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Keine Entspannung: Wohnungspreise in Frankfurt steigen weiter

Von Die Preise für Eigentumswohnungen in Frankfurt steigen immer schneller. Im Schnitt wurden 2017 für Neubauten rund 5300 Euro pro Quadratmeter gezahlt – fast doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor. Für die meisten Frankfurter ist es mittlerweile unmöglich geworden, Wohneigentum zu erwerben.
Symbolbild Foto: Boris Roessler (dpa) Symbolbild
Frankfurt. 

22 000 Euro pro Quadratmeter kostete die teuerste Eigentumswohnung, die im vergangenen Jahr verkauft wurde. Solche Preise werden vor allem in der Spitze von Wohnhochhäusern erzielt. Dieses Luxussegment würde Planungsdezernent Mike Josef (SPD) an sich keine großen Sorgen bereiten, haben Wohnhochhäuser doch nur einen Anteil von 15 Prozent an allen im vergangenen Jahr verkauften Wohnungen. „Aber die Spitzenwerte ziehen auch alle anderen Preise nach oben“, sagte er am Dienstag bei er Vorstellung der Jahresbilanz des Gutachterausschusses für Grundstückswerte.

Wurden in früheren Jahren die meisten Wohnungen im Segment zwischen 3500 und 5000 Euro pro Quadratmeter verkauft, lag zuletzt der Schwerpunkt in der Kategorie 5000 bis 7000 Euro. Eine Neubauwohnung kostete im Schnitt 5300 Euro pro Quadratmeter – 11,3 Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viel wie 2007.

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Das ist zwar noch deutlich weniger als in München, wo der typische Quadratmeterpreis schon bei 7600 Quadratmeter liegt. Für Josef ist aber klar: Durchschnittsverdiener können diese Summen nicht aufbringen. „Wir brauchen eine Kehrtwende in der Wohnungspolitik“, sagte er. Das Hauptproblem seien die explodierenden Grundstückspreise. Flächen für Mehrfamilienhäuser kosteten 2017 in Frankfurt im Schnitt 41 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Gewinne abschöpfen

Josef will deshalb Grundstückseigentümer stärker in die Pflicht nehmen. Sie sollen nur ein Drittel der Wertsteigerung von Baugrund behalten dürfen, zwei Drittel will Josef abschöpfen und in bezahlbaren Wohnraum investieren. Große Hoffnungen setzt er in den neuen Stadtteil, der im Nordwesten an der A 5 geplant ist. „Den hätten wir schon vor zehn Jahre gebraucht“, sagte er.

Dort könnten preisgünstigere Wohnungen entstehen, weil ein großer Teil der Grundstücke der Stadt oder stadtnahen Stiftungen gehörten. Josef will diese nicht an den Meistbietenden verkaufen, sondern an den Investor mit dem besten Konzept oder an Genossenschaften. Sein Ziel ist es, dass neue Eigentumswohnungen wieder für Preise zwischen 3500 und 4000 Euro angeboten werden.

Eine Subventionierung der Kaufpreise lehnt er ab, nicht nur wegen der hohen Beträge, die dafür nötig wären. Aufgabe der öffentlichen Hand sei es, die Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen, nicht aber mit Eigentum.

Selbst das Gallus wird teuer

Die Liste der Stadtteile mit den teuersten Neubauwohnungen führt dieses Mal nicht das Westend an – dort gab es 2017 kaum Verkäufe. An der Spitze liegen die Innenstadt (im Schnitt 6660 Euro pro Quadratmeter) vor dem Europaviertel (6430 Euro) und Sachsenhausen (5550). Selbst im Gallus liegt der Durchschnittspreis mittlerweile bei 5450 Euro. „Hier hatten wir die größten Steigerungen“, sagte Michael Debus, der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Am Riedberg liegt der Mittelwert bei 5150 Euro. Für weniger als 4000 Euro pro Quadratmeter ist eine Neubauwohnung nur noch in Niederrad zu bekommen.

Etwas anders sieht es bei Altbauten aus. Im Nord- und Westend kratzen die mittleren Preis zwar auch in diesem Segment an der 6000-Euro-Marke, doch in Höchst kann man eine Altbauwohnung noch für durchschnittlich 2180 Euro pro Quadratmeter kaufen. „Einige Stadtteile hinken der Entwicklung hinterher, was nicht negativ ist“, sagte Debus. Klassische Reihenhäuser werden in Frankfurt kaum noch gebaut: Nur 38 neue Eigenheime wurden 2017 verkauft. Für ein Reihenmittelhaus muss man inzwischen mit 854 000 Euro kalkulieren, neun Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Debus rechnet damit, dass die Preise für Wohneigentum in den kommenden Jahren weiter steigen. „Vielleicht verlangsamt sich der Anstieg im hochpreisigen Segment etwas.“ Das größte Risiko bestehe darin, dass das mittlere Preissegment komplett wegbricht. „Weite Bevölkerungskreise können dann kein Wohneigentum mehr erwerben“, warnt er. Für diese Gruppe hat Planungsdezernent Mike Josef einen schwachen Trost parat: Die Mieten würden derzeit nicht so stark steigen wie die Kaufpreise.

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