, Begründer der documenta, studiert, und heute hängen an den Wänden viele eigene Werke. Sie zeigen Ansichten aus dem Usinger Land zu verschiedenen Jahreszeiten, und eine davon, ein großes Landschaftsbild mit – wie könnte es anders sein – dem Feldberg im Hintergrund, hat ihn ebenfalls zu seinem „Taunus-Lied“ angeregt. Es sind aber auch abstrakte und moderne Arbeiten darunter.

Kastl hat seine Talente einst auch zum Beruf gemacht. Er hat Deutsch, Kunst und Sport auf Lehramt studiert und zunächst am Frankfurter Lessing-Gymnasium, später dann auch an der Christian-Wirth-Schule in Usingen und an der Adolf-Reichwein-Schule in Anspach unterrichtet. In seiner Freizeit spielt er das Tenorhorn – zunächst bei den Wiesbachtaler Musikanten, dann bei der Schützenkapelle Finsternthal-Hunoldstal und heute im Musikzug der SG Anspach.

Arrangement für die Kapelle

Dessen Dirigent, Arno Claassen, sei vom „Taunus-Lied“ so angetan gewesen, dass er daran denke, eine CD aufzunehmen und es für die Blaskapelle zu arrangieren, erzählt Karl Kastl. Dann könnte es bei einem der nächsten Konzerte aufgeführt werden, und das würde ihn natürlich freuen: „Ich habe mir viel Mühe damit gegeben und hoffe natürlich auf mehr Gelegenheiten, es zu präsentieren.“

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