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Der unbemerkte Feiertag

Von Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Und vielleicht wird am Sonntag im Apfeldorf spontan der eine oder andere Schoppen getrunken. Denn der deutsche Apfel hat morgen seinen Ehrentag.
Für Heiko Fischer ist der Apfel heilig: Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Kronberger mit dessen Kulturgeschichte in Theorie und Praxis. Im Usinger Land hält er regelmäßig Schnittkurse ab.	Foto: Hintermeier Bilder > Für Heiko Fischer ist der Apfel heilig: Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Kronberger mit dessen Kulturgeschichte in Theorie und Praxis. Im Usinger Land hält er regelmäßig Schnittkurse ab. Foto: Hintermeier
Usinger Land. 

„Apfelblütenkönigin, du Schönste aller Schönen, ganz Wehrheim läuft zum Schwimmbad hin, dich feierlich zu krönen . . .“, so beginnt die zweite Strophe des Wehrheimer Apfelliedes. Man kann es den Apfeldorf-Bewohnern, die (zu Recht) unheimlich stolz auf die Früchte sind, nicht verdenken, dass sie die Äpfel und ihre Königin lieber feiern, wenn es draußen etwas wärmer ist und die Bäume Blätter (und Blüten) haben.

Dabei wäre an diesem Wochenende zwischen Jahreswechsel-Nachwehen und Fastnachtsvorbereitungen ein idealer Zeitpunkt, Apfelwein oder Apfelsaft hervorzuholen und heiß oder kalt zu genießen: Morgen wird offiziell der „Tag des deutschen Apfels“ gefeiert.

Wehrheim trägt auch ganz offiziell Obst im Logo. Bild-Zoom
Wehrheim trägt auch ganz offiziell Obst im Logo.

Den Zweitnamen „Apfeldorf“ trägt die Gemeinde schon seit 2002 offiziell, und auch das Apfelblütenfest ist im Vergleich zum Gedenktag natürlich die Veranstaltung mit einer längeren Tradition: Während im Frühjahr das zwölfte Fest ansteht, wurde der morgige „Feiertag“ erst 2010 ins Leben gerufen – von allen wichtigen Apfel-Erzeugerorganisationen Deutschlands, um das Wissen um die Kulturfrucht und die verschiedenen Sorten zu verbreiten.

Da kennen sich die Leute im Taunus gut aus. Die Liebe zum Obst ist in Wehrheim denn auch nicht nur eine Sache des Magens, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Wo sonst konnte die Idee aufkommen, dass Hochzeitspaare ein Apfelbäumchen geschenkt bekommen? Dass die offiziellen Souvenirs des Ortes mit einem Apfel-Logo verziert sind, gehört ebenfalls mit zum guten Ton. Auch in der Natur ehrt man den Apfel und alles, was damit zu tun hat: Der frei stehende Speierling unweit der Schlink ist bekannt, der „Rosenapfel“, eine wiederentdeckte Sorte aus Friedrichsthal rückte 2006 ins Bewusstsein, als er nach langem Rätselraten endlich bestimmt werden konnte.

 

Viele Sorten im Taunus

 

Eigentlich ist Heiko Fischer kein großer Fan von Gedenktagen. Doch mit dem Tag des deutschen Apfels kann er sich schon anfreunden. Der Rat des Apfelexperten aus dem Vordertaunus ist bei Schnittkursen in Wehrheim, im Hessenpark und in Hausen-Arnsbach sehr gefragt.

„Rund 50 Interessierte schauen bei meinen Kursen im Durchschnitt vorbei“, erzählt der Speierling-Papst aus Kronberg, der die Leidenschaft für „gesundes Obst“ von seinem Vater geerbt hat. „Ihm habe ich immer bei der Ernte und Pflege des Gartens geholfen. Später hatte ich dann einen eigenen Garten und habe die Tradition fortgesetzt“, berichtet der 72-Jährige.

Und in der Freizeit begann für Fischer immer mehr die Spezialisierung auf den Apfel. Dabei hat er sich im Laufe der Zeit einen reichen Fundus an Wissen über das beliebte Obst angeeignet. Dazu zählen natürlich auch die gesundheitlichen Vorteile, die der Verzehr von Äpfeln mit sich bringt.

Eine Rarität: der Rosenapfel.	Foto: mai
Große Sonderausstellung

Das Freilichtmuseum Hessenpark feiert den Apfel regelmäßig mit einem Apfel- und Kelterfest. In diesem Jahr wird der schmackhaften Frucht eine ganz besondere Ehre zuteil, er bekommt eine ganz große Bühne.

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So hätten Forscher herausgefunden, dass ein Apfel täglich Alzheimer vorbeugen könne. Sogar das Wachstum von Krebstumoren bremse der Verzehr von Äpfeln. Dafür sorge der Wirkstoff Quercetin in den Früchten. Dieser hemme Entzündungen und mache freie Radikale unschädlich. Diese aggressiven Moleküle entstünden in Stresssituationen und könnten die Erbsubstanz schädigen.

Auch der Darm profitiere von den Äpfeln: So hemmten die Fruchtsäuren das Wachstum der Fäulnisbakterien, und die Gerbsäure wirke gegen Entzündungen. Der Apfel-Ballaststoff Pektin habe entgiftende Eigenschaften und normalisiere die Darmbewegung. Kein Wunder also, dass geriebene Äpfel ein altes Hausrezept gegen Durchfall sind.

„Darüber hinaus enthält das Obst viel Vitamine und Spurenelemente, die die körpereigene Abwehr stärken und die Herzgesundheit fördern“, weiß Fischer. Und ein weiterer Tipp aus berufenem Munde: Die meisten Vitamine befinden sich in der Schale des Apfels oder unmittelbar darunter. Deshalb könne bei ungespritzten Früchten auf das Schälen durchaus verzichtet werden.

Fischer und seine Mitstreiter im Pomologen-Verein machen sich für den Erhalt alter Obstsorten stark, während viele Supermärkte auf vereinheitlichte Früchte setzen – Züchtungen von kurzlebigen Busch- und Spindelbäumen. Der hochstammige Obstbaum, der für Vielfalt stehe, ziehe unter diesen Voraussetzungen den Kürzeren.

Aber auf den ersten Blick scheinen Deutschland und seine Regionen in Sachen Apfelvielfalt noch relativ auf Vordermann zu sein. „Weltweit kennen die Pomologen rund 20 000 bis 30 000 Apfelsorten. In Deutschland sind noch 2000 bis 3000 bekannt. Im Apfeldorf Wehrheim dürfte es rund 30 Apfelsorten geben, im Usinger Land insgesamt 50. In Kronberg sind es sogar rund 200“, macht Fischer, der selbst Apfelwein keltert und daraus auch einen „Apfel-Champagner“ zaubern lässt, seine Apfel-Rechnung auf.

Wer Fischer einmal live erleben möchte, hat dazu am Freitag, 20. März, ab 19 Uhr und am Samstag, 21. März, ab 9 Uhr bei einem Schnittkurs die Gelegenheit. Nähere Informationen hierzu können bei der Gemeinde Wehrheim (0 60 81) 58 90 erfragt werden.

Weitere Informationen über Apfel &. Co. und auch über den berühmten Kronberger Pomologen Johann Ludwig Christ erhalten Interessierte auch im Internet auf den Webseiten www.pomologen-verein.de und unter www.wehrheim.de. Dort gibt es auch eine Liste von 88 Apfelsorten, die in Wehrheim (und dem Usinger Land) gut gedeihen können – vom Allington Pepping bis zum Zwiebelborsdorfer.

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