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Schlechtes Disneyland?

Von Von der Villa Gans ist nicht mehr viel mehr als der Sockel und eine Seitenwand übrig. Befürchtungen, dass die Villa abgerissen wird, dementiert der Bürgermeister.
Oberursel. 

Zuerst war es das Dach, das aus statischen Gründen abgetragen wurde. Dann waren es die Fachwerkwände des Obergeschosses, die vom Hausschwamm befallen waren. Bei der Abnahme der Fachwerkwände ist jetzt auch noch eine Mauer im Eingangsbereich auf der Südseite eingestürzt. Von der einstigen herrschaftlichen Fachwerk-Villa, der Villa Gans, steht nicht viel mehr als der Sockel und eine Seitenwand.

Bekanntlich lässt die Immobiliengesellschaft der IG Metall, die Igemet, auf dem Gelände des ehemaligen Hauses der Gewerkschaftsjugend einen Villa-Hotel-Komplex errichten. Ende 2015 sollen dort Gäste eines Dorint-Hotels nächtigen können.

Doch bis dahin ist es angesichts des mehrfach beschriebenen schlechten Zustands noch ein weiter Weg: Die Befürchtungen von Bürgern mehren sich, dass nicht genehmigte Abbrucharbeiten an der Villa vorgenommen werden.

Die Villa Gans war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. Der Sachstandsbericht vom 24. März lag dem Gremium in der Sitzung allerdings noch nicht vor. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) begründete dies mit der Krankheit eines Mitarbeiters des Denkmalschutzes und kündigte an, dass der Bericht mit dem Protokoll verschickt werde. Das soll am morgigen Mittwoch erfolgen.

Auf die Frage eines Bürgers in der Sitzung, ob er sich den aktuellen Zustand angesehen habe, sagte Brum, dass er vor zwei Wochen dort gewesen sei. „Der Zustand des Bauwerks ist höchst kritisch“, sagte Brum. Vonseiten der Fraktionen gab es keine Nachfragen oder Kommentare. Der Punkt war damit abgehandelt.

Gerd Krämer (CDU), früherer Bürgermeister Oberursels und einst als Staatssekretär im Wissenschaftsministerium mit der Villa Gans betraut, hat zahlreiche Verhandlungen zwischen Stadt und Oberer Denkmalschutzbehörde in Wiesbaden moderiert – mit dem Ziel, einen Kompromiss zwischen Hotelbau und Erhalt der Villa zu erreichen. Er erinnert sich: „Damals bin ich von allen Fraktionen kritisiert worden. Es wurde gesagt, lasst doch die alte Hütte abreißen.“ Ziel des Denkmalschutzes sei aber, die historische Substanz zu wahren. „Man bewahrt sie nicht, in dem man sie abreißt und wieder aufbaut“, betont er. „Jetzt bekommen wir bestenfalls ein schlechtes Disneyland“, meint Krämer.

 

„Keine Erkältung“

 

Erst Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass 80 Prozent der Dachbalken von Hausschwamm befallen waren. „Hausschwamm ist keine Erkältung, die innerhalb von zwei Tagen kommt. Entweder der Hausschwamm wurde verschwiegen, oder man hat das Gebäude verwahrlosen lassen“, sagt Krämer.

Aktuelle Fotos von der einstigen Villa, die Krämer vorliegen, veranlassen ihn zu der Schlussfolgerung: „Ich habe den Verdacht, dass man den Denkmalschutz aushebeln und den Abriss durchsetzen will.“ Schon kurz nachdem seinerzeit ein Kompromiss zwischen den Interessen der Stadt, des Investors und des Denkmalschutzes gefunden worden war, sei herausgekommen, dass die Statik nicht geeignet sei, man das Gebäude abreißen müsse. „Das kam einem vor wie eine Salami-Taktik, bei der Scheibchen für Scheibchen der Denkmalschutz entfernt wird“, erinnert sich Krämer. Leider hätten die Stadt und alle Fraktionen diesen Kurs unterstützt.

Das Amt für Denkmalpflege in Wiesbaden, das den Abriss einst untersagt hatte und vor Gericht damit Recht bekam – das ist vier Jahre her – hat die Verantwortung für die Villa Gans vor wenigen Wochen an die Stadt übergeben, „weil vom Denkmalschutz nichts mehr übrig ist“, wie es aus der Denkmalschutzbehörde heißt.

Dazu Brum: „Die Anforderungen der Oberen Denkmalschutzbehörde ließen sich nicht erfüllen, weil die Statik gefährdet war. Am Anfang wurde ungeheuer viel rausgeholt. Aber es stehen noch beträchtliche Teile, die zu sichern sind.“ Der Denkmalschutz sei nicht ausgehebelt worden, betont Brum. „Wir sind so vorgegangen, weil Gefahr im Verzug war“, sagt der Bürgermeister.

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