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111. Geburtstag der Kirche: Bis heute der Mittelpunkt des Ortes

Von Runde Jubiläen kann jeder feiern. Wenn die Vorbereitung stimmt, kann auch der 111. Geburtstag zu einem gelungenen Fest werden. Die Freude der Dorfweiler über eine eigene Kirche hält seitdem an.
Die Dorfweiler Kinder haben beim Kirchenjubiläum auch mitgemacht. Bilder > Foto: Evelyn Kreutz Die Dorfweiler Kinder haben beim Kirchenjubiläum auch mitgemacht.
Dorfweil. 

Ein echtes Jubiläum wäre im vorigen Jahr das 110-jährige Bestehen des Dorfweiler Gotteshauses auch nicht gewesen, außerdem wäre das dem Straßenfest der Feuerwehr in die Quere gekommen. Und bis zum 125. Jubiläum ist noch eine Weile hin. „Was lag also näher als im Lutherjahr den 111. Geburtstag unserer Kirche zu feiern“, sagte Küsterin und Kirchenvorstandsmitglied Anette Henrich.

Die Bedenken von Pfarrer Dr. Paul Schiebe, dass wegen der Laurentiuskerb in Usingen der Festgottesdienst mit Propst Oliver Albrecht nicht so gut besucht sein würde, war im Nachhinein unbegründet. Wer nicht überpünktlich war, musste sich sogar mit einem Stehplatz in der mit 200 Besuchern voll besetzten Kirche begnügen. Am Abendmahl nahmen anschließend 140 Gläubige teil.

Passendes Motto

Petrus meinte es gut mit den Dorfweilern, denn danach beim Kirchbergfest strahlte die Sonne, so dass zum Mittagessen und Kaffeetrinken nur ein Teil der Dorfweiler ins benachbarte Haus Wilina auswichen. Das Festtagsmotto „Leben im Dorf – Eingewoben in die Liebe Gottes“, hätten die Organisatoren nicht besser wählen können. Gottesdienst und Ausstellung erinnerten daran, wie die starke Dorfgemeinschaft vor über 100 Jahren alles daran setzte, ein eigenes Gotteshaus zu bekommen. Vorher mussten die Dorfweiler Protestanten zum Gottesdienst zu Fuß nach Rod am Berg laufen.

Dass um die Jahrhundertwende der Kirchengemeinde die finanziellen Mittel für ein zweites Gotteshaus fehlten, machten die Dorfweiler Kinder im Gottesdienst deutlich. Sie zogen als Bauern zum Altar, brachten symbolisch die Spenden der Bevölkerung für den Kirchenbau, der von der Zivilgemeinde übernommen und von der Bezirkssynode unterstützt wurde.

Einbau der Heizung

Einweihung war am 26. August 1906, erst 1910 wurde ein Ofen angeschafft, ab 1914 endlich elektrisches Licht installiert. Erst 1966 übernahm die Kirchengemeinde das Gebäude und die danach anstehenden Renovierungen, den Einbau der Heizung. Seit 2011 werden dank einer programmierbaren Funkuhr per Fernsteuerung die Glocken geläutet. Erst seit 14 Tagen hat die Küsterin ähnlichen Komfort auch beim Dimmen der Innenbeleuchtung. „Bisher musste ich immer dafür die Treppe hinauf zum Sicherungskasten steigen“, so Henrich. Eine Spende von Jagdpächter Peter Schmidt habe das möglich gemacht.

Die Kirche im Dorf der Weiler ist bis heute ein wichtiger Mittelpunkt für die Bevölkerung. Die Kinder hatten im Gottesdienst nämlich auch dargestellt, was in der Kirche alles gefeiert wird. Geheiratet wurde schon immer im besten Gewand, das der Kleiderschrank zu bieten hat. Die Schwestern Lina und Leni zogen als festlich gekleidetes Brautpaar ein und die Küsterin hatte von ihrem Schwiegervater Kurt Henrich den Zylinder ausgeliehen, mit dem dessen Großvater vor dem Traualtar stand.

Für manchen kaum zu glauben ist es, dass erst 1963 in der Dorfweiler Kirche die erste Taufe stattfand. Der erste Täufling war Sabine Heger und die wusste auch warum: „Getauft wurde früher bei den Familien zuhause, meistens schon wenige Tage nach der Geburt.“ Nachlesen lassen sich Geschichte und Geschichten rund um die Dorfweiler Kirche in der Festschrift, die Ralph Gattinger gestaltet hat.

Heger gehörte auch zum Vorbereitungsteam für das Kirchenjubiläum. Sie hatte als Blumenschmuck für den Altar aus frischen Blumen eine wunderschöne Lutherrose gesteckt. Weitere Helfer hatten sich darum gekümmert, dass es außer Essen und Trinken auch ein abwechslungsreiches Programm gab.

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