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LML Designs: Eigenes Modelabel mit 16: Lieselott Marie Lisenhoff lebt zwischen Atelier und Sattel

Von Lieselott Marie Linsenhoff ist ein normaler Teenager, fröhlich, unbeschwert, selbstbewusst. Wie viele andere 16-Jährige schwärmt auch sie von schicker Kleidung. Sie träumt davon, Mode zu ihrem Beruf zu machen, wirkt dabei aber keineswegs verträumt. Es scheint ihr zu gelingen, schließlich hat sie schon ihr eigenes Modelabel: LML Designs.
Liselott Marie Linsenhoff mit ihren beiden großen Leidenschaften: Reiten und Schmusen mit ihrem Dressurpferd „Danönchen“ und schicke Taschen entwerfen. Die Paris-Tasche ist übrigens ihr Erstlingswerk. Liselott Marie Linsenhoff mit ihren beiden großen Leidenschaften: Reiten und Schmusen mit ihrem Dressurpferd „Danönchen“ und schicke Taschen entwerfen. Die Paris-Tasche ist übrigens ihr Erstlingswerk.
Kronberg. 

Dass sich junge Mädels für Mode interessieren, ist noch nicht wirklich außergewöhnlich. Die 16-jährige Liselott Marie Linsenhoff ist da keine Ausnahme. Liselott Marie Linsenhoff wäre aber nicht sie, wenn da nicht noch sehr viel mehr wäre. Und vielleicht ist ja auch schon der Grundstein für eine Karriere als Modedesignerin gelegt, nicht weit von dem, der schon für ihre Karriere als Dressurreiterin irgendwo auf der weitläufigen Anlage des Kronberger Schafhofs vergraben sein dürfte.

Linsenhoff, Schafhof, Dressurreiten sind seit Jahrzehnten ein stimmiger Dreiklang, der vielleicht bald zum Vierklang wird, denn in der Tat: Liselott Marie Linsenhoff ist drauf und dran, nach ihrem Abitur, das sie in drei Jahren an der Europäischen Schule Rhein-Main, wo sie die Leistungskurse Philosophie, Französisch und Kunst belegen wird, Modedesign zu studieren. Ihr großes Ziel ist es, am Central Saint Martins College of Art and Design, der international angesagten Hochschule für Kunst und Design in London, angenommen zu werden. Marie, wie sie meist genannt wird, weiß, dass sich dieser Hoffnung nur hingeben sollte, wer talentiert ist und bereits etwas vorzuweisen hat.

Das hat sie, denn es gibt das „LML Designs“-Label, mit dem sie als Nachwuchsdesignerin bereits erste Erfolge erzielt hat. Ob sie talentiert ist? „Das müssen andere entscheiden, nicht ich“, sagt sie mit einer schon sehr erwachsen wirkenden Bescheidenheit.

Liselott Marie Linsenhoff bemalt auch Stiefel. Dass es sich dabei um Reitstiefel handelt, liegt wegen ihrer Dressur-Leidenschaft nahe. Bild-Zoom
Liselott Marie Linsenhoff bemalt auch Stiefel. Dass es sich dabei um Reitstiefel handelt, liegt wegen ihrer Dressur-Leidenschaft nahe.

Erste Kontakte zur Modeszene gibt es bereits. Marie hat ein Praktikum im Hauptstore von Dior in Paris absolviert. Leider habe sie ihr Vorbild, Chefdesignerin Maria Gracia, nicht persönlich kennengelernt, sondern sie „um einen Tag verpasst“, lacht sie. Toll sei das Praktikum dennoch gewesen. Ein Mentor von ihr ist der Chef der Messe Frankfurt, Detlef Braun, früher Geschäftsführer der Joop GmbH, ein Freund der Familie und der Mode noch immer eng verbunden: „Mit ihm war ich auf der Fashion Week in Berlin“, erzählt sie strahlend.

Eine Auswahl ihrer Werke findet sich auch in einem Fotobuch, das sie stolz präsentiert. Es enthält Dutzende Bilder von ihren Freunden, die das „LML Designs“-Label tragen und von denen einige das Zeug zum Model hätten, so professionell und selbstbewusst wie sie die Stücke präsentieren.

Verwobene Initialen

Wir treffen Marie in der Kaminhalle des Schafhofs. Das riesige Panoramafenster gibt den Blick frei auf die Reithalle, in der gerade ihr Vater Klaus-Martin Rath ihren Nichten, den Kindern von Stiefbruder Matthias-Alexander Rath, Unterricht auf einem winzigen Shetlandpony gibt. „Das war auch mein erstes Pony, es war ein Geschenk von Siegfried Peilicke, eines Freundes meiner Eltern“, erzählt Marie und baut auf der Fensterbank eine kleine Musterkollektion aus von ihr farblich veränderten Handtaschen, Jacken, T-Shirts und Stiefeln auf, die sie bereits unter ihrem „LML Design“-Label, es sind die schwungvoll miteinander verwobenen Initialen ihres Namens, verkauft. Dabei ist auch ihr Erstlingswerk, eine im Urzustand vielleicht sogar unscheinbar wirkende Tasche, die sie mit dem Eiffelturm und dem Namen der Stadt, in dem er steht, weiterentwickelt hat: „Paris ist die Traumstadt meiner Mutter, es war meine erste Tasche, und ich habe sie ihr geschenkt.“

