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Letzte Ruhestätte für Helikopter: Der Usinger Ralph Thiel sammelt ausrangierte Hubschrauber

Von Die einen stellen sich Armeen von Gartenzwerge ins Beet, andere sammeln Flugzeug-Quartette oder leimen Plastikbomber fürs Regal zusammen. Der Usinger Ralph Thiel gehört nicht dazu: Keine Gartenzwerge, keine Spielkarten, Modellbau war früher – jetzt werden die großen Sachen gesammelt: Hubschrauber.
Ralph Thiels Schmuckstück ist die SA 360 Dauphine, Vor vielen Jahren ist sie in der Fremdenlegion eingesetzt gewesen, hat aber auch als Lösch-Helikopter Waldbrände in Portugal bekämpft. Foto: Schneider Ralph Thiels Schmuckstück ist die SA 360 Dauphine, Vor vielen Jahren ist sie in der Fremdenlegion eingesetzt gewesen, hat aber auch als Lösch-Helikopter Waldbrände in Portugal bekämpft. Foto: Schneider
Ortsunkundige, die im Usinger Gewerbegebiet an der Südtangente nach dem Weg fragten, bekamen oft zu hören: „Da wo der Hubschrauber auf einem Dach steht nach rechts.“ Das konnte man sich auch ohne Navi merken. Schließlich ist ein „MI-2“ nicht so leicht zu übersehen. Doch der inzwischen so berühmt gewordene grüne Helikopter ist plötzlich weg. Weggeflogen? Wohl kaum. Ohne Turbine hebt ein Drehflügler nicht ab. Da braucht man schon einen Autokran, wie Ralph Thiel erzählt.

Die Erklärung, die der 49-jährige Besitzer zum Verschwinden des „MI-2“ abgibt, ist einleuchtend: „Ich hab’ ihn verkauft, hat sich halt so ergeben.“ Dabei stehen Kunden nicht gerade Schlange nach alten Hubschraubern. Doch Thiel hatte Glück. „Ich wollte im Internet den Marktwert testen, schwups rief ein holländisches Kindertheater an und wollte ihn haben. Der Preis seit gut gewesen. Wie viel er genau bekommen hat, will er allerdings nicht verraten. Nun ist es nicht so, dass Ralph Thiel knapp mit Hubschraubern wäre, zurzeit gibt es noch drei weitere in seinem Fundus, weshalb sich der Trennungsschmerz bei ihm auch in Grenzen hält. Eine „BO 105“, wie sie früher als Rettungshubschrauber im Einsatz war, steht vor der Haustür, auch ohne Turbine. Sie hat Chancen, im Frühjahr, wieder mit Hilfe des Autokrans der Firma Buhlmann aufs Dach gehievt zu werden, so genau weiß Ralph Thiel das noch nicht, „vielleicht bleibt sie auch einfach hier stehen.“

Es begann mit „Tante Ju“

Ein Besuch im Usinger Domizil von Ralph Thiel zeigt: Allein das Wohn- und Geschäftshaus ist beeindruckend, ist es doch der Nachbau eines Flugzeughangars. Doch bei Ralph Thiel und seiner Lebensgefährtin Tanja Meyer alles mit allem zusammen. Luftfahrt spielt bei den beiden eine besondere Rolle. Und irgendwie ist sie selbst dran schuld. Was schenkt sie ihm auch zum Geburtstag einen Rundflug mit der „Tante Ju“ und weckt so sein Interesse an Wellblech? Sie sieht die extravagante Bleibe als gemütlich-stylisches Beispiel für „Schöner Wohnen“ und hat auch nichts gegen den Zukauf weiteren Fluggeräte. „So lange er sie draußen parkt“, fügt sie hinzu.

Noch steht die BO 105 ohne Rotorblätter in der Einfahrt von Ralph Thiels Betrieb im Usinger Gewerbegebiet. Wenn sie im Frühjahr aufs Dach gehievt wird, was noch nicht ganz feststeht, werden natürlich auch die Blätter wieder montiert. Foto: Schneider Bild-Zoom
Noch steht die BO 105 ohne Rotorblätter in der Einfahrt von Ralph Thiels Betrieb im Usinger Gewerbegebiet. Wenn sie im Frühjahr aufs Dach gehievt wird, was noch nicht ganz feststeht, werden natürlich auch die Blätter wieder montiert. Foto: Schneider

Dabei deutet auch vieles im Innern des Hauses auf Thiels Leidenschaft hin: Sein Schreibtischstuhl war im früheren Leben mal ein Schleudersitz. Als Sofa fungiert eine ausgediente Sitzreihe aus einem Airbus. Überm Herd hängt der Propeller einer „Bücker 181“, über der Couch auf Alt getrimmte Fotos der „Ju 52“, mit der alles begann.

