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An den Eisschollen vorbei

Von Reine Kopfsache sei es, am Neujahrstag ins eiskalte Wasser abzutauchen. Andere hingegen schütteln über so viel Verrücktheit nur den Kopf.
Am Beckenrand beklatschen jede Menge Bewunderer den Mut der Eisschwimmer.	Fotos: Mai Am Beckenrand beklatschen jede Menge Bewunderer den Mut der Eisschwimmer. Fotos: Mai
Wehrheim. 

Bei der Familie Pfetzing hat das Eisschwimmen Tradition. Für Gerhard, mit 74 Jahren der Senior der Familie, gab es in den vergangenen Jahren kaum einen Neujahrstag, an dem er nicht die Badetasche packte und um 15 Uhr ins eiskalte Nass des Ludwig-Bender-Bades eintauchte.

Tochter Jutta Pfetzing und ihr Partner Jürgen Erker sind ebenfalls regelmäßige Eisschwimmer, und Sohn Jens hat die weiteste Anfahrt. Er kommt aus Mainz ins Apfeldorf. Er hat sich einen Hut aufgesetzt, denn schließlich entfleucht über den Kopf die meiste Wärme aus dem Körper. So friert der eiskalte Schwimmer kein bisschen, taucht sogar ein zweites Mal ins kühle Nass ein und strahlt dabei, als habe er gerade ein wohlig-warmes Entspannungsbad genossen.

An diesem Neujahrstag haben mehr als 20 alte und junge Eisschwimmer die Badehose angezogen und ihren Mut bewiesen. So viele waren es noch nie, seit Schwimmmeister Horst Schilk Anfang der 90er Jahre diese Spaß-Veranstaltung ins Leben rief.

Auch die Zahl der Applaus spendenden Schaulustigen am Beckenrand ist rekordverdächtig und liegt nach Schätzungen von Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) bei etwa 200. Sie alle sind voll Bewunderung für die unverfrorenen Badegäste, die sich in das nach Auskunft von Schwimmmeister Ralf Pauly 1,3 Grad kalte Wasser trauen.

Das sei schon ein tolles Gefühl, etwas zu tun, was sich nicht jeder traut, berichtet die 18-jährige Tatjana Uredat. Da hat sie wohl Recht, wenn gestandene Männer wie der Limes-Krätscher-Chef Horst Hopfengärtner eingestehen, dass er sich das höchstens in seinem Neopren-Anzug wagen würde, wie er sagt. Er tauche lieber im Roten Meer ab.

Die Luft ist mit 3 Grad über Null auch nicht gerade warm. Da bleibt der Rathauschef lieber am Beckenrand stehen und belässt es bei der Begrüßung von Bade- und Zaungästen aus der ganzen Region. Eingefleischte Eisschwimmer haben bereits eigene Rituale entwickelt. Simone Stiefel etwa geht zügig die Treppe runter und schwimmt – vorbei an Eisinseln auf der Oberfläche – auf die andere Beckenseite. Evelyn Holzmann und Neuling Jürgen Stein aus Neu-Anspach schwimmen auch wieder zurück. Die Wellen schlagen hoch, denn es macht sichtlich Freude, sich dieser eisigen Herausforderung zu stellen. Bei sonnigem Wetter, gut gelaunten Zuschauern und einem heißen Glühwein ist sie gar nicht so groß, finden einige Eisschwimmer.

Keine Warmduscher

Den Glühwein hat Schwimmmeisterin Manuela Groos spendiert und der Erlös ist fürs Bad bestimmt. Die Schwimmer, die sich am Neujahrstag ins Freibad trauen sind sicher keine Warmduscher, ihre ritzerote Haut zeugt von perfekter Durchblutung, und bei einem solchen Anschub kann das neue Jahr doch nur gute Gesundheit bringen, finden sie.

Aber ebenso schnell wie das Eisschwimmen, das in diesem Jahr seinem Namen alle Ehre gemacht hat begonnen hat, ist es auch wieder beendet. Eine gute halbe Stunde später liegt das Becken wieder ruhig in der untergehenden Sonne, und nur noch Eisinseln und Eisschollen zeugen noch von dem ersten Ereignis im Apfeldorf-Jahr.

Die eingeschworenen Dauerschwimmer waren froh, sich auch im Winter mal zu sehen, um sich ein gutes neues Jahr zu wünschen. Sie zählen bereits die Tage, bis das Bender-Bad im Mai offiziell und nicht nur für eine Stunde seine Pforten öffnet. Dann wird auch der Rathauschef in die hoffentlich mindestens 15 Grad wärmeren Fluten eintauchen.

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