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Gerne in Reifenberg zu Hause

Von Welche politischen Ziele die beiden Bürgermeisterkandidaten verfolgen, haben sie in der vergangenen Woche in TZ-Interviews gesagt. Bei einem Rundgang erzählen sie nun von ihrem Privatleben und was ihr „ganz persönliches Schmitten“ ausmacht. Heute: Karl-Heinz Bös (CDU).
Onkel Horst Bös kommt gleich auf einen Plausch aus dem Haus, als er Karl-Heinz Bös sieht. Bilder > Onkel Horst Bös kommt gleich auf einen Plausch aus dem Haus, als er Karl-Heinz Bös sieht.
Niederreifenberg. 

Karl-Heinz Bös fühlt sich nicht ganz wohl an diesem Vormittag. Sein Fuß schmerzt wieder und er muss operiert werden, der Termin im Krankenhaus kann aber erst nach der Bürgermeisterwahl stattfinden. Ein Kandidat auf Krücken, der nicht belastbar ist, das geht für den CDU-Politiker gar nicht. Also muss die OP warten, der geplante Rundgang im Auto zurückgelegt werden, und auf geht es an den Ortseingang.

In der Schmittener Straße befindet sich nämlich das Elternhaus des Kandidaten. „Im Dachgeschoss haben wir gewohnt, in der Mitte Oma und Opa und unten der Onkel“, erzählt Bös. Ein richtiges Mehrgenerationenhaus sei es gewesen, und am liebsten habe er – ein Einzelkind – seine Zeit mit seinem Cousin Joachim verbracht. Die beiden seien ganz dicke gewesen, bestätigt Onkel Horst Bös, der noch immer in dem Haus wohnt und sich dazu gesellt. Ob er ein Werbe-Banner an seinen Zaun anbringen dürfe, fragt Bös. Na klar darf er, und gemeinsam erinnern sich beide an lange vergangene Zeiten, als das Areal noch nicht bebaut war, die beiden Jungs eine 3000 Quadratmeter große Fläche zum Spielen hatten und es Ärger gab, wenn die Kaninchen und Hühner vom Opa vom Fußball aufgeschreckt wurden.

Mit dabei waren damals auch Dirk Hofmann, Erich Kolb und Maurice Ohlenschläger. „Das war ein richtiger Club“, erzählt Horst Bös, „und alles, was angestellt werden konnte, haben die Jungs auch angestellt.“ Da sagt Karl-Heinz Bös jetzt lieber nichts dazu. Er erzählt lieber von Zelt-Ausflügen und Mai-Wanderungen und macht sich auf den Weg zum ehemaligen Haus der Gemeindeschwestern, in dem sich sein Kindergarten befand. An „seine Kindergartentante“ kann er sich übrigens noch gut erinnern: Es war nämlich „ausgerechnet“ seine Mutter Agnes.

Heute befindet sich in dem Gebäude das Hospiz Arche Noah, und noch immer hat Bös eine besondere Beziehung dazu, denn seine Frau Walburga arbeitet dort seit zehn Jahren als Hauswirtschafterin. Sie freut sich, dass ihr Mann vorbeischaut, und auch Kollegin und Krankenschwester Kornelia Nuhn meint: „Sie können ruhig öfter mal vorbeikommen.“ Macht er gerne, wie er sagt. Er helfe beispielsweise beim Tag der offenen Tür, denn die Menschen freuten sich immer über seine Unbefangenheit. „Ich habe den nötigen Abstand.“

In direkter Nachbarschaft zum Hospiz befindet sich die Alte Schule, in der Karl-Heinz Bös seine Grundschuljahre verbracht hat. Ein „trauriges Bild“ gebe sie ab, stellt er angesichts des einst imposanten, aber inzwischen vor sich hin gammelnden Anwesens fest, das keiner kaufen möchte. Ist er denn ein guter Schüler gewesen? „In den Grundschuljahren noch“, sagt der Niederreifenberger vorsichtig. Zwischendurch habe es dann einen Hänger gegeben, aber dann habe er wieder Ehrgeiz entwickelt und sein Wirtschaftsabitur gemacht. Erdkunde und Wirtschaft seien seine Lieblingsfächer gewesen.

„Und Sport natürlich.“ Schöne Erinnerungen hat er dabei an seine ersten Sportstunden bei der TSG Niederreifenberg. Diese fanden im Kartonlager der Firma Sturm, dem heutigen Antik-Laden, statt, und das Highlight der Angelegenheit war, anschließend auf der Blechrutsche vom Obergeschoss wieder nach unten zu rutschen. Heute fährt Bös gerne Fahrrad, sowohl Mountainbike als auch Rennrad, er geht joggen, und noch immer ist einmal in der Woche Turnen bei der TSG angesagt. Dem Fuß ist es auch geschuldet, dass der 54-Jährige derzeit allerdings nicht laufen kann, ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat und sich nicht so wohl in seiner Haut fühlt. „Im Moment bin ich ein bisschen dick.“

Sehr konsequent

Doch konsequent kann er sein, sagt der Bürgermeisterkandidat und berichtet von seinem Programm „FdH gegen den Winterspeck“. Vom 1. Januar bis zu seinem Geburtstag am 8. Februar geht Bös nämlich jeden Tag laufen, außerdem gibt es in dieser Zeit nur Wasser und keinen Tropfen Alkohol. Nach seiner persönlichen Fastenzeit ist der leidenschaftliche Biertrinker dann „knapp unter 100 Kilo“ und kann wieder Weizen, Pils und Alt genießen. „Oder auch mal ein Glas Rotwein.“

