E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 20°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Scharmützel im S & K-Prozess

Von Auch am vierten Verhandlungstag im S & K-Betrugsprozess vor dem Landgericht ging es am Freitag nicht voran. Wann die Verlesung der 1770 Seiten starken Anklageschrift beginnt, ist weiterhin unklar. Stattdessen tauschten die Strafverteidiger und Staatsanwälte wieder reichlich „Liebenswürdigkeiten“ aus.
Frankfurt. 

„Grinsen Sie mich nicht dauernd so an!“, herrschte Strafverteidiger Ulrich Endres den Staatsanwalt Thorsten Haas an. Dieser hatte ihn zuvor auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst: „Wenn Sie auch nur eine der gesetzlichen Vorschriften kennen würden, hätten Sie nicht diesen völlig abwegigen Antrag gestellt.“ Die Scharmützel im S & K-Betrugsprozess vor dem Frankfurter Landgericht gipfelten schließlich in dem Antrag des Rechtsanwaltes, die Leitung der Anklagebehörde solle Haas und seine beiden Kollegen als Sitzungsvertreter ablösen und „durch rechtstreue Kollegen“ ersetzen.

Nerven liegen blank

Ausgangspunkt des Streits war die Absicht der Staatsanwaltschaft, die Anklage so zu verlesen, wie sie ursprünglich formuliert und ans Landgericht geschickt worden war. Die Richter der 28. Großen Strafkammer hatten das Papier nicht eins zu eins durchgewinkt, sondern hier und da kleine Verbesserungen und Streichungen gemacht, um die gesetzlich vorgeschriebene Informationsfunktion der Anklage sicherzustellen.

Gegen den Eröffnungsbeschluss mit Änderungen hatte die Staatsanwaltschaft jedoch Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt, über die bislang aber noch nicht entschieden wurde.

Was also tun? Während sich die Verteidiger der sechs Angeklagten mächtig aufregten, weil sich die Anklagevertreter mit der Verlesung des ursprünglichen Textes aus ihrer Sicht „nicht gesetzmäßig verhalten“, wiegelte Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann ab: Es seien ja nur „marginale“ Teile modifiziert worden, am äußeren Lebenssachverhalt habe sich nichts geändert.

Als Hohmann darauf hinwies, dass man aufgrund des „Beschleunigungsgrundsatzes“ nicht bis zur Entscheidung des OLG warten könne, brachen wieder Tumulte auf Seiten der Angeklagten und ihrer Verteidiger aus. Diesmal meldete sich sogar einer der Mitangeklagten zu Wort: „Mein fünfjähriger Sohn wünschte sich unlängst einen neuen Vater. Der alte sei ja sowieso nie da“, sagte der 49-jährige Hamburger. Die seit zwei Jahren und sieben Monaten andauernde Untersuchungshaft nagt offenbar am Nervenkostüm der Angeklagten.

Abgelehnte Anträge

Das Gericht wies eine Reihe von Anträgen der Verteidiger zurück: Die Wirtschaftsstrafkammer sei zuständig und mit den richtigen, gesetzlichen Richtern besetzt, befand sie. Einen Anlass auf Aussetzung sah sie nicht.

In dieser Woche wird wieder drei Mal verhandelt. Ob dann mit der Verlesung der 1770 Seiten starken Anklageschrift begonnen wird, ist noch völlig unklar. Aber selbst wenn es so ist, wird es noch länger dauern, bis Einlassungen erfolgen oder Zeugen befragt werden können: Die Anklageverlesung wird sich über viele Tage hinziehen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen