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Verkehrsforscher fordert radikale Maßnahmen: Weht die Wiener Luft auch in Frankfurt?

Es ist umstritten, ob der Vorstoß von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), den Preis für Einzel- und Tages-Fahrkarten zu senken, Autofahrer zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegt.
Alles schon mal dagewesen: 1995 gab es die Umweltkarte. Foto: Hermann Wygoda Alles schon mal dagewesen: 1995 gab es die Umweltkarte.
Frankfurt. 

Die Österreicher haben es vorgemacht. Für einen Euro pro Tag können Wiener alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Dieser Vergleich gibt ihnen Recht: Die Zahl der verkauften Jahreskarten stieg von 373 000 im Jahr 2011 auf 733 000 im Jahr 2016. Im selben Zeitraum sank der Anteil der Autos am innerstädtischen Verkehr deutlich; was sich in der Ökobilanz gut liest. Nicht annähernd so viel ist darüber zu erfahren, mit wie viel öffentlichem Geld das Bürgerticket subventioniert worden ist.

Dass Frankfurt es den Wienern nachmachen möchte, wäre nun ein wenig zu weit gegriffen. Auch wenn sich die Grünen-Fraktion im Römer durchaus vorstellen kann, das österreichische Modell auf Frankfurt zu übertragen. Doch an eine solche massive Senkung der Abopreise für Monats- oder Jahreskarten haben sich OB Peter Feldmann und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (beide SPD) nicht heranbegeben. Sie hatten am Dienstag mitgeteilt, dass Einzel- und Tagestickets günstiger und ein verbilligtes Seniorenticket angeboten werden sollen. Sie hoffen, die Bürger nehmen das Angebot so gut an, dass es sich selbst trägt – ohne Zuschuss. Wenn nicht, springe die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq in die Bresche.

Branche blickt auf Frankfurt

Was die Güte des Bus- und Bahnangebots angeht, hat Frankfurt Luft nach oben. Das Hamburger Beratungsunternehmen Civity hat für eine Studie in mehr als 50 großen deutschen Städten die Abfahrten aller Busse und Bahnen von allen Haltestellen zusammengezählt und durch die Zahl der Einwohner geteilt: Bonn, Dresden und Würzburg sind dabei die Top-Städte, Frankfurt rangiert hinter Wiesbaden im vorderen Mittelfeld. 23 Prozent der Wege im Stadtgebiet werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Der Frankfurter Ticket-Vorstoß findet auch anderswo Widerhall: Georg Schumacher, Sprecher der Rheinbahn in Düsseldorf, sagte dieser Zeitung, er bezweifle, dass verbilligte Einzel- und Tagestickets eine spürbare Entlastung für den innerstädtischen Verkehr mit sich bringen. Da seien günstige Jahrestickets wie in Wien schon eher erfolgversprechend. „Ich kann mir aber keine deutsche Stadt vorstellen, die diesen Weg beschreitet“, sagte er.

Autofahrer sind beharrlich

Überhaupt: Wenige Autofahrer ließen sich von verbilligten Tickets beeindrucken. Pünktlichkeit, saubere und komfortable Waggons und Service seien schon eher Argumente fürs Umsteigen auf den ÖPNV. Wie schwerfällig Autofahrer sind, hat die Rheinbahn unlängst wieder erfahren: Sie hat Diesel-Haltern ein kostenloses Monatsticket geschenkt, wenn sie ihren Wagen während dieser Zeit nicht anrühren. Drei haben davon Gebrauch gemacht.

Radikale Maßnahmen für saubere Innenstädte fordert Verkehrsforscher Heiner Monheim: In einem Vortrag bei der IHK brachte er 2015 ein verpflichtendes Bürgerticket für alle ins Spiel. Kritiker sprechen von „Zwang“, ihnen hält er vor, es komme ja auch niemand auf die Idee, die Gesundheitskarte als Zwangskarte zu bezeichnen.

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