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Große Fahrt: Extrem-Reise: Fünf Mann, zwei Trabbis, ein Kontinent

Von Flo, Jannis, Alex, Henrik, Chris und Ralf sind alte Kumpels und für jeden Spaß zu haben - auch für den, mit zwei maroden Trabbi nach Afrika zu fahren. Der Mensch wächst eben mit seinen Aufgaben. Im Jahr davor schon ging's mit Mopeds an den Lago Maggiore.
„Sechs Freunde auf großer Fahrt“ oder „Abendmahl mit Trabbi“: Alex, Henrik, Chris und Ralf (von links) lassen sich allabendlich von Smutje Flo (rechts) bekochen. An der Kamera: Jannis. Repros/ „Sechs Freunde auf großer Fahrt“ oder „Abendmahl mit Trabbi“: Alex, Henrik, Chris und Ralf (von links) lassen sich allabendlich von Smutje Flo (rechts) bekochen. An der Kamera: Jannis. Repros/
Usinger Land. 

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ – als Matthias Claudius (1740 – 1815), diesen Aphorismus prägte, war Reisen noch eine weit abenteuerlichere Angelegenheit als heute. Häufig war es längst nicht sicher, ob der Reisende am Ziel überhaupt ankommt. Daran hatten Florian Appel (21, Gemünden), Jannis Stiller (22, Mauloff), Henrik Lepistö (22, Schmitten), Christoph Toussaint und Ralf Liebhold (beide 23 und aus Rod) und Alexander Kinnett (23, Rod am Berg) bei ihren letzten Gruppenreisen zwar keinen Zweifel, eine Frage der Haltbarkeit des Reisemittels war es aber schon.

Posing auf der Promenade von Ceuta: Wo die sechs Kumpels mit ihren Trabanten auch auftauchten, standen sie im Mittelpunkt des Interesses. Bild-Zoom
Posing auf der Promenade von Ceuta: Wo die sechs Kumpels mit ihren Trabanten auch auftauchten, standen sie im Mittelpunkt des Interesses.

Rückblende: Die sechs Jungs, seit Jahren Kumpels, hocken in einer Scheune in Gemünden und langweilen sich zu Tode. „Nix los uff de Gass’, das sollten wir ändern“, sagten sie sich und planten spontan, mit ihren Mopeds mal eben ans Wasser zu fahren. Nicht zum Meerpfuhl, sondern an den Bodensee. Bald wuchs bei dem Sextett jedoch die Erkenntnis, dass Bodensee eher Kindergeburtstag wäre: „Gibt es da nichts weiteres?“ Gab es: den Lago Maggiore. Mit den Moped zum Lago – das würde ihnen so schnell keiner nachmachen. Gesagt, geplant, geknattert: 2017 war’s, als Alex, Flo, Ralf und Chris kurzerhand ihre Kleinkrafträder, darunter eine „Schwalbe“ aus der Ex-DDR, sattelten und Richtung Süden aufbrachen. „Eine Woche hin, zurück zwei Tage“, erzählt Chris und Alex berichtet von einem komischen Zufall: Nach 800 Kilometern Anlauf fiel bei ihm die Zündung aus, was aber kein Problem war, denn genau eine solche war im Ersatzteillager vorrätig. Gut also, dass gerade dieses Teil kaputt gegangen ist.

Weiter ging’s mit Tempo 30, pro Tag 130 bis 250 Kilometer, bis zum Campingplatz am Lago-Strand. Und worüber wurde abends bei Dosen-Ravioli parliert? Da geht noch mehr, nicht mit den Mopeds, sondern mit zwei Trabbi! Und auch nicht wieder Lago, sondern Afrika. Marokko oder so.

Bastel-Leidenschaft

Die Trabbi-Beschaffung war dank Internetrecherche schnell erledigt, es wurde nicht einmal nach gut erhaltenen Exemplaren gesucht, sondern eher nach angeschlagenem Material. Schließlich wollte man unterwegs ja etwas zum Basteln haben.

