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Kneipe am Wehrheimer Bahnhof: Aus Hildas Pilsstube wird Juttas Treffpunkt

Von Die kleine Kneipe am Wehrheimer Bahnhof hat Tradition. Seit einem halben Jahrhundert ist sie der Umschlagsplatz für Neuigkeiten. Der frühere Betreiber Peter Neumann ist von seinem Kiosk-Fenster sogar schon Zeuge geworden, wie ein Mann aus Versehen seine Frau erschossen hat.
Jutta Hartmann führt die Kneipe am Wehrheimer Bahnhof seit acht Jahren als „Juttas Treffpunkt“. Schon ihre Eltern haben die Kneipe zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein Treffpunkt für Menschen aus Wehrheim und Umgebung. Jutta Hartmann führt die Kneipe am Wehrheimer Bahnhof seit acht Jahren als „Juttas Treffpunkt“. Schon ihre Eltern haben die Kneipe zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein Treffpunkt für Menschen aus Wehrheim und Umgebung.
Wehrheim. 

Zigaretten, Kaffee, Zeitung. Für viele morgendlichen Besucher von „Juttas Treffpunkt“ sind es zunächst genau diese drei Dinge, die sie wollen. Die Reihenfolge ist beliebig. Oftmals reicht ein „Guten Morgen“ durch das kleine Fenster und Peter Neumann (73) reicht ebenfalls ritualisiert die Dinge an. Kein Zweifel, die kleine Bahnhofsgaststätte in Wehrheim ist eine Institution. Nicht nur, weil sie sich vor zehn Jahren gegen die Abschaffung des Rauchens in dem Einraumlokal entschieden hat, sondern weil sie nun seit genau 50 Jahren von der Familie Neumann beziehungsweise Hartmann geführt wird.

Als Jutta Hartmann, Tochter von Peter und Hildegard Neumann vor acht Jahren das Lokal übernommen hat, „da wusste ich schon genau was auf mich zukommt“, schildert sie. Flexible vor allem aber lange Arbeitszeiten und Kundschaft mit ganz unterschiedlichen Wünschen und Vorlieben.

Zuhören und schweigen

Die wichtigste Eigenschaft einer Wirtin? „Man muss zuhören können, darf aber selbst nichts weiter erzählen.“ Seelentröster ist durchaus ein Titel, so klischeehaft er auch sein mag, der zu Jutta Hartmann passt. Die Frau mit dem freundlichen, offenen Lächeln, die zum zweiten Mal Großmutter wird, hat nicht nur einen scharfen Blick, sondern auch stets ein offenes Ohr für ihre Besucher. „Anfangs war es für die Besucher noch ungewohnt, dass ich und nicht mehr meine Mutter hier hinter dem Tresen stehe“, schildert sie. Doch schnell haben sich die Stammgäste an das freundliche Lächeln der gelernten Einzelhandelskauffrau gewöhnt.

Die Bahnhofsgaststätte ist ein Umschlagsplatz für Neuigkeiten. Viele Besucher kommen abends hier her, um noch ein Feierabendbier zu trinken oder den neuesten Klatsch aus dem Ort auszutauschen. Was es da alles zu hören gibt? Jutta Hartmann schüttelt den Kopf. Nein, das weiter zu erzählen stehe ihr keinesfalls zu. „Verschwiegenheit ist das oberste Gebot.“

Zunächst ein Kiosk

Daran hat sich in den 50 Jahren nichts geändert, die die Gaststätte bereits von ihrer Familie geführt wird. Doch darüber hinaus gab es durchaus die ein oder andere Veränderung. Als Mutter Hildegard die Wirtschaft übernahm, arbeitete ihr Mann Peter Neumann noch bei der Bahn und sah am Bahnhof nach dem Rechten. Die heutige Gaststätte war nur ein Kiosk, der sich an einen Fahrkartenverkauf und Wartesaal anschloss. Das gab Peter Neumann die Möglichkeit, ein wachsames Auge auf den Kiosk und seine Frau zu haben.

Am Samstag wird gefeiert

1967 eröffnete Hildas Pilsstube in Wehrheim am Bahnhof, seit acht Jahren nun heißt die Pilsstube Juttas Treffpunkt. Am kommenden Samstag, 9.

clearing

Trinker am Kiosk-Fenster gibt es keine, „das wollten wir nie“, unterstreicht Peter Neumann. Die habe er stets verscheucht. Damals wie heute galt, wer trinken will, geht dafür weit weg. Aus dem Wartesaal und Fahrkartenschalter ist inzwischen der kleine Gastraum mit Toiletten geworden. Eine Küche gibt es nicht, Speisen nur in Form von Kleinigkeiten. Nach seiner Pensionierung hat Peter Neumann die Frühschicht übernommen, seine Frau Hildegard die Spätschicht. Alle Facetten des Lebens hat er hier kennen gelernt.

Vor 18 Jahren war der ehemalige Kioskbetreiber sogar Zeuge einer Tragödie: „Da zeigte ein junger Mann seiner Frau eine Waffe die er dabei hatte“, kann sich Neumann noch erinnern. Beide hätten sogar zu derzeit ein kleines Baby gehabt. Bei dem Wunsch ihr die Waffe zu zeigen habe sich dann versehentlich ein Schuss gelöst, der sie im Bauchraum traf. „Eine halbe Stunde später war sie tot“, schildert Neumann noch heute mit Bedauern. Geschockt sei er gewesen, doch am nächsten Tag war er wieder im Geschäft.

Überfälle habe es in den 50 Jahren nicht gegeben. Bis vor zwei Wochen, als zwei vermummte junge Männer versuchten in die Gaststätte zu kommen. „Meine Angestellte hat aber geistesgegenwärtig reagiert und sich eingeschlossen“, schildert Jutta Hartmann. Und noch etwas haben die beiden Männer nicht bedacht: Die Nachbarschaft.

Überfall vereitelt

Denn die seien besser als jedes Alarmsystem. Hätten sie doch die Vermummung und die beiden Männer beobachtet, erst Hartmann, dann die Polizei alarmiert. Dass sie ein großes Messer in den Händen hielten, dieser Anblick war der Angestellten zum Glück erspart geblieben, da sie sich schon vorher einschloss. „Die beiden kamen ihr komisch vor, deshalb hat sie zugeschlossen“, schilderte Hartmann.

Kontrollanrufe gebe es immer wieder und auch außerhalb ihrer Schicht schauen Jutta Hartmann oder ihr Lebensgefährte immer wieder nach dem Rechten. Die Maxime: Mit dem letzten Gast geht man gemeinsam raus. Ärger kann Jutta Hartmann förmlich riechen. Und manchmal entwickeln sich auch Freundschaften, mit denen sie gar nicht gerechnet hat. Wie bei Uwe Siebels. Der Ostfriese zog nach Wehrheim und fragte zunächst nach Milch. Dann Zucker und schließlich kam er öfters und bot an, wenn sie jemals eine Aushilfe brauche, dann sei er da. Erst zögerte Jutta Hartmann, heute gehört er zum Kiosk-Team dazu.

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