E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Museumsdorf: Hessenpark erläutert die Kunst des Fachwerks

Von Bauen in Fachwerk nutzt natürliche Baustoffe, ist jahrhundertealte Tradition und hat das Landschaftsbild Hessens nachhaltig geprägt. Der Hessenpark stellte das Fachwerk am Wochenende ganz in den Vordergrund. Denn viele Menschen im ländlichen Raum wohnen in diesen Fachwerkbauten und stehen oft genug vor Sanierungsproblemen.
Anschauungsobjekt für eine fachmännische Fachwerksanierung ist unter anderem das Haus aus Grebenau im Hessenpark. Foto: Frank Saltenberger Anschauungsobjekt für eine fachmännische Fachwerksanierung ist unter anderem das Haus aus Grebenau im Hessenpark.
Neu-Anspach. 

Der hessische Regionalabschnitt der Deutschen Fachwerkstraße führt von Höchst über Oberursel, Idstein, Bad Camberg, Limburg, Weilmünster, Wetzlar und Herborn nach Dillenburg – und auf dem Abschnitt zwischen Oberursel und Idstein liegt auch das Freilichtmuseum Hessenpark. Das ist in besonderem Maße dem Fachwerk verpflichtet, denn der größte Teil seiner baulichen Substanz besteht aus Fachwerkgebäuden.

Eines besonderen Tages des Fachwerks hätte es eigentlich nicht bedurft, denn über das ganze Jahr kommt man im Museumsdorf am Fachwerk nicht vorbei, und es gibt zahlreiche Veranstaltungen oder Vorführungen zum Thema. Am Wochenende aber wurde dem alten Handwerk mit einem Fachwerktag besonders gehuldigt, und die Besucher konnten an vielen Stationen die praktische Arbeit der Fachleute entweder beobachten oder selbst Hand anlegen.

Noch vor Generationen bestanden die Dörfer und Städte hierzulande aus Fachwerk. Der Begriff bezeichnet die Konstruktionsweise, die allerdings nicht allein auf das Baumaterial Holz beschränkt ist, sondern auch andere Techniken und Materialien einschließt, mit denen Gefache zur Stabilisierung von Wänden erstellt werden. Aber Fachwerk wird weitgehend mit Fachwerk aus Holz gleichgesetzt, und das prägte jahrhundertelang das Landschaftsbild vom Neckar bis zur Weser. Aus allen Regionen Hessens finden sich im Hessenpark Beispiele traditioneller Baukunst. Die Bauweise zeigt aber auch, wie viel Aufwand bei der Unterhaltung der Bauwerke notwendig ist. Dabei hält Eichenholz „eine Ewigkeit“, sofern es bauphysikalisch richtig verbaut wird.

Praktische Lehre

Das geschah auch bei den alten Bauhandwerkern nicht immer in der erforderlichen Weise, denn wie auch heute noch überall in den Dörfern und Städten zu beobachten ist, sind es meist die Schwellen, die faul und marode sind und zu schweren und kostenträchtigen Bauschäden führen. Bei den Schwellen handelt es sich um die waagrechten unteren Balken, die das Wandgerüst tragen und in der Regel direkt auf dem Sockelmauerwerk aufliegen, was der Grund für den Verfall ist. Neben Feuchtigkeit gefährden tierische Schädlinge vielfach den Bestand.

Im Freilichtmuseum ist das Haus aus Grebenau ein anschauliches Beispiel für eine Fachwerksanierung. Das Haus am Dorfplatz ist zurzeit eingerüstet, mit Planen abgehängt und gestattet nur die Besichtigung von außen. Aber auf der Rückseite war die Abdeckung gelüftet und gab, etwa aus der Scheune aus Erda heraus, den Blick auf die Wand frei. In der Scheune war eine der Mitmachstationen untergebracht. Dort konnten die Besucher Lehm stampfen, mit Stroh als Dämmstoff und Armierung versehen und um Stakhölzer wickeln. Die Wickel wurden früher zur Herstellung von Decken verwendet und zwischen die Deckenbalken eingeschoben. Ähnlich funktionierte die Ausfachung der Wände, wobei der Strohlehm oft von einem Flechtwerk aus Weidenruten um Eichenstäbe getragen wurde.

Aufwendige Arbeit

Dazu mussten die biegsamen Weidenruten zuerst einmal geschält werden. Auch das konnten die Besucher an einer Station selbst ausprobieren, dazu die Stecken in einen Haltebock einspannen und mit einem Messer abziehen. In der gleichen Weise werden auch die Nägel aus Eichenholz für die Verzimmerung der Fachwerkbalken hergestellt – und auch das durfte erprobt werden. Die Zapfenlöcher müssen mit einem Stechbeitel eingestemmt werden, was die Zimmerleute des Hessenparks den Besuchern vorführten, und sie überließen – das Handwerk braucht Nachwuchs – Schlegel und Eisen gerne Kindern. Nicht zuletzt konnte dabei zugeschaut werden, wie aus einem Stamm ein Balken oder Brett wird: Früher mühsam von Hand gesägt, geschah dies später in Sägemühlen und noch später in Sägewerken mit Dampfmaschinen.

Mit diesen und noch mehr Angeboten gab der Fachwerktag einen guten Überblick über die Fachwerkbauweise, und wer die schönsten Fachwerkhäuser Deutschlands und Hessens bewundern will, der sollte neben dem Museumsbesuch auch eine Route auf der Fachwerkstraße planen.

Zur Startseite Mehr aus Usinger Land

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen