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Heinrich-Kraft-Schule: Wenn Schüler eine Firma gründen

Von Ein Jahr lang hatte die Klasse 9a Zeit, mit ihrer Schülerfirma ein eigenes Produkt zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten. Teil des Projekts ist aber auch, dass sie am Ende des Jahres einen Kassensturz machen und ihre Firma wieder auflösen. Das ist nun geschehen: Trotz Rückschlägen haben sie Gewinn erwirtschaftet.
Tea und Anton (15) mit den von der Klasse 9a verkauften Popsockets. Tea zeigt, wie man damit das Handy halten kann. Foto: Leonhard Hamerski Tea und Anton (15) mit den von der Klasse 9a verkauften Popsockets. Tea zeigt, wie man damit das Handy halten kann.
Fechenheim. 

Fast sehen die kleinen Scheiben aus wie ein überdimensionierter Fingerring. „HKS – Eine Schule für Alle“ steht auf der einen Scheibe, die andere ziert das Bild einer weit entfernten Galaxie. „Popsocket“ heißen die kleinen Ringe, die man sich auf die Rückseite seines Handys kleben kann, um es bequemer und entspannter halten zu können: Den Ring klemmt man dabei zwischen zwei Finger.

Immerhin 456 Euro Gewinn haben die Neuntklässler der Heinrich-Kraft-Schule mit ihrer eigens gegründeten Schülerfirma damit verdient. Das Geld haben sie unter sich aufgeteilt. Jetzt mussten sie die Firma auflösen, so besagen es die Regeln beim Junior-Programm des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln).

Trotz des finanziellen Erfolgs sind die Schüler, die inzwischen die 10. Klasse besuchen, durchaus selbstkritisch. Denn ihre ersten beiden Produktideen, ein Kaugummihalter für Bleistifte und ein Tipp-Ex-Stift mit Ventilator, waren nicht umsetzbar. „Wir wussten nicht, was gut ankommt, denn wir haben vorher keine Marktforschung betrieben“, sagt Julian (16). „Wir haben zu viel Zeit in die beiden ersten Ideen gesteckt, so dass irgendwann die Zeit knapp wurde.“ Auch hätten sie den Aufbau der Schülerfirma zu sehr auf die leichte Schulter genommen, sagt Fatima (16). „Stattdessen haben wir uns auf unsere Klassenarbeiten konzentriert.“

Aufwand unterschätzt

Ihre Klassenlehrerin, Sara Steinhardt, teilt die Selbstkritik der Schüler. „Sie haben den Aufwand, den sie für den Aufbau einer Firma benötigen, anfangs nicht ernst genommen. Wenn die 45 Minuten Unterricht vorbei waren, ging bei ihnen eine Klappe runter. Nachmittags haben sie sich nicht dafür eingesetzt.“ Dabei wäre das eigentlich nötig gewesen.

Eingreifen dürfe sie als Lehrerin nicht, sondern nur versuchen, sie ein wenig anzuleiten, ihnen Tipps zu geben, sagt Steinhardt. Alessandro Azzolino, Schulsozialarbeiter des Vereins Kubi, der das Projekt mit betreute, brachte die Schüler dann dazu, im Dezember sich auch nachmittags mit dem Thema zu befassen. „Ich wollte ja nicht, dass das Projekt scheitert.“

Denn auch die neue Idee, eigene „Popsockets“ herzustellen und zu verkaufen, drohte zu scheitern. Also baten sie das IW, ihnen einen Wirtschaftspaten zu schicken. Daraufhin beriet Raul Don von der Unternehmensberatung Deloitte die Schüler – und schlug vor: Wieso nicht billige Popsockets aus Fernost kaufen und mit eigenen Bildern versehen? Gesagt, getan. „Für die Popsockets haben wir 110 Dollar bezahlt plus 20 Euro Zollgebühren“, erzählt Katharina (15). Die Klebefolien mit dem Schul-Spruch und dem Bild einer Galaxie bekamen sie zum „Freundschaftspreis“ von 20 Euro, sagt Julian. Um Startkapital zu haben, verkauften sie Anteilsscheine für ihre Firma.

Für ihr Produkt warben die Neuntklässler in den Pausen. „Wir haben Plakate gemalt und über die Sprechanlage der Schule unseren Verkaufsstand beim Kulturtag beworben“, sagt Zoi (15). Trotzdem verkauften sie nur 50 ihrer 100 Popsockets. „Vielen waren die fünf Euro einfach zu teuer. Dabei zahlt man im Internet das Doppelte.“

Schöne Erinnerung

„Immerhin haben wir gelernt, wie es ist, eine Firma zu gründen“, sagt Fatima. „Und es ist eine schöne Erinnerung.“ Auch weil es Spaß gemacht habe, sagt Zoi, „man lernt ja auch aus seinen Fehlern.“

Steinhardt würde jederzeit wieder am Junior-Programm teilnehmen, aber nicht mit einer ganzen Klasse. „Es sind immer einzelne Personen, die sich verantwortlich fühlen.“ Oder man müsste in einer Klasse zwei Firmen gründen, damit sich mehrere Kinder ums Projekt kümmern. Dabei fließt die Mitarbeit in der Schülerfirma zu 60 Prozent in die Kursnote mit ein.

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