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Beschuldigte bezichtigen sich: Urteil im S & K-Prozess ist endlich in Sicht

Von Umfassende Geständnisse der beiden Hauptangeklagten im „S & K“-Prozess vor dem Landgericht. Gestern machten Stephan S. und Jonas K. wie angekündigt klar Schiff: Während S. über seinen Verteidiger „die volle Verantwortung für die Vorwürfe“ übernahm, ging Jonas K. sogar noch weiter. Er sei „dumm und gierig“ gewesen und wolle sich bei allen Geschädigten entschuldigen.
Ein Polizeifahrzeug steht am 19. Februar 2013 auf dem Gelände einer Villa der Firmengruppe S & K. Foto: Roland Holschneider (dpa) Ein Polizeifahrzeug steht am 19. Februar 2013 auf dem Gelände einer Villa der Firmengruppe S & K.
Frankfurt. 

An das neue Turbo-Tempo in der Verhandlung um die millionenschweren Untreuevorwürfe im „S & K“-Komplex muss man sich erst noch gewöhnen. Während Jonas K. vor etwa einem Jahr noch Monate dazu benötigte, um sich einzulassen und dann doch kein Unrechtsbewusstsein zu zeigen oder gar ein Geständnis abzulegen, dauerte sein gestern abgegebenes Statement nur knapp 20 Minuten. Es wurden keine weiteren Umschweife gemacht – stattdessen ging der 35-Jährige auch mit sich selbst hart ins Gericht. Immer wieder war von seinem Fehlverhalten die Rede, dass die eigene Dummheit und Gier über die Geschäftsinteressen der Firma gestellt und auch die Verluste der zahllosen Kapitalanleger „rücksichtslos“ in Kauf genommen habe. „Ich möchte mich bei allen Geschädigten dafür entschuldigen“, sagte K. an vier verschiedenen Stellen seines Geständnisses.

Eigene Firma geschädigt

Mehr als vier Jahre habe er nun in der Untersuchungshaft Zeit gehabt, über die Dinge nachzudenken und das Gewesene zu reflektieren – etwas, was er zu „S & K“-Zeiten niemals gemacht habe. Das systematisch mit Lug und Trug arbeitende Geschäftsmodell des Unternehmens bezeichnete er als „schäbig und einfallslos“. Am Ende habe man sogar noch die eigene Firma geschädigt,. Um Millionengeschäfte auf eigenen Namen abzuwickeln und sich damit persönlich zu bereichern.

Stephan S. (37), der im Verlauf der 19 Verhandlungsmonate bislang zumindest offiziell noch kein Wort gesprochen hatte, ließ seinen Verteidiger eine vorbereitete Erklärung verlesen. Auch S. schonte sich und seine Rolle bei den ihm vorgeworfenen Straftaten wenig: Rechtsanwalt Endres bemühte sich noch einmal, die Zahlen und Fakten aus den unterschiedlichen Anlegerfonds genauer aufzudröseln. Wenn zum Beispiel das große „Tristan“-Geschäft mit Bürohochhäusern in ganz Deutschland geklappt und einen Gewinn von 40 Millionen Euro eingespielt hätte, ja dann . . . Am Ende aber stand ebenfalls das pauschale Bekenntnis zur Schuld: „Besonders durch meine Ungeduld und Rücksichtslosigkeit habe ich vielen Menschen großen Schaden zugefügt“, hieß es in der Erklärung. Auch zu seiner Biografie äußerte sich der Angeklagte. Nach dem Hauptschulabschluss kam eine Maurerlehre, danach die Tätigkeit in einem Sonnenstudio. Und das waren bereits die wesentlichen Stationen einer Karriere zum millionenschweren Immobilien-Mogul gewesen. Ansonsten ging es nach dem Motto „Learning by doing aus der Praxis“. Der anwaltliche Rat sei ihm bei seinen Geschäften ebenfalls sehr wichtig gewesen, sagte S., der sich um die Zukunft keine Sorgen zu machen scheint. Nach einer möglichen Haftentlassung wolle er in der Fitness- und Kraftsportszene ankern.

240 Millionen Schaden

Am Vormittag waren vor der Wirtschaftskammer die Ergebnisse der seit Mitte Januar geführten Verständigungsgespräche protokolliert worden. Auch für die beiden Hauptangeklagten, die Haftstrafen zwischen achteinhalb und neuneinhalb Jahren zu erwarten haben, dürfte die weitaus längste Zeit hinter Gittern nach vier Jahren und einem Monat Untersuchungshaft vorüber sein. Man rechnet für die bislang noch nicht vorbelasteten und sich in der Haftanstalt tadellos führenden Hauptangeklagten mit einer Haftentlassung nach zwei Dritteln der verhängten Strafe, also etwa nach sechs Jahren – im Frühjahr 2019. Die drei noch verbliebenen Angeklagten, von denen sich bereits einer geständig eingelassen hat, sollen in der kommenden Woche Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten. Die Strafhöhen für die in der „S & K“-Hierarchie den Hauptangeklagten nachgeordneten Manager sind entsprechend niedriger, aber in Anbetracht des hohen Schadens von rund 240 Millionen Euro noch immer weit von einem bewährungsfähigen Rahmen von bis zu zwei Jahren entfernt.

Nach rund 19 Monaten Prozessdauer, unzähligen scharfen Wortwechseln zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft, lähmenden Verlesungen und Verhandlungspausen ist nun eine einvernehmliche Arbeitsatmosphäre eingekehrt. Unter diesen positiven Voraussetzungen hofft man auf ein Prozessende noch vor den Sommerferien im Juni.

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