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An ihren Lippen hängen alle

Von Wenn Walburga Kliem erzählt, dann nimmt sie ihre Zuhörer mit auf einen Ausflug in die Geschichte und die Welt der Fantasie. Die Burgruine Reifenberg war eindrucksvolle Kulisse für Geschichten, Märchen, Sagen und Legenden.
Oberreifenberg. 

In ihrem wallenden Gewand saß die Erzählerin auf einem dicken Wacker am Fuße des Burgturms. Sie sah aus, als ob sie gerade einen Zeitsprung aus dem Mittelalter gemacht hätte. Sie fabulierte so spannend und so lebendig, als wäre sie selbst dabei gewesen oder als hätten stolze Ritter und wehrhafte Burgfräulein ihr persönlich berichtet.

Auf der Burg drehten sich die meisten Geschichten natürlich um die nicht immer so romantische Ritterzeit. So soll es im Mittelalter, als die Burg Reifenberg noch vollständig erhalten war, den Handwerker Baldur von Blechschreck gegeben haben. Der ließ sich auch von den mächtigsten Rittern der ganzen Gegend nicht hinters Licht führen. Baldur stellte Ritterrüstungen her, und mancher Kunde zahlte nicht pünktlich, nicht vollständig oder gar nicht. Daher arbeitete Baldur vorübergehend nachts heimlich in seiner verschlossenen Kammer. Als der mächtige Eckehard von Eklingen samt seiner mit Edelsteinen besetzten Rüstung und dem mit Federn geschmückten Helm die Burg verlassen wollte, ohne die geforderten 100 Goldstücke für den Lohn zu bezahlen, schüchterte Baldur ihn gewaltig ein. Ein Blechdrache mit glühenden Füßen versetzte den Ritter in Angst und Schrecken. „Nicht nur der Ritter lernte daraus, dass man mit Baldur keine krummen Dinge machen kann, denn die Geschichte wurde überall weitererzählt“, verriet Walburga Kliem den kleinen und großen Zuhörern, die gebannt an ihren Lippen hingen.

„Wirklich und wahrhaftig ist auch die Geschichte von Felix“, versicherte sie. Der sei von ihren Geschichten so begeistert gewesen, dass er sie anhand von Bilderbüchern weitererzählte, obwohl er noch gar nicht lesen konnte. Später in der Schule sei er der Beste gewesen im Schreiben und im Ausdenken von Geschichten.

Das Ausschmücken von wahren Geschichten ist die große Kunst der in Treisberg lebenden Mundwerkerin. Sie erzählte von der Zeit, als die Taunusritter die Frankfurter Ritter besiegten und letztere zwei Jahre brauchten, um das Lösegeld zu bezahlen. Zur Abwechslung für die jüngeren Besucher hatte sie eine Erzählpause mit Spielen eingebaut. Danach wurde es dann noch mal richtig spannend. Dass der Kampfhamster „Wolke“ die Reifenberger davor bewahrte, dass die Wikinger ihre Burg eroberten, war zwar wohl eher im Reich der Fantasie angesiedelt, zog aber die Zuhörer genauso in ihren Bann.

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