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Arbeitsjubiläum: Die Firma ist seit 50 Jahren Hartmut Müllers Leben

Von Heute vor 50 Jahren war der erste Arbeitstag von Hartmut Müller bei der Firma Karl Schmidt in Schmitten. Zu Beginn seiner Lehre hätte er nicht gedacht, dass er es in der Fabrik für Gießereibedarf bis zum Betriebsleiter schaffen würde. Wenn er im Dezember in den beruflichen Ruhestand geht, hat der Erste Beigeordnete der Gemeinde Schmitten mehr Zeit für seine Hobbys.
Was aussieht wie Filmrollen für die Kinovorstellung, ist ein Kernstützenautomat. Hartmut Müller war dabei, als der Prototyp in der Firma Karl Schmidt hergestellt wurde. Foto: Evelxn Kreutz Was aussieht wie Filmrollen für die Kinovorstellung, ist ein Kernstützenautomat. Hartmut Müller war dabei, als der Prototyp in der Firma Karl Schmidt hergestellt wurde.
Schmitten. 

„Wie ich in die Firma kam“, damit beginnt Hartmut Müller seinen Rückblick auf 50 Jahre Betriebszugehörigkeit bei der Firma Karl Schmidt. Sein Großvater hätte es gern gesehen, dass er die Schreinerei in Dorfweil weiterführt. Aber sein Vater Albert arbeitete bei Karl Schmidt und wusste, dass seine Firma einen Lehrling suchte. „Ich war nach acht auf der Berufsfachschule in Usingen im Bereich Metallverarbeitung, stellte mich vor und wurde auch gleich genommen“, erzählt der 64-Jährige.

Mit 13 Jahren unterschrieb er seinen Lehrvertrag. „Da war ich noch e’ klaa Bubsche und wusste nur ein bisschen, was ein Werkzeugmacher macht“, erinnert er sich. Feilen, bohren und zuschneiden hat er von der Pike auf gelernt, aber auch andere Dinge. „Damals mussten wir jeden Tag die Werkstatt kehren und freitags die Toiletten saubermachen, das hat mir nicht geschadet.“ Heute werde einmal in der Woche gründlich gefegt und Brötchen holen müssten die Auszubildenden auch nicht mehr.

Einige Beförderungen

Vorbild für Müller war Lehrlingsmeister Edgar Löw. Der habe ihn nicht nur beruflich geformt. „Ich habe Löw, der später als Betriebsleiter Nachfolger von Frank Schmidt wurde und auch mal Erster Beigeordneter war, fachlich, persönlich und auch politisch sehr viel zu verdanken“, so Müller.

Nach der Berufsschule in Usingen und einem Gesellenvorbereitungskurs in der Feldbergschule in Oberursel absolvierte er im Frühjahr 1972 seine Gesellenprüfung. Für die praktische Prüfung bei der Firma Turner in Oberursel musste er seinen eigenen Werkzeugkoffer mitbringen und wurde an fremden Maschinen geprüft. Die Firma Schmidt übernahm ihn.

Für Müller war es Glück, dass er die Chance bekam, es bis zum Betriebsleiter zu bringen. Dass sein Können, sein Fleiß und seine Art, mit Menschen umzugehen, auch wenn er bestimmend sein muss, damit zu tun haben könnten, lässt er beim Gespräch mit dieser Zeitung unter den Tisch fallen.

Vor seiner Meisterprüfung im Jahr 1981 fuhr Müller zwei Jahre lang jeden Abend und jeden Samstag zur Meisterschule in Frankfurt. Den Ausbilderschein machte er gleich mit. Der Lohn war im gleichen Jahr die Beförderung zum Ausbilder und stellvertretenden Werkstattleiter. Apropos Lohn: Als Lehrling verdiente Müller 95 D-Mark im Monat, als Geselle anfangs 5,50 D-Mark in der Stunde. Seit 2000 ist Müller Betriebsleiter.

Eigene Artikel

„In der Firma stand die Belegschaft immer hinter mir, auch wenn es mal nicht so glatt lief“, sagt Müller in der ihm eigenen Bescheidenheit. Er ordnete während der Wirtschaftskrise Kurzzeitarbeit an, teilte in den besten Zeiten Nachtschichten ein. „Unsere Spezialprodukte sind nicht so leicht austauschbar“, stellt Müller fest. Stolz ist er, dass er gemeinsam mit Kunden eigene Artikel entwickelt hat. Die werden in der vor 25 Jahren modernisierten Galvanik verzinnt.

Auch der Bau der neuen Werkshalle hat 1999 das Unternehmen zukunftssicher gemacht.

Die Arbeitssicherheit seiner rund 80 Kollegen fällt genauso in Müllers Zuständigkeitsbereich wie die technische Kundenberatung. „Als Betriebsleiter ist man für fast alles verantwortlich“, sagte er. Im Haus unterstehen ihm Fertigung und Ausbildung, er arbeitet zum Teil im Einkauf mit, Personalentscheidungen stimmt er mit dem Personalchef ab.

Politisch engagiert

Dankbar ist Hartmut Müller, dass ihm Geschäftsführer Albrecht Gräfer immer den Rücken freigehalten hat, für sein ehrenamtliches Engagement beim DRK ebenso wie in der Kommunalpolitik. Als langjähriges CDU-Mitglied ist Müller in der dritten Legislaturperiode Erster Beigeordneter. 2008 forderte er im Bürgermeisterwahlkampf Amtsinhaber Marcus Kinkel (FWG) heraus.

„Die Firma war 50 Jahre lang mein Leben“, meint Müller und gibt zu: „Ich arbeite gern.“ Offiziell geht er am 1. Dezember in Rente, sein letzter Arbeitstag ist Mitte September. Die Nachfolge im Betrieb ist längst geklärt und Hobbys hat er genug. Seine große Leidenschaft ist das Radfahren. Seit Frühjahr ist er zweiter Vorsitzender der TSG Niederreifenberg. Im Sommer ist Gartenarbeit angesagt, im Winter Schneeschippen.

„Ich könnte mich öfters im Rathaus blicken lassen“, meint er und verspricht: „Ich werde ihnen nicht ins Handwerk pfuschen.“

Auch seiner Frau Karin, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist, sei bewusst, dass es daheim eine Umstellung geben werde. Bislang hat er morgens vor sechs Uhr das Haus verlassen.

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