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Dreiteilige Serie: Hugenottenkirche: Der Zahn der Zeit ist unerbittlich

Von Der Zahn der Zeit nagt bis heute an der vor über 300 Jahren gebauten Hugenottenkirche. Über sie und ihren Baumeister berichtet die Taunus Zeitung heute und in zwei weiteren Folgen.
Der entkernte Raum zeigte die Größe des ungeteilten Kirchenraums. Foto: Frank Saltenberger Der entkernte Raum zeigte die Größe des ungeteilten Kirchenraums.
Usingen. 

Die Hugenottenkirche ist als Ort für Eheschließungen sehr gefragt, allerdings wurden Hochzeitfotos mit Kirche im Hintergrund seit rund zwei Jahren durch den im unteren Abschnitt abgeschlagenen Putz getrübt und jetzt ist von der Kirche kaum noch etwas zu sehen, denn sie verschwindet noch einige Wochen hinter den Schmutzfangnetzen des Baugerüstes.

Vor rund 30 Jahren, als die seit dem Umbau der Kirche zur Schule größte Sanierung erfolgte, sah es noch schlimmer aus. Damals wurde sie im Inneren komplett entkernt, Zwischenwände, die beide Geschosse in Klassenräume und einen Mittelgang teilten wurden herausgenommen, auch die alte Balkendecke wurde vollständig entfernt und durch eine massive Bodenplatte ersetzt. Der Ausbau, eine Mischung aus alt und neu, hat der Stadt eine „Gute Stube“ für kulturelle Veranstaltung, politische Sitzungen und das Trauzimmer, sowie im Erdgeschoss Räume für die Stadtbücherei beschert.

Problem mit Feuchtigkeit

In 30 Jahren hat der Zahn der Zeit weiter an der Substanz genagt, so dass über die Putzerneuerung hinaus nun wieder Bauschäden zu beheben sind. Ein Problem war stets die Durchfeuchtung des Mauerwerks vor allem im Sockelbereich. Zwischen damals und heute wurde der Putz bis zu den Fensterunterkanten schon einmal erneuert und dazu ein Sanierputz verwendet. Er dient dazu, die Feuchtigkeit zu binden und wird nach einem bestimmten Zeitraum planmäßig wieder erneuert, was sich zurzeit wiederholt.

Zurück zu den Anfängen: Die Kirche entstand im Zuge der Neustadtanlage, als der Usinger Fürst Walrad eine Stadterweiterung plante, die auch der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich dienen sollte. Das war Ende des 17. Jahrhunderts. Ab 1685 flohen viele Hugenotten aus ihrer Heimat und zahlreiche Landesherren in Deutschland nahmen sie auf, beispielsweise der Homburger Landgraf Friedrich II. mit der Neugründung Friedrichsdorf. Die Landesherren versprachen sich von den fremden Handwerkern und Gewerbetreibenden wirtschaftlichen Aufschwung. Rund zehn Jahre später zog auch Walrad nach und ließ die Neustadt anlegen, was noch unter dem damaligen Stadtbaumeister Johann Emmerich Küntzel begann.

Die Spitzbogenfenster

Der Grundstein wurde am 9. August 1700 gelegt und mit der Leitung des Baus der damals noch als Maurermeister bezeichnete spätere Hofbaumeister Benedikt Burtscher beauftragt. Die Ausführung zeigte deutlich seine Handschrift, wie sie an weiteren Bauten im Usinger Land noch abzulesen ist. Beispielsweise an der Westerfelder Kirche, wo besonders die Fenster an die Usinger Hugenottenkirche erinnern.

Es handelte sich bei den ursprünglichen Fenstern der Hugenottenkirche um langbahnige Spitzbogenfenster, deren Fenstereinfassung sich an gotische Maßwerkfenster anlehnen. Sie waren aber nicht aus Werkstein, sondern aus Holz und sandsteinrot angestrichen. Bei der Sanierung von 1990/91 wurden sie vorübergehend freigelegt.

Im Todesjahr des Fürsten, 1702, wurde noch am Dach gearbeitet, ein Jahr später war sie soweit vollendet, dass man reformierten Gottesdienst halten konnte. Denn die Kirche war die Kirche der Reformierten Usinger Gemeinde, der Name Hugenottenkirche hat sich erst später im Volksmund eingebürgert.

Die Kirche war ehemals ein ungeteilter großer Kirchenraum, mit flacher Decke. Nach einem Bericht des Pfarrers von 1705 war das Innere spärlich eingerichtet. Der Fußboden musste noch mit Platten versehen und eine Bestuhlung angeschafft werden. Die Decke bekam einen blauen Anstrich mit aufgemalten Sternen. Der Turm diente ursprünglich nicht als Eingang, sondern nahm die Treppe zu einer Orgelempore auf und diente der Erschließung des Dachraums. Wo heute der rückwärtige Eingang liegt, befanden sich Kanzel und Altar. Die Eingänge führten von den Seiten ins Innere. Sie waren auch mit einem Spitzbogen versehen.

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