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Luminale: Siedlung Am Bügel ins rechte Licht rücken

Noch immer hat die Siedlung Am Bügel im Nieder-Eschbacher Ben-Gurion-Ring mit der Vergangenheit zu kämpfen: Sie war lange ein Brennpunkt. In diesem Jahr ist die Siedlung Teil des diesjährigen Lichtkunst-Festival „Luminale“. Vielleicht hilft das, das Image zu ändern.
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Nieder-Eschbach. 

Als Barbara Steffan vor ein paar Jahren zufällig in einer Stellenanzeige gelesen hatte, dass für die Siedlung Am Bügel im Ben-Gurion-Ring eine Sozialarbeiterin gesucht werde, sprach sie irgendetwas wie magisch an. Obwohl oder gerade weil die Siedlung als sozialer Brennpunkt mit seinen typischen Hochhäusern, dunklen Ecken und hoher Kriminalitätsrate verschrien war, reizte es sie doch ungemein, dort zu arbeiten.

Dass der Ruf des Viertels nicht mit der Wahrnehmung seiner Bewohner und der Realität vor Ort übereinstimmt, stellte Steffan schnell fest, nachdem sie dort im Frühjahr 2016 ihre Stelle als Sozialarbeiterin des Caritasverbandes im Gemeindebüro St. Lioba angetreten hatte.

„Das Stigma des Bügels ist falsch. Die meisten seiner Bewohner fühlen sich dort wohl, leben friedlich zusammen“, findet sie. Weil nur wenige Auswärtige sich an Ort und Stelle ihre eigene Meinung bilden wollen, kam die Sozialarbeiterin auf die Idee, den Bügel über seine Grenzen hinaus erstrahlen zu lassen – als Teil des Lichtkunst-Festivals „Luminale“.

Sobald in Frankfurt ab dem 18. März für sechs Tage die achte Auflage des Lichtkunst-Festivals steigt, soll der ehemalige Brennpunkt im Norden der Mainmetropole ins rechts Licht gerückt werden. „Neun Dunkelorte wie Hauseingänge und Orte im Park wie der dortige Weiher sollen mit Lichtinstallationen erhellt werden. Den Mittelpunkt des Licht-Spektakels am Bügel soll die Kirche St. Lioba bilden“, verrät Steffan.

Einladende Gesten

Auch eine dunkle Grünanlage, die von der U-Bahn-Haltestelle Kalbach Richtung Bügel führt, soll mit Lichtkunst erhellt und verschönert werden. „Ebenso die wenig einladende Ladenzeile am Bügel, wo Lichtskulpturen mit einladenden Gesten installiert werden sollen“, sagt Künstler Jens Schader, der aktuell noch an den Lichtkunstwerken feilt. Er ist auch offen für Anregungen von Anwohnern, die ihm Orte nennen können, die beleuchtet werden könnten.

Der Nieder-Eschbacher Beitrag zur Luminale soll die Aufbruchstimmung im Viertel verdeutlichen: Vor mittlerweile knapp drei Jahren wurde der Bügel in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen. 17 Millionen Euro werden aus einem Fördertopf bereit gestellt, um städtebauliche, soziale und kulturelle Maßnahmen anzukurbeln, die die Lebensqualität und den Ruf des Stadtteils verbessern sollen.

„Licht an! Der Bügel – heller als ihr denkt“ soll der Beitrag zur Luminale heißen, dessen Symbolik aus Sicht von Barbara Steffan erfolgreicher sein könnte, den Ruf der „Golanhöhen“ zu verbessern als Worte. „Vielleicht besuchen den Bügel wegen der Luminale ja nun bald Menschen, die sich ansonsten nicht hier blicken lassen“, hofft die Sozialarbeiterin.

Die Lichtinstallationen am Bügel sind in diesem Jahr wohl der ungewöhnlichste Beitrag zur Luminale. Aber auch weniger berüchtigte Frankfurter Orte werden in ein neues Licht gerückt: Die Fassade der Alten Oper soll zur Projektionsfläche für das Designkollektiv „Karmachina“ werden. Dieses möchte historische Bilder und legendäre Kunstwerke auf das Gebäude projizieren und damit die Geschichte der Alten Oper erzählen.

Ihr Luminale-Debüt feiert auch die Westend-Synagoge. Darmstädter Künstler wollen Tarnmuster auf die Synagoge werfen, um die Architektur des Gebäudes zu verschleiern und zu verfremden. Die Betrachter sollen auf diese Weise dazu angeregt werden, sich der zwischen den Jahren 1908 und 1910 erbauten Synagoge zu nähern und durch ihre Bewegungen selbst Einfluss auf die Lichtspiele zu nehmen.

120 Aktionen geplant

Herzstück des diesjährigen Lichtspektakels soll der sogenannte „Light Walk“ werden. Über eine Länge von 3,5 Kilometern soll er verschiedene Licht-Installationen in der Frankfurter Innenstadt miteinander verbinden. Für die achte Auflage des Festivals sind bereits 120 Aktionen und Projekte in Planung – auch in Frankfurts Nachbarstadt Offenbach.

In den vergangenen Jahren hatte die Frankfurter Luminale meist rund 200 000 Besucher in ihren Ban gezogen. Mehr Informationen zu der Veranstaltung gibt es im Internet unter www.luminale-frankfurt.de.

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