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Fahrverbot: Immer wieder ohne Führerschein gerast

Von Wenn man sich schon ein Auto für 40 000 Euro kauft, ohne einen Führerschein zu besitzen, dann sollte man sich im Verkehr wenigstens unauffällig verhalten und sich nicht auch noch blitzen lassen. Einem 27-jährigen Neu-Anspacher war das nicht so recht klar.
Ein Tempomessgerät hat einen Verkehrssünder erwischt (Symbolfoto) Foto: Daniel Reinhardt/Archiv Ein Tempomessgerät hat einen Verkehrssünder erwischt (Symbolfoto)
Neu-Anspach. 

Was geht in einem Mann vor, der keinen Führerschein hat, sich trotzdem für 40 000 Euro einen BMW X5 kauft, zu schnell fährt und sich dabei mehrfach blitzen lässt? Das Bad Homburger Amtsgericht hat sich gestern um Antworten auf diese Frage bemüht. Diese bekam es auch, war von diesen aber nicht so recht überzeugt – zumal es nicht nur um eine verbotene Fahrt ging, sondern gleich um acht. Mal fuhr er mit dem besagten BMW, dann mit einem Mercedes, einem Citroën und sogar mit einem Lkw, öfters in Neu-Anspach, dann in Königstein, auch mal in Kelkheim – der Mann ist viel herumgekommen. Noch dazu meistens zu schnell. Die Blitzer-Bilder waren superscharf und das Gericht sicher, dass der Mann auf den Fotos auch der auf der Anklagebank war.

„Heiliges“ Versprechen

Dem 27-jährigen Neu-Anspacher fiel das alles jetzt vor die Füße. Er wurde zu 13 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, sechs Monaten Führerscheinsperre und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Den eingezogenen BMW bekommt er zwar zurück, muss auch die Raten weiter zahlen, darf ihn aber nicht mehr fahren, was er dem Gericht „hoch und heilig“ versprach.

Der Richter hofft, dass bei dem Mann endlich der Groschen gefallen ist. Seit seinem 15. Lebensjahr hat er sich quer durchs Strafgesetzbuch gearbeitet: „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ gleich mehrfach, gefährliche Körperverletzung, Hehlerei, Einbruch, Verstoß gegen das Waffengesetz, Nötigung, Unfallflucht.

„Sie sind jetzt 27, was wollen sie denn mit 40 machen?“, hatte der Richter Zweifel daran, ob nun wirklich Läuterung angesagt ist.

Verteidiger Ralf Behr ist davon indessen felsenfest überzeugt. Er warf sich für seinen Mandanten, den er kenne, seit der elf Jahre alt ist, und der jetzt wohl endlich „reinen Tisch mache“, mächtig in die Bresche.

Doch er musste erkennen, dass das Gericht bei achtfachem „Fahren ohne“ nicht von einem einmaligen Ausrutscher ausgehen würde. Und das obwohl sein Mandant der Polizei bei der Aufarbeitung anderer Straftaten durch Insiderauskünfte zur Hand gehe und deshalb von der Justiz ein gewisses Entgegenkommen wohl erwarten könne.

Auch dass der Wagen nur auf seinen Mandanten zugelassen sei und auch von ihm finanziert werde, im Grunde aber ein Familienauto sei, überzeugte das Gericht nicht im Geringsten. Dass die Familie des Angeklagten die Beerdigung eines Verwandten im Kosovo verpasste, weil der X5 von der Polizei vorläufig beschlagnahmt worden war und kein anderes Fahrzeug zur Verfügung gestanden hat, sei zwar bitter, ändere aber nichts am Urteil.

Tendenz zur Läuterung

Die Amtsanwältin erkannte durchaus eine gewisse Tendenz zur Läuterung, vermisste aber auch glaubhafte Hinweise im Verhalten des Mannes darauf, dass er sich künftig vielleicht doch an Recht und Gesetz halten wird. Zwei Jahre Führerscheinsperre müssten es schon sein, meinte die Anklagevertreterin, bis dahin könne er wieder geeignet sein, ein Auto im Straßenverkehr zu bewegen, vorher wohl kaum.

So weit wollte der Richter dann aber doch nicht gehen. Er setzte die Sperrzeit auf sechs Monate fest. Immer noch mehr, als der Verteidiger zu hoffen gewagt hatte. Wenn sein Mandant jetzt nicht den Führerschein machen könne, wo er die Fahrschule doch bereits absolviert habe, gehe doch alles wieder von vorne los, argumentierte er - zumal die meisten der acht Fahrten doch auch beruflich veranlasst gewesen seien. Eine Sperre, wie von der Amtsanwaltschaft beantragt, sei weder sachgerecht noch der Schuld angemessen.

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