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Rettung in letzter Minute: Forellen drohten in der Weil zu ersticken

Von Die Weil ist wieder trockengefallen. In den letzten verbliebenen Gumpen wuseln Hunderte Forellen, die aber dem Tod geweiht sind, weil bald der Sauerstoff fehlen wird. Mitglieder des Fischereisportvereins Oberlahn haben am Samstag wegen der Trockenheit eine große Rettungsaktion gestartet.
Gewässerwart Lukas Mank hebt einen Wildkarpfen, der sich zu den Forellen in den Gumpen verirrt hat und den er zuvor mit seinem Elektroabfischgerät leicht betäubt hat, in den von Jörg Baumann gehaltenen Kescher. Gewässerwart Lukas Mank hebt einen Wildkarpfen, der sich zu den Forellen in den Gumpen verirrt hat und den er zuvor mit seinem Elektroabfischgerät leicht betäubt hat, in den von Jörg Baumann gehaltenen Kescher.
Weilrod. 

Das war Rettung buchstäblich in letzter Minute: Acht Mitglieder des Fischereisportvereins (FSV) Oberlahn haben am Donnerstag und Samstag gut 800 Fische aus der Weil abgefischt und sie so vor dem sicheren Erstickungstod bewahrt. Bis auf wenige Wildkarpfen waren es Bachforellen, die sich in die sogenannten Gumpen entlang der bereits seit längerem trockengefallenen Weil zurückgezogen hatten.

Matthias Zenkert, Gemündener Hobbyfischer und Vorsitzender des FSV, sagte: „Wenn das Wetter noch ein paar Tage anhält, wären die Fische spätestens binnen zwei Tagen in den Gumpen, auch wenn dort noch Restwasser steht, wegen Sauerstoffmangels jämmerlich erstickt. Es war höchste Eisenbahn.“

Elektrogerät im Einsatz

Bereits letzten Donnerstag waren aus einem Gumpen in Höhe des Roder Festplatzes rund 200, schon unter Atemnot leidende Bachforellen abgefischt worden, zum Teil mit einem Elektroabfischgerät.

Das Gerät, für dessen Bedienung es eine besondere Ausbildung braucht – Gewässerwart Lukas Mank hat diese absolviert – und die von der Oberen Wasserbehörde genehmigt werden muss, dient eigentlich dem Monitoring: „Normalerweise bekommen die Fische einen leichten Stromschlag versetzt, der sie für einen Moment benommen werden lässt, für sie aber absolut unschädlich ist. So können Bestandsregistrierungen und Zählungen vorgenommen werden“, sagte Zenkert.

Er hatte die Idee, das Gerät auch für die Rettungsaktion einzusetzen und einen Vorstandsbeschluss im FSV dazu herbeigeführt. Die Aktion muss nun nachträglich der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium in Darmstadt angezeigt werden. Zenkert geht jedoch davon aus, dass nichts gegen die Rettungsaktion sprechen wird. Der FSV hat die Weil von der „Roder Brücke“ nahe dem Gertrudenhammer bis zur Mündung in die Lahn gepachtet.

Wasser hat gekocht

Binnen eines Tages war die Hauruck-Aktion, auch die übrigen Gumpen abzufischen, beschlossene Sache. Samstag früh um 10 Uhr hatten sich Matthias Zenkert, sein Sohn Moritz, Jörg Baumann, FSV-Jugendwart Kalli Schiffer, dessen Sohn Ian, Thomas Bohn und der dritte Jugendliche Dominik Matic an der Weil getroffen, mit Gummihosen, Keschern und Transportbehältern.

Das Bachbett war über weite Strecken staubtrocken, während es in den bis zu eineinhalb Meter tiefen, noch wassergefüllten Gumpen von Forellen zwischen fünf und 50 Zentimetern nur so wimmelte. „Das Wasser hat förmlich gekocht, was den Sauerstoffverbrauch nur noch förderte“, sagte Baumann, die absolute Dringlichkeit der Rettungsaktion begründend. Ohne Frischwasserzufuhr, die so schnell wohl nicht absehbar sein dürfte, wäre bald aller Sauerstoff im Wasser verbraucht.

Bis zum Nachmittag waren dann alle Gumpen abgefischt und die Tiere im Bereich der Audenschmiede weilabwärts wieder ausgesetzt. „Dort ist noch genügend, auch sauerstoffreiches Wasser vorhanden, die Weil sprudelt da noch richtig. Forellen sind Wanderfische, wenn sie merken, dass die Weil wieder Wasser führt, kehren sie zum Oberlauf zurück“, erläutert Zenkert.

Insgesamt gab es vier Touren über den Weiltalweg zur Audenschmiede. Rund zwei Zentner Fisch dürften es gewesen sein, schätzen die Angler. Die Aktion soll von nun an wohl jährlich durchgeführt werden.

„Wir hätten schon früher damit anfangen sollen, denn auch in den vergangenen Jahren gab es immer wieder große Verluste“, so Zenkert, der das Ökosystem Weil in großer Gefahr sieht.

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