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Stadtgeflüster: Ich rasiere die Kroaten, nicht die Engländer

Friseur Boris Lipovac (links) mit dem kroatischen Nationaltrainer Zlatko Dalic. Friseur Boris Lipovac (links) mit dem kroatischen Nationaltrainer Zlatko Dalic.

Kroatien hat rund 4,5 Millionen Einwohner. Die leben wohl alle in Frankfurt. Zumindest schien das Samstagnacht nach dem gewonnenen Elfmeterschießen des kroatischen Teams gegen den Gastgeber bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland. Die begeisterten Fans legten mit ihren Autocorsi Teile der Innenstadt lahm.

Ein Frankfurter mit kroatischen Wurzeln ist nun wieder in Russland und schwer am Schuften: Boris Lipovac . Im Hotel, in dem die kroatische Nationalmannschaft untergebracht ist, hat der Figaro gut zu tun. „Ich schneide gerade“, verrät der 30-jährige Frisör. Er war eigentlich im Urlaub in Kroatien. Doch er packte seine Siebensachen und düste nach Russland.

Und dort leistet er Schwerstarbeit. „Ich schneide der ganzen Mannschaft die Haare“, sagt er und zieht schnell an einer Zigarette. Denn er hat kaum Zeit zum Telefonieren. „Ich muss durchschneiden“, sagt er. Bis die Herren Fußballer am Abend ins Training gehen, wollen sie alle die Haare schön haben. Lipovac ist also gefordert. „Sie wollen mich wohl zu ihrem Team-Frisör machen“, sagt er.

Zur Erinnerung: Der Coiffeur sorgte dafür, dass die Haare von Eintracht-Spieler Ante Rebic beim DFB-Pokalfinale gegen die Bayern aus München perfekt saßen. Was das gebracht hat, ist bekannt. Rebic hatte Lipovac dann auch ins Mannschaftshotel nach Russland eingeladen, wo er ihm vor dem Spiel gegen Nigeria frisierte. Das bekamen seine Mitspieler mit und wollten auch. Brav stellten sie sich an, warteten, dass sie drankamen. Unter ihnen Fußballkaliber wie Ivan Rakitic vom FC Barcelona, Marcelo Brozovic und Ivan Perisic von Inter Mailand sowie der mittlerweile suspendierte Nikola Kalinic von Milan und der ehemalige Bayern-Profi Ivica Olic . Die Kroaten gewannen 2:0 und bestellten den Friseur erneut. „Vor dem Match gegen Dänemark habe ich auch geschnitten“, sagt Lipovac.

Inzwischen ist er so etwas wie der Glücksbringer geworden. Vielleicht war er es, der mit seinem Haarschnitt dafür sorgte, dass der kroatische Torwart Danijel Subasic beim Elfmeterschießen gegen den Gastgeber aus Russland hielt wie ein Weltmeister. Nun weiß aber die ganze Mannschaft Bescheid, so dass alle sich seine Dienste vor dem England-Spiel sichern möchten. „Wahrscheinlich auch die Trainer“, sagt der Frisör, der „nur ab und zu“ eine Zigarettenpause machen darf. Klar, die Spieler müssen heute bei der Partie gegen die Engländer tipptopp aussehen.

Die Stimmung im Mannschaftsquartier beschreibt Boris Lipovac als ausgelassen und locker. „Das Schwierigste haben sie geschafft“, sagt er und meint damit nicht die Sitzung beim Friseur. „Ich denke nicht, dass es heute wieder zum Elfmeterschießen kommt“, sagt Boris Lipovac, der dieses Mal in einem Appartement in Moskau untergekommen ist.

Das Spiel heute Abend wird er live vor Ort verfolgen. Er geht davon aus, dass seine Kroaten mit 2:1 gewinnen. „Beim Finale bin ich dann allerdings nicht dabei. Die Frisuren halten bis Sonntag“, gibt sich der Friseurmeister optimistisch. Beim Endspiel wird er dann in Kroatien am Fernsehen mitfiebern, denn bei aller Liebe zum Fußball: Die Familie geht bei ihm immer vor.

(es)

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