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Übersicht im Stadtarchiv: Bücher, Broschüren und historische Gerichtsprotokolle

Von Archivar Helmut Fritz und seine Kollegen Gerd Velte und Susanne Armbruster haben eine neues „Baby“: Im Stadtarchiv gibt es jetzt eine eigene Bibliothek mit annähernd 3000 Bänden.
Gerd Velte, Helmut Fritz und Susanne Armbruster (von links) haben im Stadtarchiv eine Bibliothek eingerichtet. Foto: Dorit Lohrmann Gerd Velte, Helmut Fritz und Susanne Armbruster (von links) haben im Stadtarchiv eine Bibliothek eingerichtet.
Usingen. 

Vor acht Jahren wurden Gerd Velte und Helmut Fritz in Marburg mit dem Hessischen Archivpreis ausgezeichnet. Für die beiden inzwischen etwas betagten Rentner ist es nach wie vor Ehrensache, das Stadtarchiv in Usingen zu betreuen.

Vor inzwischen mehr als eineinhalb Jahrzehnten haben die zwei Herren eine mitunter sicherlich mühselige Aufgabe übernommen – freiwillig und ohne Sold, versteht sich. Die von der Stadt gewährte Aufwandsentschädigung investieren sie selbst gleich wieder ins Archiv, statt damit ihre eigenen Auslagen zu kompensieren.

„Viele alte Akten sind derart zerfleddert, dass man kaum noch darin blättern kann“, erklärt Helmut Fritz. Also müssen oft neue Buchdeckel her, manche Bände werden sogar in edles Leder gebunden. „Das hält länger als Pappe.“

Ist das nicht recht teuer? „Wir lassen das von Insassen des Gefängnisses in Diez machen“, verraten die Archivare. „Das kommt günstiger.“ Und Fritz packt eine Anekdote aus, wie der Direktor der Justizanstalt gefeixt habe, er freue sich über jeden „lebenslänglich“ Verurteilten. Die brauche er nach dem erfolgten Anlernen des Buchbinderhandwerks nicht kurz darauf wieder zu entlassen.

Sehr kommunikativ

Helmut Fritz und Gerd Velte räumen gründlich mit der Vorstellung auf, Archivare würden über verstaubten Akten brüten. Im Gegenteil, sie wirken vergnügt und erhellen das Stadtarchiv regelrecht mit ihrer Leutseligkeit. Zudem sind ihnen Besucher stets willkommen.

„Ich kam einmal mit den Landfrauen hierher“, erinnert sich Susanne Armbruster an eine Führung durchs Stadtarchiv. „Das hat mich so beeindruckt, dass ich am liebsten bleiben wollte.“ Sie blieb tatsächlich. Seit fünf Jahren gehört nun auch sie zum Team der Archivare.

Armbruster kam gerade recht, um den beiden Männern bei einer aufwendigen Umgestaltung des Stadtarchivs zu helfen. Bis dahin waren nämlich sämtliche Schriften in einem einzigen großen Archivraum untergebracht. Zwar nach Stadtteilen geordnet und thematisch sortiert, aber ohne Unterscheidung zwischen Akten und Büchern.

„Jetzt haben wir eine eigene Bibliothek mit rund 2000 Büchern“, strahlt Helmut Fritz voller Stolz. In dem kleinen stets verschlossenen Raum stehen alte, zerfledderte Bibeln und Gesangsbücher neben eigens neu gebundenen aus dem 18. Jahrhundert. Eine Besonderheit: die einzige noch erhaltende Hugenottenbibel der Familie Arabin aus dem Jahr 1741. Auch sie sei bei Erhalt in dermaßen schlechtem Zustand gewesen, dass ihr die Archivare einen neuen Einband spendieren wollten. Oder „Luthers Hauspostille“, ein weiterer bemerkenswerter historischer Band.

„Früher war das evangelische Lehrerseminar in Usingen“, erinnert Helmut Fritz. Deren Bücher über Naturwissenschaften, Religion und Literatur nehmen einen großen Platz in der Regalwand der Archivbibliothek ein. Um die 300 Exemplare füllen die Regale und stehen schön in Reih’ und Glied.

Klassische Literatur

Es gibt eine Sammlung an alten Ausgaben klassischer Literatur und etwa 700 Broschüren, darunter Festschriften von Vereinen aus dem ganzen Usinger Altkreis.

Und noch ein „Schmankerl“ hortet das Archiv-Trio in der Bibliothek: Originalurkunden ab 1424, darunter sogenannte Klage- und Antwortbücher (historische Gerichtsprotokolle), aus dem Usinger Rathaus sind dort aufbewahrt.

Natürlich dürfe aus dieser Bibliothek nichts ausgeliehen werden, betont Susanne Armbruster. Aber man könne Einblick nehmen und Kopien erstellen – unter steter Aufsicht der Archivbetreuer versteht sich.

Um das Gewünschte in den langen Ablagereihen möglichst schnell finden zu können, werden Fundbücher erstellt. „Außerdem arbeiten wir daran, das gesamte Archiv zu digitalisieren“, erklärt Gerd Velte. Es bleibt also weiterhin viel zu tun.

 

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