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57-Jähriger will seine Ziehmutter finden: Herr Keller sucht nach seiner Kindheit

Günter Keller wurde in seinen ersten drei Lebensjahren in Wehrheim betreut, weiß aber nicht von wem. Jetzt hofft er auf das gute Gedächtnis der Wehrheimer.
Das Foto entstand wahrscheinlich 1962: Günter Keller, damals noch Günter Heimbücher, mit seiner Oma Apollonia, die ihn in Wehrheim besuchte. Das Foto entstand wahrscheinlich 1962: Günter Keller, damals noch Günter Heimbücher, mit seiner Oma Apollonia, die ihn in Wehrheim besuchte.
Wehrheim. 

Das Foto ist kaum größer als zwei Briefmarken. Seinem gezackten Rand und dem längst verblichenen Weiß sieht man an, dass es aus längst vergangenen Tagen stammt. Mehr als 50 Jahre klebte es unbeachtet in einem Album. Ohne Hinweis auf den Fotografen, das Motiv, den Ort, an dem die Aufnahme mit einem Kind auf einer Wiese entstanden ist.

„Es war nur ein Zufall“, dass ich beim Blättern in dem Fotoalbum mit meiner Frau Brigitte das Bild losgelöst habe“, berichtet Günter Keller. So fiel es buchstäblich dem 57-Jährigen in die Hände. Ein Zufall, mit dem für den gebürtigen Offenbacher die Suche nach seiner Kindheit begann. Konkret: Nach den Menschen, bei denen er die ersten drei Lebensjahre verbrachte. Denn als er das Foto umdrehte, entdeckte er auf der Rückseite der Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Anfang der 1960er Jahre in enger Handschrift den Vermerk: „Zu Besuch bei Günter in Wehrheim.“

Günter Keller richtet bei seiner Spurensuche in Wehrheim sein Augenmerk auf Fachwerkhäuser wie hier im Hexengässchen. Bild-Zoom
Günter Keller richtet bei seiner Spurensuche in Wehrheim sein Augenmerk auf Fachwerkhäuser wie hier im Hexengässchen.

Günter Keller hat seine Geburtsurkunde mitgebracht. Auch das Familienstammbuch, ein Foto seiner Mutter – und jenes Bild, mit dem der Druckvorlagenhersteller auf Aushängen in Wehrheim fragt: „Wer kann helfen?“ Es zeigt ihn etwa im Alter von zwei Jahren mit seiner Großmutter Apollonia vor einem mehrstöckigen Fachwerkhaus in einem großen Garten, begrenzt durch einen Holzzaun.

Alleinstehende Mutter

Keller: „Ich bin am 12. Januar 1960 im Stadtkrankenhaus in Offenbach geboren. Wie meine Mutter, die damals noch nicht verheiratet war, hieß ich mit Nachnamen Heimbücher.“ Gertrud Maria Heimbücher, Jahrgang 1933, arbeitete als Näherin in der Lederstadt. Ihre Verwandtschaft lebte im Odenwald, in Frankfurt, in Dortmund. „Weil sie voll berufstätig war, konnte sie mich wohl nicht ausreichend versorgen“, mutmaßt der 57-Jährige über die Gründe, die seine Mutter dazu bewegt haben, ihn in die Obhut einer Familie nach Wehrheim zu geben. „Vielleicht hat sie ja auch gedacht, dass es mir auf dem Land besser geht als in der Stadt.“

Gesprochen hat die damals Alleinerziehende nie über die frühen 1960er Jahre, ihre Trennung von ihrem jungen Sohn. Auch nicht, nachdem sie Karl Ernst Keller geheiratet hatte, und Günter Keller noch drei Geschwister bekam. Er kann die Entscheidung seiner Mutter nachvollziehen: „Das waren schwierige Zeiten für Frauen, die in der Situation wie meine Mutter waren. Sie hatte wahrscheinlich Angst, dass das Jugendamt mich ihr wegnehmen würde.“

Mit drei Jahren, also 1963, kam Günter Keller zurück nach Offenbach, wo er bis heute lebt. Die Wehrheimer-Zeit geriet bei ihm vollständig in Vergessenheit. Erst 45 Jahre später sollte er von einem weiteren Geheimnis seiner Mutter erfahren. Wieder über einen Zufall. „Ich benötigte für meine Rentenunterlagen eine Geburtsurkunde.“ Er bekam sie vom Rathaus in Offenbach mit einem für ihn „eindeutigen Fehler“. Als Vater stand in dem Dokument nicht der Name von Karl Ernst Keller. „Ich war völlig perplex. Das war einfach unvorstellbar für mich.“ Und doch fasste Günter Keller sofort den Entschluss, seinen leiblichen Vater unbedingt kennenzulernen. Er konnte ihn ausfindig machen, mit ihm kurz vor seinem Tod sprechen, nur wenige Male.

Keinen Groll

Günter Keller hegt keinen Groll ihm gegenüber, ist nicht Gram über die Entscheidung seiner ebenfalls verstorbenen Mutter. „Daran kann man nichts mehr ändern.“ Aber vielleicht an der Ungewissheit, bei wem er als Bub in den ersten drei Lebensjahren in Pflege war. „Denn ich habe keinerlei Erinnerungen an diese Zeit.“ Amtliche Dokumente, weder im Rathaus in Offenbach, noch in Wehrheim, hat er nicht ausfindig machen können.

Gemeinsam mit seiner Frau hat ihn der Weg aber seit dem Foto-Fund schon mehrfach in das Apfeldorf geführt. Die Eheleute sind durch die Straßen des alten Ortskerns gegangen, haben Anwohnern das Bild von Oma Apollonia und dem Buben in den kurzen Hosen gezeigt. Haben mit den Familien Etzel und Gwiasda, die in Anwesen mit Fachwerkbauten leben, und Robert Velte besucht. „Sie waren alle sehr freundlich und hilfsbereit“, sagen beide, „einen Hinweis, wo das Bild aufgenommen wurde, konnten sie allerdings auch nicht geben.“

Günter Keller gibt die Hoffnung indes nicht auf, führt die Suche nach seiner Kindheit fort. „Wenn man erstmal eine Spur hat, lässt einen das nicht mehr los“, sagt der 57-Jährige. „Und wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt er.

Wer helfen kann: Günter Keller ist unter der Rufnummer (069) 83 00 77 07 zu erreichen und für jeden Hinweis dankbar.

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