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Nachtarbeit: HR repariert den UKW-Sender auf dem großen Feldberg

Von Wer des Nachts gen Feldberg blickt, der sieht ein Leuchten und Glimmen. Dass der Sendemast des Hessischen Rundfunks aktuell nachts auf eine ganz andere Art und Weise strahlt, hat einen besonderen Grund.
Ulrich Bentele, Sendebetriebsleiter des Hessischen Rundfunks (rechts), und sein Mitarbeiter Robert Zimmer müssen derzeit beim Feldbergturm viele Nachtschichten einlegen. Foto: Tatjana Seibt Ulrich Bentele, Sendebetriebsleiter des Hessischen Rundfunks (rechts), und sein Mitarbeiter Robert Zimmer müssen derzeit beim Feldbergturm viele Nachtschichten einlegen.
Usinger Land. 

Von weitem leuchtet es derzeit jede Nacht vom großen Feldberg herab. Eine scheinbar große leuchtende Fackel, auch wenn es sich dabei lediglich um große Strahler handelt. Doch was ist da nachts auf dem Feldberg los? Eine Großbaustelle oder vielleicht doch der heimliche Bau der stets abgelehnten Sommerrodelbahn?
Doch das ist es nicht, denn die Gründe sind andere. „Wir führen an unserem Sendemast Reparaturen durch“, erklärte Ulrich Bentele, Sendebetriebsleiter des Hessischen Rundfunks. Der große Feldberg ist ja nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, der Hessische Rundfunk betreibt dort auch seinen wichtigsten Standort mit zwei Antennen für UKW und DAB+.

Nun ist eine halbe UKW-Antenne defekt und muss repariert werden. „Das geht allerdings nur nachts, denn die Antenne muss abgeschaltet werden“, erklärte Bentele.

Wie eine große Fackel leuchtet nachts der Feldbergturm derzeit wegen der Bauarbeiten. Bild-Zoom
Wie eine große Fackel leuchtet nachts der Feldbergturm derzeit wegen der Bauarbeiten.

In dieser Zeit übernimmt der in unmittelbarer Nachbarschaft stehende kleinere Mast den UKW-Betrieb, „aber auch der funkt nicht auf voller Leistung.“ Die Masten für den UKW-Betrieb stehen in etwa auf gleicher Höhe. Damit die Mitarbeiter vor den Strahlen geschützt bleiben, muss auch die Leistung des Alternativmastes gedrosselt werden.

Balanceakt

Das wiederum merken die Radiohörer in den Randbereichen möglicherweise durch etwas Rauschen. Damit der Hörfunkbetrieb aber so wenig wie möglich beeinträchtigt wird, finden die Arbeiten nur nachts in der Zeit von 22.05 bis 4.50 Uhr statt.

Die Reparatur ist in der Tat gar nicht so einfach, denn die Arbeiten finden im Inneren des Sendemastes statt, während die Ersatzteile von außen über einen Flaschenzug in rund 117 Meter Höhe gezogen werden. Diese Austauscharbeiten sind kein Job wie jeder andere, so viel steht fest. Denn die Techniker müssen mit Steigzeug ausgerüstet in der schmalen Röhre nach oben klettern und innerhalb der Röhre übereinander arbeiten.

Zwei Hauptleitungen führen in den Sendemast, die jeweils eine sogenannte halbe Antenne speisen. Dabei galt es nun die Teile des Verteilers auszutauschen, damit der Rundfunk auch noch in den nächsten Jahren störungsfrei senden kann.

Auf den ersten Blick mag diese Investition im sechsstelligen Bereich überraschen, wird dem UKW-Funk doch schon seit geraumer Zeit das Ende vorhergesagt. „Aber noch ist es so, dass eben viele Autoradios zum Beispiel über UKW funktionieren“, erklärte Bentele.

Zwar gebe es bereits entsprechende Adapter, die auch einen Empfang über das digitale Signal DAB+ ermöglichen würden, doch die flächendeckende Ausrüstung damit ist noch lange nicht so weit, um den UKW-Sendebetrieb abschalten zu können. „Wir müssen den Betrieb jetzt sicher stellen, unabhängig davon, wann UKW abgeschaltet wird“, sagte Bentele. Hinzu kommt, dass aktuell auch an Szenarien gearbeitet werde, wie der Hörfunk im digitalen Netz sichergestellt werden kann, wenn es zum Beispiel zu einem Blackout käme. „Stromversorgung haben wir hier, doch es geht natürlich um mehr“, sagte der Sendebetriebsleiter.

Zum Hintergrund: Ein Blackout beschreibt den Fall, dass die Stromversorgung großflächig unterbrochen ist. Damit wäre für die Menschen ohne Strom zum großen Teil auch kein Telefon oder eben auch digitales Radio zu empfangen, was wiederum die Frage nach der Information der Bevölkerung aufwirft.

Handgefertigte Ersatzteile

Doch zurück zum Sendemast. Bereits seit dem Frühjahr habe es die Störungsmeldungen gegeben, dann gingen die Techniker auf Fehlersuche, denn das UKW-Signal kam nicht überall an. Nach der Identifikation der Fehlerstelle begannen die Pläne für die Reparatur, wobei auch das Wetter eine große Rolle spielt, „denn es muss für diese Arbeiten warm und trocken sein“, erklärte der Sendebetriebsleiter.

Die Ersatzteile sind hochwertig und handgefertigt, weshalb sich die Arbeiten nun bis in den September hinzogen. Zwei Wochen davon sind für Nachtarbeit veranschlagt, „doch wir hoffen früher fertig zu sein“, sagte Bentele. Betroffen sind die Radioprogramme hr1 (94,4 MHz), hr2-kultur (96,7 MHz), hr3 (89,3 MHz) und hr4 (102,5 MHz). Dies gilt außerdem für Deutschlandradio (98,7 MHz) und FFH (105,9 MHz). Alternativ sind die Programme aber unter anderem über DAB+ (Kanal 7B), Internet (Webradio oder Livestream), Smartphone (hr-Radio-Apps) sowie Satellit oder Kabel (analog und digital) empfangbar. Bis zum 30. September dauern die Arbeiten.

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