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„Die Villa hat verloren“

Von der einstigen Villa Gans ist nicht mehr viel übrig. Und das, obwohl sie „denkmalschonend“ saniert werden sollte, monieren die Liberalen. Sie machen Stadt und Igemet, Eigentümerin der Immobilie, Vorwürfe.
Oberursel. 

FDP-Fraktionsmitglied Eva-Maria Kuntsche ist erschüttert: „Die Villa Gans als Ruine zu sehen, macht die Liberalen in Oberursel fassungslos. Wie konnte es zu diesem Ende eines Denkmals kommen?“

Wie berichtet, betrachtet das hessische Landesamt für Denkmalpflege die Villa – die derzeit abgerissen wird – nicht mehr als Kulturdenkmal. Das Gebäude will die Igemet, die Immobilien-Treuhandgesellschaft der IG Metall, zwar originalgetreu wieder aufbauen. Aber das sei ein Neubau, so das Urteil des Denkmalamtes.

Selbst bei der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag „gab es seitens des Magistrats keine Information, dass der Denkmalschutz für die Villa Gans aufgehoben wurde, obwohl die Stadt hiervon bereits gewusst haben musste“, ärgert sich Eva-Maria Kuntsche. Erst aus der TZ habe sie davon erfahren.

Die Liberalen wollen nun klären, wer Schuld am Verfall des Hauses hat. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP hat zahlreiche Fragen zur Villa Gans an die Verwaltung: „Was hatte die Igemet wirklich vor? Warum ist das Landesamt für Denkmalschutz eingeknickt? Inwieweit konnten diese Maßnahmen mit Zustimmung der Verwaltung ausgeführt werden?“

Kuntsche erinnert daran, dass die Villa Gans seit ihrer Errichtung vor knapp 100 Jahren zwei Kriege überstanden habe. Bis 2004 seien dort über Jahrzehnte viele Gäste (Jugendliche) beherbergt worden – ohne dass bauliche Missstände befürchtet worden seien. „Noch im Jahre 2009 befand das Landesamt für Denkmalpflege die Villa als absolut standsicher und verweigerte daher die Zustimmung zu Abtragung und Wiederaufbau“, so Kuntsche weiter.

Die Igemet hatte durch Abriss und Wiederaufbau die Statik des Gebäudes verbessern wollen. Die Igemet-Klage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof führte, wie berichtet, 2012 zu einem Vergleich. Verbunden war damit ein Katalog von Auflagen des Denkmalschutzes für die geplante Sanierung des Hauses. Der Bauherr musste sich unter anderem verpflichten, Bestandsdokumentationen für baubegleitende Detailentscheidungen zu erstellen. Besonders sensibel sollten die Veränderungen im Erdgeschoss der Villa vorbereitet werden.

„Das Ergebnis dieser denkmalschonenden Sanierung kennen wir jetzt: eine Ruine. Dachabtragung, ohne die Wände zu sichern, dadurch Verschiebung des Gebäudes, Balken krachen vom Ober- ins Erdgeschoss und reißen alles aus dem Inneren des Gebäudes mit sich“, kritisiert Kuntsche.

Die Villa Gans gelte nun als Neubau. „Welche Überraschungen werden damit noch auf uns zukommen?“, will die FDP-Stadtverordnete wissen. Professor Dr. Gerd Weiß, Präsident des hessischen Landesdenkmalamtes, habe gesagt, das Raumprogramm müsse sich der Villa anpassen und nicht umgekehrt. Kuntsche: „Die Villa hat verloren.“

(red)
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