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Ein Schlag mit Folgen

Von Die Gewitternacht zum Dienstag werden die Bewohner der Kirchstraße 12 in Niederlauken so schnell nicht vergessen: Ein Blitz traf ihr Haus und entfaltete seine zerstörerische Kraft. Doch die Schäden am Putz und der Elektrik sind nicht das Schlimmste.
Bernd Hohmann zeigt die aufgeplatzten Stellen im Kinderzimmer.	Foto: cwa Bernd Hohmann zeigt die aufgeplatzten Stellen im Kinderzimmer. Foto: cwa
Niederlauken. 

Es ist kurz vor Mitternacht, als sich die Ereignisse bei Nicole und Bernd Hohmann überschlagen: Nach einem ohrenbetäubenden Blitzeinschlag in der Feuerwehr beginnt die Sirene im Dauerton zu heulen. Hohmann, selbst Feuerwehrmann, springt aus dem Bett und schickt Sohn Lenny (5) ins Elternschlafzimmer. In diesem Moment der nächste Einschlag – ins Dach der Hohmanns. Der Familienvater wollte eben schauen, ob es den anderen Kindern gut geht, als es im Zimmer taghell wird und der Putz an mehreren Stellen von der Wand fliegt. Wie Geschosse, die Hohmann ebenso treffen, wie das Bett, in dem sein Sohn kurz zuvor noch geschlafen hatte. Eine Tür des Sicherungskastens wird aus den Angeln gerissen. Es wird stockfinster, intensiver Brandgeruch macht sich breit.

„Ich hab nur noch geschrien: Sofort raus hier“, erzählt Hohmann mit zweieinhalb Tagen Abstand zu der grauenvollen Nacht. Als der Blitz einschlug, befanden sich neben seiner Frau und Lenny noch Sohn Justin, Tochter Vivian und deren zwei Freundinnen in der Wohnung. Rasend schnell sei das alles gegangen, berichtet Hohmann. Es gab nur eine griffbereite Taschenlampe, und mit der leuchtete er Nicole und den völlig verstörten Kindern – alle in Nachtwäsche und Hausschuhen – nach unten in den Hof. Dort holte er einen Feuerlöscher und alarmierte währenddessen die Einsatzabteilung. In der Erdgeschosswohnung lebt die Mutter der Vermieterin, eine ältere, schwerhörige Dame. Auch hier hämmerte er an die Tür und befahl der Pflegerin: „Schnapp die Oma und raus hier.“

Um 23.57 Uhr ging der Hilferuf in der Leitstelle ein, ein paar Minuten später waren die Feuerwehrkameraden zur Stelle und verschafften sich einen Überblick. Macro Uhrig, Vorsitzender des Vereins und Löschmeister, übernahm die Leitung und hatte dazu ein besonders glückliches Händchen für die völlig aufgewühlten Kinder, die Bernd Hohmann im Auto in Sicherheit gebracht hatte. „Er hat sich um sie gekümmert und innerhalb ganz kurzer Zeit beruhigt“, bewunderte Hohmann den Einsatz seines Kameraden.

Tochter hatte Geburtstag

Für Vivian war die Situation besonders schlimm, denn sie hatte am 29. Juli Geburtstag. Der Start in ihr neuntes Lebensjahr fiel durch den Blitzeinschlag regelrecht ins Wasser. Es goss noch in Strömen, als die Familie und die beiden Freundinnen aus der Wohnung flüchten mussten. Kurz darauf wurden sie ins Feuerwehrhaus gebracht, wo es Getränke gab. Für das Geburtstagskind gab es ein Ständchen und Geschenke.

Derweil waren Hohmann und sein Feuerwehrkamerad Steffen Gröger in der Wohnung mit der Wärmebildkamera unterwegs, um sicherzustellen, dass kein Brandherd entstanden war. Nachdem die Wohnung als sicher eingestuft wurde, konnten die Bewohner zurückkehren. Licht gab es immer noch keins. Aber es gab Patrick Pietzonka. Der Feuerwehrmann und Elektriker handelte umgehend und setzte noch in der Nacht die Elektrik instand. Nur das Wasser blieb kalt, denn die Heizung hatte auch ihren Teil vom Blitz abgekommen.

Schwieriger als die äußeren Schäden seien die Traumata. Keiner hätte in dieser Nacht ein Auge zugetan, erzählte Nicole Hohmann. Lenny hatte sich unter der Decke auf dem Sofa verkrochen und wollte nicht mehr herauskommen. Und dann – es war gegen 4.30 Uhr – kam das Gewitter zurück. Es sein ein Alptraum gewesen, berichtete die Mutter. Den Schock hätten sie alle noch nicht verarbeitet. „Mir graut jetzt schon vor dem kommenden Wochenende“, sagt sie, „dann sind weitere Gewitter gemeldet.“ Alleine wird sie mit den Kindern dann auf keinen Fall in der Wohnung bleiben. Falls ihr Mann zu einem Einsatz gerufen wird, kann sie zu den Nachbarn gehen. Die haben sich sofort bereit erklärt, der jungen Mutter und den drei Kindern Unterschlupf zu gewähren, freute sich Bernd Hohmann über die Hilfsbereitschaft.

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