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Wie in den Alpen: Die Besonderheiten der Orte im Usinger Land: Laubach

Von Die Orte im Usinger Land haben eine ganze Menge zu bieten. Die Taunus Zeitung hat sich deshalb auf die Suche nach diesen Besonderheiten gemacht und stellt sie in lockerer Folge vor. Start ist in Laubach, wo kürzlich sogar das Fernsehen zu Gast war. Hat sich der Ortsteil doch dafür beworben, ein „Dolles Dorf“ zu sein.
Wenn die Alphornbläser proben, fühlen sich die Laubacher wie in den Alpen. Wenn die Alphornbläser proben, fühlen sich die Laubacher wie in den Alpen.
Grävenwiesbach. 

Der Weinberg: Fangen wir mal beim Ortseingang, vom Laubacher Kreuz kommend, an. Auf der rechten Seite sieht man seit dem Frühjahr kleine Stämmchen, die schön in Reih und Glied stehen. Hier hat die Familie Uhrig einen Weinberg angelegt. Die ungewöhnliche Idee hatte Thomas Uhrig, als er in einem Wanderurlaub in den Weinbergen unterwegs war. „Das probieren wir mal aus“, sagte er und besorgte drei Rebensorten: Centuri, Millenium und Primus. Alle drei sind pflegeleicht und frosthart. Immerhin liegt der neue Weinberg zwar am Südhang, aber in einem Gebiet, das auch gerne „Hessisch Sibirien“ genannt wird. 88 Stämmchen sind es, die in etwa drei Jahren Ertrag bringen sollen. Bis dahin will Thomas Uhrig sich mit der Kelterei befassen, damit er im Anschluss seinen Wein selbst machen kann.
Die Alphornspieler: Alphornspieler hat auch nicht jedes Dorf. Hier gibt es drei, eine Frau und zwei Männer, die kräftig ins Horn blasen und den Zuhörern das Gefühl geben, sie seien in den Alpen. Geprobt wird nämlich normalerweise draußen, hoch über dem Dorf. Nur wenn es zu kalt ist, müssen die Alphornbläser in einen Raum ausweichen. Bei den langen Instrumenten ist das nicht ganz so einfach. 3,60 Meter lang ist so ein Teil. Damit es aber dennoch transportabel ist, kann es in drei Teile zerlegt werden. Begonnen hat die Leidenschaft für das ungewöhnliche Instrument vor über 25 Jahren während eines Urlaubs in der Schweiz, erzählt Ilona Müller. Dort hatte sie einen Alphorn-Kurs belegt und dabei Feuer gefangen. Sie legte sich ein solches Instrument zu und übte. Ihr Mann Thomas Moses war recht schnell ebenfalls angetan und schon waren sie zu zweit. Zu ihnen gesellte sich noch Torsten Rumpel, und als Trio mit dem Namen Aerophon Laubach haben sie bereits etliche Auftritte hinter sich gebracht. Unter der Telefonnummer (0 60 86) 39 85 42 sind die Musikfreunde bei Iris Opl zu erreichen.
Der Schmied: Echte Schmiede gibt es in Laubach auch noch. Sie heißen Eckhard und Friedhelm Stamm und sind meist ausgebucht. Die Schlosserei, in der heute noch in einer Esse über offenem Feuer geschmiedet wird, befindet sich in der Mitte des Dorfes, gegenüber vom Vereinshaus. Wilhelm Stamm hat die Schlosserei 1930 gegründet. Dessen Sohn Wilfried hat sie weitergeführt, und nach dessen plötzlichem Tod übernahmen die Söhne Friedhelm und Eckhard Stamm. Die Schmiede beschlagen zwar keine Pferde – einen mobilen Hufschmied gibt es aber auch im Ort – sie schmieden nach alter Tradition Treppengeländer, Hoftore, Einfriedungen und einige mehr. Und dass die Tradition der Kunstschmiede nicht ausstirbt, dafür sorgt Matthias Stamm, der den Betrieb irgendwann übernehmen wird.
Der Landmaschinen-Bauer: Ein weiterer Handwerksbetrieb, der Besonderes bietet, ist Landmaschinen Etzel. Hier finden auch die Oldies unter den Treckern ihren Meister. Gegründet wurde die Firma vor genau 50 Jahren, im Jahr 1968, von Kurt Etzel. Der gelernte Landwirt arbeitete seit Anfang der 50er Jahre als Mechaniker bei der Firma Gustav Martens in Frankfurt und später im Landmaschinen-Betrieb der Firma Schwarz in Weilmünster. 1968 entschloss sich Etzel, seine eigene Firma zu gründen und baute einen Teil der Scheune in der Kirchspieler Seite zur Werkstatt aus. Sohn Reinhard Etzel übernahm die Firma 1980 und baute die Scheune weiter aus. Insgesamt fünf Angestellte sind heute in dem Familienbetrieb beschäftigt, der nicht nur neue Traktoren an kleine bis große landwirtschaftliche Betriebe verkauft, sondern auch historische Landmaschinen wieder in Schuss bringt. Zu sehen war eines dieser Prachtexemplare – ein Lanz Bulldog – auch in den Aufnahmen für das „Dolle Dorf“ im Hessischen Rundfunk.
Die zwei Seiten: Der Ort, dessen Name vom Bächlein Laubach („der Bach unter dem Laub“) abgeleitet ist, nimmt zusammen mit dem Nachbardorf Gemünden eine Sonderstellung unter den Ortschaften des Usinger Landes ein: Beide Dörfer waren einst in zwei Herrschaften geteilt. Scheidelinie war der Bach. Rechts davon war (und ist bis heute) die Kirchspieler Seite und links davon die Stockheimer Seite. Die Bewohner der Kirchspieler Seite waren nassauische Untertanen, die zum Gericht und Kirchspiel Grävenwiesbach gehörten. Dieses Gericht gelangte nach einigem Hin und Her 1406 in den Besitz der Grafen von Nassau.

