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Ausstellung zum Jubiläum: Eine Bahn, die Erinnerungen weckt

Von Vor 125 Jahren wurde die Weiltalbahn von Weilburg bis Laubuseschbach fertiggestellt. Eine Jubiläumsausstellung erinnert auch an die Jahrzehnte bis 1969, als die Züge von Weilmünster über Heinzenberg nach Grävenwiesbach fuhren – und an eine besondere Direktverbindung.
Karl Moses (ganz rechts im Bild), posiert mit ehemaligen Kameraden vor dem ehemaligen Eisenbahnviadukt, welches sich in 23 Meter Höhe über das Steinkertzbachtal erstreckt. Repro/ Karl Moses (ganz rechts im Bild), posiert mit ehemaligen Kameraden vor dem ehemaligen Eisenbahnviadukt, welches sich in 23 Meter Höhe über das Steinkertzbachtal erstreckt. Repro/
Mönstadt. 

„Einmal Köln bitte – mit dem Direktzug.“ Diesen Wunsch konnten Schalterbeamte im Bahnhof Grävenwiesbach ab 1953 regelmäßig erfüllen. Möglich machte es der acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges eingeführte direkte Eilzug zwischen Frankfurt und Köln – mit Stopp in der Gemeinde.

Bis 1963 verkehrte der Direktzug täglich von Frankfurt über den Taunus, Limburg und den Westerwald in die Domstadt am Rhein. In der Gegenrichtung fuhr der Zug zwischen Limburg und Frankfurt über Niedernhausen. Zuerst rollte an der Spitze ein roter Akkutriebwagen und später eine ebenfalls rote Diesellok mit gleichfarbigem Steuerwagen und zwei Beiwagen. „Passierte der rote Zug in Richtung Usingen fahrend die Felder zwischen Hausen und Usingen, so musste es ungefähr halb fünf Uhr nachmittags sein“, erinnert sich der Hausener Ernst Bach an diese Epoche. Ab Grävenwiesbach verkehrte der im Volksmund „rote Kölner“ genannte Zug über die 1909 eröffnete Bahnlinie über Heinzenberg ins Weiltal.

Stattliche Konstruktion

Auf Höhe Mönstadt ratterten die Züge dabei über das Steinkertzbachtal auf einer stattlichen Talbrücke, die in einer Stahl-Gitterkonstruktion gebaut wurde. Auch für den Gütertransport hatte die Bahnlinie eine große Bedeutung. Landwirte aus Mönstadt warteten seinerzeit mit ihren Pferdekutschen am unweit gelegenen Bahnhof Heinzenberg auf die Anlieferung von Düngemitteln oder Sand.

Während der Kriegsjahre war geschlagenes Holz aus den Taunuswäldern mit Pferden durch Mönstadt zum Bahnhof geschleift worden, wo es verladen und vornehmlich zum Grubenbau ins Ruhrgebiet abtransportiert wurde.

„Das Grubenholz aus massiver Eiche musste von den Bauern zuvor auf 1,60 Metern Länge zugeschnitten und selber im Bahnhof verladen werden“, berichtet Ernst Bach. Bereits vor 125 Jahren waren der Bergbau, wie auch der Abbau von Eisenerz und Dachschiefer der Grund, von Weilburg aus einen Bahn-Zubringer zur Lahntalbahn zu bauen.

Ebenso konnten die Erzgruben an Weil und Lahn ihre Ausbeute mit der Bahn in die Hochöfen nach Wetzlar oder bis in Ruhrgebiet verfrachten, was zuvor nur mit Fuhrwerken oder per Drahtseilbahnen möglich war. Bereits im Jahre 1891 war die Strecke bis Weilmünster eröffnet worden.

Vor 125 Jahren dann wurde die Stichbahn von Weilmünster bis Laubuseschbach eröffnet. Das ist der Grund für eine Sonderausstellung zur Weiltalbahn im Dorfgemeinschaftshaus zu Weilmünster-Rohnstadt, die noch an den beiden kommenden Sonntagen besichtigt werden kann. Diese richtet natürlich auch ein Augenmerk auf die 1909 eröffnete Querverbindung in Richtung Grävenwiesbach.

„Der Personenverkehr zwischen Weilmünster über die Haltestelle Rohnstadt bis Laubuseschbach hat nie eine sehr große Rolle gespielt“, teilen die Veranstalter mit. „So war es auch nicht verwunderlich, dass die Personenbeförderung auf diesem Teilabschnitt bereits 1955 eingestellt wurde.“

Zwischen Weilburg, Weilmünster, Grävenwiesbach, Usingen und Bad Homburg aber verkehrten die Personenzüge noch bis 1969 – überwiegend mit den alten roten Schienenbussen, die als „Retter der Nebenbahnen“ galten. „Nach nur 60 Jahren ging diese Epoche zu Ende“, berichtet Wolfgang Metzler vom Geschichts- und Heimatverein Rohnstadt, der die Ausstellung ausgearbeitet hat. „Die Schienen zwischen Weilmünster und Grävenwiesbach wurden schon bald zurückgebaut und das größte Bauwerk, die Brücke über das Steinkertzbachtal bei Mönstadt, fiel 1974 dem Schneidbrenner zum Opfer.“

Sechs Millionen Mark

Der in den 1970er Jahren in Weilburg gegründete Verein „zur Erhaltung der Weiltalbahn“ zu touristischen Zwecken scheiterte an den großen Forderungen der Deutschen Bundesbahn. Angeblich forderte die DB sechs Millionen DM für die Strecke, was nicht zu schultern war.

Heute nutzen Wanderer und Radfahrer die alte Trasse und noch mancher Zeuge aus der Zeit der Weiltalbahn kann am Trassenrand entdeckt werden. Der Geschichts- und Heimatverein Rohnstadt sammelt schon seit vielen Jahren Bilder und Dokumente der alten Bahnlinie und dürfte eines der größten Archive besitzen.

Am 15. und 22. Oktober zeigen die Mitglieder jeweils von 11 bis 17 Uhr im Rohnstädter Dorfgemeinschaftshaus ihre zusammengetragenen Schätze. Erwachsene zahlen 5 Euro als Eintritt, Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche zahlen 2 Euro. Anhand von Plänen Fotos, alten Zeitungsartikeln und zahlreichen Gegenständen wird die alte Bahnlinie noch einmal lebendig.

In einer vereinfachten Form ist die gesamte Strecke als Modell nachgebaut mit allen Bahnhöfen, Brücken, und sonstigen Besonderheiten. Das von Jürgen Kauer gebaute Modell der Talbrücke bei Mönstadt ist ebenfalls zu sehen. Auf Anfrage wird die Ausstellung auch gern wochentags gezeigt.

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