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Islam: Hochschul-Professor stößt kontroverse Diskussion im katholischen Gemeindezentrum an

Von Katholiken setzten sich mit dem Islam auseinander und wissen jetzt mehr über die abrahamitische Schwester-Religion. Es kommt aber auf die Lesart an. Denn was ein aufgeklärter Theologe denkt, deckt sich nicht mit der Sicht auf der Straße.
Professor Dr. Ahmad Milad Karimi sprach über den Islam aus der Sicht eines aufgeklärten Theologen. Foto: Frank Saltenberger Professor Dr. Ahmad Milad Karimi sprach über den Islam aus der Sicht eines aufgeklärten Theologen.
Neu-Anspach. 

Dass der Islam zu Deutschland gehöre behauptete 2010 der damalige Bundespräsident Christian Wulff und hat mit seiner Formulierung zwei Lager geschaffen, die Befürworter und die Widersprecher.

Gehört er jetzt zu Deutschland oder nicht, diese Frage war auch der Aufhänger einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung des Bistums Limburg, das dazu in das katholische Gemeindezentrum eingeladen hatte und rund 40 bildungsinteressierte „Erwachsene“ kamen zu einem Podiumsgespräch, geführt von Journalist Meinhard Schmidt-Degenhard mit Professor Dr. Ahmad Milad Karimi von der Universität Münster. Im Anschluss an das Gespräch hatten die Zuhörer Gelegenheit Fragen zu stellen.

Zuvor aber beleuchteten die Gesprächspartner die Weltreligion, die zurzeit den Weltfrieden auf vielen Schauplätzen mit Füßen tritt und in deren Namen täglich gemordet wird. Ist das der Islam oder wird er nur instrumentalisiert? Von Letzterem ist der im Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster lehrende promovierte Professor Karimi überzeugt. Der aus Afghanistan stammende gläubige Moslem nahm seine Zuhörer bei dem Versuch mit, den Islam aus seiner geschichtlichen Entwicklung heraus zu erklären: So wies er zunächst auf die Verhältnisse in Mekka zurzeit Mohammeds hin, als Clans und Stämme herrschten und Götzen verehrt wurden. „Mekka war damals eine Götzenansammlung“, so Karimi.

Auch auf die enge Verwurzelung des Islams mit der jüdischen und christlichen Religion wies der Professor hin, etwa durch den Stammvater Abraham und den Erzengel Gabriel, von dem Mohammed seine erste Offenbarung empfing. „Jesus und Maria haben im Islam eine große Bedeutung“, sagte er weiter, auch der Kreuzestod mache ihn betroffen, aber an die Menschwerdung Gottes durch Jesus Christus glaube er persönlich nicht.

Kein Monolog Gottes

Über die Flucht des Propheten Mohammed aus seiner Geburtsstadt und ersten Wirkungsstätte Mekka nach Medina und seinen Kampf gegen die Mekkaner erfuhren die Zuhörer sehr viele historische Details. Ausgiebig ging Karimi auf den Koran ein und schickte voraus, dass es viele unterschiedliche Auslegungen gebe. Seiner Exegese nach, wie er sie auch seinen Studenten weitergebe, dürfe aber kein Moslem für sich in Anspruch nehmen, den Koran vollständig zu verstehen. „Jeder Moslem hat den Auftrag, zu verstehen, was Gott von ihm will“, sagte er und: Gott lasse sich „durch den Koran hören“. Es gebe im Islam auch kein kirchliches Lehramt oder gar mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit. „Das einzige Lehramt ist die Plausibilität“, so Karimi. Der Koran sei auch kein Monolog Gottes, er sei Prosa mit Rhythmus, Takt und Melodie und seine Form dürfe vom Inhalt nicht getrennt gesehen werden.

Der Dschihad. sagte er, bedeutet nicht, dass alle Ungläubigen getötet werden müssten, sondern „töte den Unglauben in deinem Herzen“.

Schmidt-Degenhard brachte auch aktuell brisante Fragestellung in das Gespräch ein: „Das Grundgesetz und der Islam, passen die zusammen?“ „Wunderbar!“ antwortete Karimi, was zu einem Raunen in den Stuhlreihen führte. Das deutsche Grundgesetz sei eines der besten der Welt und die Trennung von Staat und Religion ganz im Sinne des Islam, auch wenn es Staaten und Menschen gebe, die die Religion instrumentalisieren. Die im Namen der Islam geführten Kriege seien machtpolitisch motiviert, erklärte Karimi. Und wenn ein Moslem auf dem Irrweg ist, sei der Islam deshalb nicht schlecht. Die Demokratie sei schließlich auch nicht schlecht, auch wenn sie von einem Donald Trump verkörpert werde.

„Ich bin tieftraurig“

„Ist er Islam ist in einem desolaten Zustand?“, fragte Schmidt-Degenhard den Gast. „Ich bin tieftraurig, was im Namen des Islam geschieht, aber wir dürfen nicht in Resignation verfallen“, es sei alles auch ein Frage der Bildung, erwiderte er. Er vermittle seinen Studenten ein anderes Bild des Islam. Seine Studenten müssten Kant und Hegel lesen und er glaube, dass es in zehn Jahren in Deutschland junge Muslime gebe, die viel leisten könnten.

Im Anschluss des Vortrags gab es viele Fragen aus dem Publikum. Offensichtlich, so der Tenor, sind es zu viele, die auf dem Irrweg sind, den Islam und Koran nach eigenem Gutdünken auslegen Dass keine zehn Jahre ausreichen werden, um den praktizierten Islam mit Menschenrechten im Sinne der Deutschen Verfassung zu untermauern, war wohl den meisten der Anwesenden Skeptikern auch klar. Professor Karimi wurde trotz kontroverser Sicht auf den Islam mit herzlichem Applaus für die in jedem Falle bereichernden Ausführungen gedankt.

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