Andere Entwicklung

Die Stockheimer Seite, links des Laubachs, machte eine andere Entwicklung durch: Schon im Jahre 1195 tauchte in unserer Gegend das Geschlecht der Herren von Stockheim auf. Von ihrer Wasserburg bei Usingen (heute Stockheimer Hof) ausgehend bildete diese Familie eigene Herrschaften in Gestalt des Oberstockheimer Gerichtes (Vorort Rod am Berg) und des Niederstockheimer Gerichts (Vorort von Merzhausen) aus. Die erste Spur des Dorfes Laubach in der geschichtlichen Überlieferung ist heute über 600 Jahre alt, wenn das Dorf auch zweifellos um 200 bis 300 Jahre älter sein dürfte, wie die Ortsnamenforschung lehrt.
Die alte Schulturmuhr: Nicht zu vergessen die alte Schulturmuhr. Die muss spätestens alle 36 Stunden aufgezogen werden, damit sie weiter läuft. Per Hand. Das übernimmt Klaus Dreier, der nebenan wohnt und auch als Puppenspieler im Usinger Land und darüber hinaus bekannt ist. Das Aufziehen der Uhr bedeutet für ihn auch ein wenig Gedächtnissport. Denn dafür will er sich keinen Wecker stellen. Die Uhr in der Alten Schule wurde 1889 von einem Usinger Uhrenhersteller gebaut und ist seither im Einsatz. Ab und zu ein bisschen Öl und alle paar Jahre eine Wartung braucht sie, mehr nicht. Klar, dass die Uhr im digitalen Zeitalter eine Exotin ist, vom Aussterben bedroht. Fast war es schon mal so weit, dass der Ortsbeirat auf digital umstellen wollte. Dem Einsatz von Klaus Dreier und seiner Frau Gabriele Zimmermann ist es zu verdanken, dass eine der ältesten Uhren im Usinger Land noch unermüdlich ihren Dienst versieht.

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