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Tipps: Experten erklären, was bei Gewitter wirklich zu beachten ist

Von Gewitter reinigt die Luft, heißt es, ist aber auch mit Gefahren verbunden – vor allem beim Aufenthalt im Freien, im Wald und beim Sport. Diese Zeitung hat Experten befragt, was zu tun und was zu lassen ist, wenn’s blitzt und kracht.
Ein Gewitter am Himmel sieht durchaus malerisch aus, kann aber sehr gefährlich werden. Foto: (112296674) Ein Gewitter am Himmel sieht durchaus malerisch aus, kann aber sehr gefährlich werden.
Hochtaunus. 

Kaum ein Wetterphänomen ist seit Jahrhunderten so von Mythen und Aberglaube umrankt wie das Gewitter. Vor Jahrtausenden galten die von lautem Krachen begleiteten Entladungen am Firmament als Ausdruck des Götterzorns. Vor Jahrtausenden? Noch Mitte des letzten Jahrhunderts wurde Kindern bei Gewitter von ihren Eltern erzählt, dass der „liebe Gott schimpft“.

Heute treiben den Menschen wenn es blitzt und donnert andere Sorgen um, aber auch die Frage, was dran ist an solchen Hightech-Mythen, deren es viele gibt: Bei Gewitter nicht duschen, bloß nicht telefonieren, Abstand zu Fenstern und Türen halten, panikartig alle Stecker ziehen, im Wald Buchen statt Eichen suchen oder auf dem Golfplatz den längsten Schläger zum Blitzableiter zu machen.

DLRG-Mann Ferdinand Steinsberger: „Die rote Flagge an der Wachhütte signalisiert bei Gewitter unmittelbare Gefahr vor einem Blitzeinschlag – raus aus dem Wasser!“ Bild-Zoom
DLRG-Mann Ferdinand Steinsberger: „Die rote Flagge an der Wachhütte signalisiert bei Gewitter unmittelbare Gefahr vor einem Blitzeinschlag – raus aus dem Wasser!“

Das meiste ist Humbug, an einigem ist in der Theorie etwas dran, und eine gesunde Vorsicht kann nie schaden. Anderes, etwa die Nummer mit dem Golfschläger, ist sogar brandgefährlich. Am sichersten, aber das ist eine Binsenweisheit, ist man bei Gewitter immer noch im Haus. Diese Zeitung hat, was den Aufenthalt im Freien anbelangt, Experten befragt.

Info: Hochsicherheitsbereich Golfplatz – So ...

Golfspieler sind zumindest theoretisch potenzielle Blitzschlagopfer. Erst vor sechs Jahren haben vier Golferinnen ihren Sport auf einer Anlage in Nordhessen mit dem Leben bezahlt.

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So rät der Hasselbacher Revierförster Jörg Erwe vor Waldbesuchen erstmal zum Blick in den Wetterbericht, den moderne Handys meist in Echtzeit bieten: „Ist ein Gewitter im Anmarsch, gar nicht erst losgehen“, sagt Erwe. Wenn man jedoch schon unterwegs sei und vom Gewitter überrascht werde, sollten alleinstehende Bäume gemieden werden.

Am Boden klein machen

„Die können wie Blitzableiter wirken“, sagt der Förster. Sicherer, aber auch nicht sicher sind Baumgruppen. Erwe rät, sich in „Embryohaltung“ in Bodenmulden zu kauern und sich „kleinzumachen“. Grundsätzlich sollte der Wald möglichst schnell verlassen werden. Dass Buchen als Schutz sicherer sind als Eichen, sei aber eine Mär: „Das Wetter kennt keine Baumarten.“

Jagdpächter Manfred Möbs: „Man sollte bei Gewitter auf keinen Fall auf einem Hochsitz Schutz suchen.“ Bild-Zoom
Jagdpächter Manfred Möbs: „Man sollte bei Gewitter auf keinen Fall auf einem Hochsitz Schutz suchen.“

Auch Jagdpächter Manfred Möbs kann etwas zum Thema Sicherheit bei Gewittern beitragen. Auch er rät vom Waldbesuch ab, wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, wobei das aber auch sehr schnell und tatsächlich überraschend passieren kann.

Nicht auf den Hochsitz

Aber: „Wenn ich sehe, dass vom Wetter überraschte Waldbesucher ausgerechnet auf Hochsitzen Schutz suchen, zweifele ich an deren Verstand.“ Schneller könne man sich kaum zum Blitzableiter machen.

Er habe nämlich schon beobachtet, was passiert, wenn ein Blitz in einen Hochsitz einschlägt: „Das tut einen Riesenschlag, die Druckwelle spürt man noch mit 200 Metern Abstand, und der Hochsitz wird zur Fackel.“ Doch Wald ist das eine, Wasser
das andere.

Raus aus dem Wasser

Ferdinand Steinsberger, Technischer Leiter der DLRG Kreisgruppe Usingen, hat ganz klare Vorstellungen vom richtigen Verhalten am und im Wasser: „Bei Gewitter in jedem Fall schleunigst das Wasser verlassen, egal ob im Schwimmbad oder am
Hattsteinweiher.“

Gewitter kündige sich in den meisten Fällen an, wobei der Blick zum Himmel durchaus hilfreich sein könne, die Gefahr frühzeitig zu erkennen. Wenn es brenzlig wird und die DLRG im Wacheinsatz am Weiher ist, bekommen es die Badegäste aber auch optisch mitgeteilt.

Revierförster Jörg Erwe: „Dass Buchen bei Gewitter besseren Schutz bieten als Eichen, ist eine Mär.“ Bild-Zoom
Revierförster Jörg Erwe: „Dass Buchen bei Gewitter besseren Schutz bieten als Eichen, ist eine Mär.“

Wird an der Wachstation eine rote Flagge aufgezogen, signalisiert das höchste Gefahr. „Rot bedeutet: Raus aus dem Wasser, auf dem schnellsten Weg“, sagt Steinsberger. Grundsätzlich und an Stellen ohne Badeaufsicht helfe immer noch „Sekundenzählen“.

Vergehen zwischen Blitz und Donner nur bis zu fünf Sekunden, ist es gefährlich. Rolf Becker, Fahrradhändler aus Usingen-Eschbach, rät von Radtouren bei Gewitter dringend ab: „Fahrräder haben zwar Gummireifen, sind aber – anders als Autos – kein faradayscher Käfig. Die dünnen Reifen bieten keine ausreichende Isolierung.“ Zum Blitzableiter wird dabei nicht etwa das metallene Rad, sondern der größtenteils aus Wasser bestehende Mensch. Heißt also: Runter vom Rad und warten, bis das Gewitter vorbei ist!

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