Nicht jeder, der einmal mit der JU geflogen ist, kauft hinterher gleich Hubschrauber. Thiel ist aber auch nicht irgendjemand. Der geborene Hasselbacher ist keiner, der sich rotbemützte Zwerge in den Garten stellt. Irgendwann, er weiß nicht mehr genau wann und auch nicht so richtig warum, reifte in ihm die Idee, einen alten Starfighter auf einem sechs Meter hohen Träger als Deko-Objekt anzuschaffen. „Nur so, mal was anderes.“ Pech nur, dass sein Angebot zu niedrig war und der Düsenjäger einen anderen Besitzer gefunden hat. Dann halt keinen Starfighter. Wie wäre es vielleicht mit einem Hubschrauber? Und wo findet man die? Im Internet. Wobei es durchaus ein Zufallsfund war, dass ausgerechnet ein Unimog-Händler noch einen „MI-2“, Baujahr 1984, im Angebot hatte. Dabei handelt es sich um einen russischen, in polnischer Lizenz gebauten Mehrzweckhubschrauber, wie er bis Ende der 1990er am Himmel kreiste. Die letzten aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR wurden 1996 ausgemustert.

Kurioser Transport

„Ein Anruf montags genügte, mittwochs haben wir ihn mit dem Hänger geholt“, sagt Thiel. Noch heute muss er über seine Spontaneität lachen, „wir mussten den Rotor, die Räder und den Heckausleger abbauen, sonst wären wir an den Autobahnbrücken hängengeblieben. Natürlich hält man da bei jeder Brücke die Luft an.“ Später entdeckte er dann im Internet Fotos von sich, dem Hänger und dem Helikopter – Autobahnreisende hatten den Transport geknipst und gepostet. Zwei Monate dauerte die Restaurierung, dann kam der Kranwagen und der Hubschrauber stand von nun an auf dem Dach eines Containers.

Die BELL 47 hatte ihren großen Auftritt in der legendären US-Fernsehserie "M.A.S.H.", Foto: Scjhneider Bild-Zoom
Die BELL 47 hatte ihren großen Auftritt in der legendären US-Fernsehserie "M.A.S.H.", Foto: Scjhneider

„Ein Heli ist kein Heli“, sagte sich Thiel und verguckte sich 2014 prompt in die „BO 105“, ein gut erhaltenes Stück aus den 1980ern in schlichtem Nato-Oliv. Es war aber nur die Karosserie, nach und nach erstand der inzwischen in der Szene bestens vernetzte Ralph Thiel noch Sitze, Cockpit und Turbinenverkleidung. Er werde häufig auf das Nato-grüne Outfit seiner Schätze angesprochen und gefragt, ob er ein Militarist sei. Ist er nicht. Nur: „Die Helis anders zu lackieren würde ein Vermögen kosten, das matte Grün kann ich für kleines Geld selbst auftragen.“ Wie klein, sagt er nicht, wie er überhaupt schweigt, wenn die Rede auf die Preise für seine Objekte kommt.

Nicht widerstehen konnte er bei Heli Nummer 3, ein schmucker Zweisitzer namens „Bell 47“, Baujahr 1952. Ein solches Gerät hatte seinen großen Auftritt in der amerikanischen TV-Serie „M.A.S.H.“. Thiels „Bell“ hat zwar keine TV-Karriere hinter sich, hat aber, das haben sogenannte „Flight-Spotter“ ermittelt, bei der Royal Airforce gedient.

Noch einen Wunsch

Aller guten Dinge sind vier: Bei der „SA 360 Dauphine“, Baujahr 1974, konnte Thiel ebenso nicht Nein sagen. Nun steht sie auf dem Hof. Wer nun glaubt, das war’s, der irrt. Ralph Thiel hat noch einen Wunsch: „So eine gut erhaltene Alouette, daran hätte ich schon Spaß.“ Da die französischen Helikopter mit Namen Allouette aber nicht auf Bäumen wachsen und der Platz für Fluggeräte auf seinem Privatgelände auch allmählich zur Neige geht – es sei denn, es wird mal wieder eine Maschine verkauft – bleibt Thiel auch gerne mal mit allen vier Rädern auf dem Boden: In einer Garage stehen hintereinander zwei beige VW-Käfer.

Die Luftfahrt ist überall präsent bei Ralph Thiel: Selbst sein Bürostuhl war früher einmal ein Schleudersitz. Der Helm liegt immer griffbereit. Bild-Zoom
Die Luftfahrt ist überall präsent bei Ralph Thiel: Selbst sein Bürostuhl war früher einmal ein Schleudersitz. Der Helm liegt immer griffbereit.

Einer, Baujahr 1967, trägt die „53“ stolz auf der Fahrertür und hört auf den Namen „Herby“. Im Heck sorgt ein Motor aus dem „914-er“, dem damaligen „Volksporsche“, für brachialen Vortrieb. Er rennt maximal 200 Sachen, wenn Thiel ihn lässt, was er aus Rücksicht aufs Gerät aber selten tut. Dem zweiten Käfer wurde ein 60-PS-Limbach-Flugzeugmotor implantiert, was ihn auch nicht gerade zum Bremsklotz macht. So schließt sich wieder der Kreis zur Luftfahrt.

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