Weiter geht es zu dem kleinen Nebengebäude, in dem früher die Feuerwehr untergebracht war. Bös war lange aktiver Feuerwehrmann. „Mit Mitte 40 habe ich dann Platz gemacht für jemanden, der Zeit hat und ihm meinen Piepser und meinen Schrank übergeben.“ Damals ließ sein Beruf, Bös ist gelernter Verwaltungsfachangestellter und arbeitet heute als Betriebsleiter und Qualitätsmanager bei Thyssen Krupp Plastics, den ehrenamtlichen Einsatz nicht mehr zu. „Ich bin zu viel unterwegs.“

In dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus wurden außerdem Feste gefeiert. Viel los war in Niederreifenberg sonst nämlich nicht, also wurden Partys veranstaltet. Gerne erinnert sich Bös auch an die Faschingsfeiern in der alten Hochtaunushalle, bei denen immer eine Band gespielt hat – veranstaltet von den Turnern, den Fußballern oder den Kleintierzüchtern. „So etwas gibt es ja heute leider gar nicht mehr“, bedauert Bös und sagt: „Ich bin ein guter Tänzer.“ Bei einem solchen Maskenball ist er als 19-Jähriger auch mit seiner Frau, die er schon seit dem Kindergarten kannte, zusammengekommen.

Genug zu Fuß gelaufen. Mit dem Auto fährt Bös die Hauptstraße hoch und biegt rechtzeitig vor dem Friedhof („Dafür ist es noch ein bisschen früh“) am Johannisstein rechts ab. Er zeigt die alte Kirche, in der er zur Kommunion gegangen ist und später Messdiener war, und erzählt, dass er in dem Jugendraum des Gotteshauses seinen ersten Kuss erlebt hat. Und er zeigt Gebäude, in denen sich Geschäfte befunden haben, die es schon lange nicht mehr gibt: das Lebensmittelgeschäft der Familie Knippler zum Beispiel, Gemüse-Ungeheuer und der Schreibwarenladen vom „Marieche“. Metzgerei und Bäckerei gibt es in Reifenberg ja noch, ansonsten aber ist es „rar geworden“, bedauert der Bürgermeisterkandidat.

Auf dem Platz vor der katholischen Kirche St. Georg blickt Bös auf das Baugebiet Oberer Haidgen, das früher eine Wiese war, auf der die Kinder Drachen steigen ließen: „Das passt gut hierher, und es nähert sich langsam dem Ort.“

Karl-Heinz Bös und seine Frau Walburga waren übrigens das erste Paar, das 1984 in der neuen Kirche geheiratet hat. Als „Beton-Palast“ habe man das Gotteshaus damals bezeichnet, erinnert sich Bös noch gut an den Aufschrei in der Bevölkerung angesichts des geradlinigen Baus. „Mir hat das Moderne gefallen.“ Überhaupt geht er gerne in die Kirche, und das nicht nur zu Weihnachten: „Ich bin gläubig.“

Auf der Drachenwiese gegenüber hat Bös als Jugendlicher Fußball gespielt. In der C-Jugend hat er aufgehört, später wieder in der Reserve-Mannschaft angefangen, aber heute ist er nicht mehr aktiv und schaut lieber seinen Söhnen Christian (30 Jahre) und Timo (28 Jahre) zu.

Kontakt zu den anderen Ortsteilen habe er als Jugendlicher, der erst in Neuenhain und dann in Oberursel und Frankfurt zur Schule ging, nur wenig gehabt, erzählt der Niederreifenberger. Er sei aber immer mit dem Fahrrad ins Schmittener Schwimmbad gefahren und mit seinen Eltern zum Wandern in Treisberg und Seelenberg gewesen und dann auch in die Lokale dort eingekehrt.

Familienmensch

Er sei ein Fleischesser, gibt Bös zu, und das beste Rumpsteak gibt es seiner Ansicht nach in der Weilquelle. Gerne zu Gast ist er aber auch bei „Pizza Toni“, denn italienisches Essen mag er auch, im Gasthaus „Feldbergblick“ und immer noch in den Lokalen auf dem Treisberg. Bös bevorzugt Hausmannskost, er mag Rouladen und Wirsing, und er schätzt, was seine Frau kocht. Überhaupt liebt er es, wenn sonntags die ganze Familie zusammenkommt. „Da sitzen schon mal zehn Personen am Tisch.“

Der Zusammenhalt ist auch sonst groß. Das Haus, in dem Karl-Heinz und Walburga Bös seit 26 Jahren wohnen, die Söhne sind längst ausgezogen, hat er mit Vater und Schwiegervater gebaut, Schwiegermutter Brigitte Heislitz wohnt nebenan, sein Schwager obendrüber.

Zum Schluss des Gesprächs fährt Bös an den oberen Ortseingang und zeigt auf Niederreifenberg. „Das ist mein Schmitten“, sagt er. Für ihn sei es immer wieder ein tolles Gefühl, wenn er von einem Urlaub zurückkomme und von dort die Burg und die Kirche sehe. „Dann weiß ich, ich bin wieder zu Hause, und die Freude ist groß.“

Apropos Urlaub. Wenn Wahl und Operation vorbei sind und möglicherweise der Amtsantritt naht, dann will sich auch Karl-Heinz Bös noch einmal erholen. Dann fährt er mit seiner Frau an Ost- oder Nordsee oder vielleicht auch weiter weg. Dahin, wo es warm ist, wie in Ägypten oder Tunesien. „Ein festes Ziel gibt es noch nicht, mir ist nur wichtig, dass ich immer mal was anderes sehe.“

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