Immer wieder kommt sie auf ihre Mutter zu sprechen. „Sie hilft mir und unterstützt mich, wo und wann sie nur kann. Naja, irgendwie profitiert sie ja auch von meiner Taschenproduktion...“, strahlt Marie und wirkt dabei fast wie ein Spiegelbild ihrer Mutter Ann Kathrin Linsenhoff in jungen Jahren. Und wer die Dressurlegende Liselott Linsenhoff gekannt hat, sieht die frappierende Ähnlichkeit mit ihrer Enkelin. Auch die Interessen von Liselott Marie und Ann Kathrin Linsenhoff sind zum Teil deckungsgleich – Reiten, Pferde, klar. Und eben Mode. „Meine Mutter ist sehr modeaffin, wir haben einen ähnlichen Geschmack“, sagt sie.

Talent vom Großvater

Doch während die Olympiasiegerin von Seoul 1988 schicke, farbenfrohe Kleidung nur gerne trägt, schickt die Tochter sich an, sie zu entwerfen. „Ich male schon immer, seit ich denken kann“, erzählt sie. Zwar habe sie sich auch schon am Klavier versucht, es dabei auch zu einigem Erfolg gebracht, aber das Malen sei immer ihre größere Leidenschaft gewesen. Schon als Kind hat sie ihren Eltern und Geschwistern Geschenke am liebsten gemalt. Und damit ihr Vater, einer ihrer größten Bewunderer und Unterstützer, nicht leer ausgeht, bekommt er zu besonderen Anlässen Bilder und Skulpturen geschenkt. Von wem sie das Talent hat, weiß sie nicht. Allerdings wird ihrem Großvater Fritz Linsenhoff ein Hang zur Malerei nachgesagt, „vielleicht kommt es ja von ihm“, lacht sie.

Sie hat bereits viele Taschen, die sie im Internet bestellt und bei denen sie darauf achtet, dass sie „aus gutem Hause“ sind, mit Ölfarbe bemalt oder in Graffiti-Technik besprüht. Inzwischen ist ihre Musterkollektion auf der Fensterbank komplett, und es zeigt sich, dass die junge Modedesignerin ein Faible für Blautöne hat, aber auch für Sinnsprüche. „True Soul“ steht auf einer Tasche. Warum sie das auf eine Tasche schreibt? „Eine wahre Seele? Jeder sollte sie haben“, sagt sie und macht klar, warum sie Philosophie als Leistungskurs gewählt hat.

Bei aller Liebe zur Mode – Marie ist auch noch Leistungssportlerin. Sie gehört dem Nachwuchskader U16–U21 der hessischen Dressurreiter an. Sie hat bereits an vielen nationalen und internationalen Reitturnieren und Meisterschaften mit großem Erfolg teilgenommen, erst im Ponysattel, inzwischen mit dem von ihrem Bruder übernommenen Oldenburger „Danönchen“ in der Juniorenklasse, wo sie eine feste Bank der hessischen Spitzenreiterei und unterwegs zum großen Sport ist.

Reiten, Mode, Schule – das alles unter einen Hut zu bekommen, erfordert von einer 16-Jährigen ein Höchstmaß an Disziplin: „Ich komme gegen 17 Uhr von der Schule nach Hause, dann mache ich Hausaufgaben und steige aufs Pferd. Wenn dann noch Zeit ist, gehe ich ins Atelier“, sagt sie. Und wann ist „dann“? Je nach Trainingsfortschritt kann es schon etwas später werden, bis Marie endlich ihr Reich aufschließen kann. Es ist die Junggesellenwohnung ihres Bruders, ihre Eltern haben sie ihr zur Verfügung gestellt. Dass das Atelier vor Malutensilien, Spraydosen und Pinseln nur so starrt und auch von der Wandfarbe vor lauter Graffiti kaum noch etwas zu sehen ist, ist künstlerische Freiheit. Da redet ihr niemand rein, auch nicht, wenn das Licht die halbe Nacht brennt.

Brotlos ist Maries Textilkunst schon jetzt nicht mehr. Bei großen Reitturnieren zählt sie zu den Anbietern im Merchandise-Bereich, sei es in der Frankfurter Festhalle oder bei „Horses & Dreams“ in Hagen, einem Hotspot des Dressursports. Ab sofort sind ihre Arbeiten auch in der Boutique von Kathrin Kion auf der Goethestraße in Frankfurt erhältlich.

Fragt man Liselott Marie Linsenhoff nach ihrem Antrieb, in die Welt der Mode vorzustoßen, kommt sie ins Philosophieren: „Durch die Liebe zur Kunst und zur Mode fühle ich mich frei. Mein LML Designs-Label zeigt, was jugendliche Leidenschaft bewirken kann. Graffiti ist für mich die Rebellion des freien Geistes, sie hält Menschen den Spiegel ihrer Gefühle und Träume vor.“

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