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Audenschmiede: Buderus-Werke sind fast vergessen

Zehn Bundes-, Landes- und Kreisstraßen führen vom Usinger Land in gleich vier benachbarte Landkreise. Reporter Matthias Pieren hat sich auf den Weg in die direkten Nachbarorte gemacht. Im Weiltal erreicht er hinter Winden und Heinzenberg Audenschmiede.
Heute sind im Industriekomplex der ehemaligen Buderus-Werke von Audenschmiede fünf Firmen angesiedelt. Bilder > Foto: Pieren Heute sind im Industriekomplex der ehemaligen Buderus-Werke von Audenschmiede fünf Firmen angesiedelt.
Usinger Land/Weilmünster. 

Durch das unwirtliche Wetter der vergangenen Tage führt die Weil aktuell Hochwasser. Die permanenten Niederschläge haben das Gewässer auf Höhe des Utenhofs teilweise über die Ufer treten lassen. Hier unten am tiefsten Punkt der Weil im Hochtaunuskreis liegt der Hof des größten landwirtschaftlichen Betriebes im Hochtaunuskreis. Wo sich die Weiltalstraße (L 3025) in Richtung Weilmünster bald hinter Winden und die L 3063 zwischen Heinzenberg und Laubuseschbach kreuzen, verläuft auch die Grenze zum Landkreis Limburg-Weilburg.

Die Landwirte vom Utenhof bewirtschaften in beiden Landkreisen eigene Felder (360 Hektar) und Grünland (80 Hektar), aber auch die Ländereien anderer Landwirte. An Feldarbeit ist derzeit nicht zu denken. Allerorten steht das Wasser auf den Äckern und Wiesen. Die braune Brühe der Weil drängt mit Wucht der Lahn entgegen.

Kaum zu glauben, aber die Wasser der Weil legten einst den Grundstein für einen der bedeutendsten Industriebetriebe der Region. Drei Kilometer stromabwärts liegt Audenschmiede. Die 100 Einwohner zählende Siedlung gehört zum unweit gelegenen Marktflecken Weilmünster.

Ein Verein (die freiwillige Feuerwehr), fünf Straßen mit 33 Häusern und ein großer Hallen- und Industriekomplex, in dem heute fünf Firmen beheimatet sind – das ist es dann auch schon. In der Blütezeit waren im hiesigen Gießereiwerk samt Hochöfen jedoch 260 Menschen beschäftigt.

Alte Hallen

Noch heute säumen die einstigen Arbeiterwohnungen die Weilstraße. Die meisten Fenster sind verrammelt. In den Hinterhöfen der Siedlungshäuser sammelt sich skurriles Allerlei, das von Hunden hinter wackeligen Zäunen bewacht wird. Offensichtlich leben hier doch noch Menschen.

Auch einige der einst stolzen Industriehallen mit ihrer schmucken Klinkerverkleidung haben längst Rost und Patina angesetzt. Beim tristen Dauerregen der letzten Tage verströmt hier alles irgendwie einen morbiden Charme. Wohnhäuser werden hier zum Spottpreis angeboten. Eine Immobilienbörse im Internet preist aktuell sechs Häuser feil. Ein Beispiel: Einfamilienhaus (Baujahr 1856) mit 138 qm Wohnfläche kostet gerade einmal 84 000 Euro. Nichts wie weg hier. Doch es gab auch einmal eine Blütezeit: Durch seinen Bahnhof war Audenschmiede jahrzehntelang ein großer Umschlagplatz für Holz und Gießereiprodukte. 1889 begann man mit dem Bau einer Bahnlinie, um die reichen Rohstoffvorkommen in der abgelegenen Region besser abtransportieren zu können. 1890 wurde die Stichbahn der bereits bestehenden Lahntalbahn von Weilburg über Weilmünster nach Grävenwiesbach eröffnet. Sogar ein Eilzug von Frankfurt nach Köln fuhr in den 1950er Jahren durch den Ort. Doch in den 1960er-Jahren fuhr hier der letzte Zug ab.

Kaum Touristen

Die Bahntrasse gehört heute zum Weiltalradweg. So ziehen heute zumindest Spurenelemente des vielgepriesenen sanften Tourismus durch den Ort. Hängen bleibt im Ort freilich niemand. Warum auch: Das ehemalige Gasthaus Löhr musste 1968 schließen. Danach betrieben zwei Italiener eine Pizzeria in dem Gebäude. Auch die ist längst dicht.

Dennoch ist man in Audenschmiede stolz: Zum Beispiel auf die unbürokratischen Wege, auf denen die wenigen Bauprojekte im Ort verwirklicht wurden. „Unsere Dorfgemeinschaft ist unbeugsam. Wir bauen zuerst und lassen es dann vom Rathaus in Weilmünster genehmigen“, sagt ein Ortsansässiger in der Siedlung, der seinen Mischlingshund trotz des Regens Gassi führt, aber lieber nicht seinen Namen verraten möchte. „Das hat schon dreimal geklappt: beim Dorfplatz, beim Bau des Friedhofparkplatzes und bei der Hallenerweiterung der Friedhofshalle.“

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