„No risk, no fun“ war als Parole ausgegeben worden. Rolf, Flo und Chris leisteten sich für einen Tausender einen Kombi 601 und die anderen drei eine Limousine 601. Der Hundstädter Vitus Bülter, Kumpel Nummer 7, hatte den Wagen aufgetan, konnte am Ende aber mangels Urlaubs nicht mitfahren. Beide Trabanten waren kein bisschen fahrbereit. Bis dass der Tüv uns scheidet: Bremsen, Elektrik, Keilriemen, Zündkerzen, Reifen – alles hin. Eine Ersatzteil-Kiste nebst Beschallungsanlage wurde eingebaut, Anschlüsse und Kabel für Navi und Handy gelegt – zum Glück war einer der Trabbis ein Kombi.

Unterwegs galt es immer wieder, Kühlwasserschwund und Zweitaktöl nachzufüllen. Vorräte waren zum Glück genug an Bord. Bild-Zoom
Unterwegs galt es immer wieder, Kühlwasserschwund und Zweitaktöl nachzufüllen. Vorräte waren zum Glück genug an Bord.

5600 Kilometer

Am 15. Juli abends, just als die Franzosen Kroatien versilberten, sollte es endlich losgehen. Vorher noch rasch bei Paul-Heinrich Wetzel, Chris’ Nachbar, die Anlage aufgedreht, er hatte Geburtstag. Hätten sie das Ständchen mal besser gesungen, so aber gab die Soundanlage gleich ihren Geist auf. Es sollte nicht die einzige Panne auf der 5600 Kilometer langen Reise bleiben.

Über Lyon, Marseille, Valencia, Malaga, Marbella ging es gen Süden. Noch stand das von Gibraltar aus mit der – sündhaft teuren – Fähre über die spanische Exklave Ceuta erreichbare Marokko auf der Roadmap. Durch einen Zufall erfuhr die Trabi-Crew zwei Tage vor der Abreise, dass in Ceuta ein gewisser Mohammed Bellile lebt. Der hat einen Schwager, Faouzi Arahou, der sein Geld mit Pizzabacken verdient. In Emmershausen. Die Welt ist ein Dorf. Klar, dass man Mohammed besuchen würde. Bei dieser Visite blieb es dann auch, denn auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar erfuhren die Jungs, dass sie sich den Eintritt, den Marokko von Touristen verlangt, nicht mehr leisten konnten. Endstation Ceuta also. Aber immerhin – man war auf dem anderen Kontinent.

Bis Frankreich hatte es keine Pannen gegeben. Die bis unters Dach beladenen Trabbi liefen etwas x-beinig und nähmaschinengleich bei Beschleunigungswerten von Null auf Tempo 85 am selben Tag. An dem kam dann auch der Regen, der drohte, die beiden Plastikboliden zu fluten.

Fließend Wasser im Auto

Fließend Wasser von den Scheiben, innen. Der Schwerkraft folgend suchte die Flüssigkeit einen Ausweg und kam dabei an der Bordelektronik vorbei. Das in einem Baumarkt erstandene Dichtmaterial erwies sich bei der Anwendung als Bauschaum.

Das Wischergestänge hatte den Dienst quittiert, zerbrach und riss ein Kabel mit in den Tod. Ein kapitaler Kurzschluss war die nicht ganz unerwartete Konsequenz.

Da sich auch noch ein Ersatz-Radlager in der Kiste fand, ging auch prompt eins kaputt. Es wurde kurzerhand ausgewechselt. Irgendwie haben die Kumpels alle Pannen locker weggesteckt, schließlich verfügten sie über zehn handwerklich geschulte Hände. So ein Trabi repariert sich auch nicht viel anders als ein Moped. Die Hände Nummer elf und zwölf gehörten übrigens Flo, dem “Lager-Koch“.

Wer jetzt allerdings denkt, das war’s, irrt. Gleich nach der Rückkehr nach Weilrod wurden die Trabbis zwar geparkt, aber nicht ausgepackt. Unterwegs hatte man sich per Funkgerät nämlich auf einen kleinen Abstecher verständigt. Mit den Mopeds. An den Edersee. Das war dann auch gleich die Richtung für die 2019-er Tour. Dann geht es zum Nordkap. Mit alten Feuerwehrautos. Wetten, dass..?

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