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Smartphone-App: Polizei will mit Smartphone-App mehr Falschparker erwischen

Wiesbaden bekommt vielleicht bald die sogenannte Knöllchen-App: Jeder Smartphone-Besitzer kann mit dieser Anwendung falsch geparkte Fahrzeuge fotografieren und den Verstoß direkt ans Ordnungsamt melden. In Frankfurt wird die App erst einmal nicht kommen. Verärgerte Anwohner haben indes andere Möglichkeiten.
Foto: Leonhard-Hamerski
Frankfurt. 

12,7 Millionen Euro Strafe haben Falschparker im vergangenen Jahr an die Stadt Frankfurt bezahlt. Die meisten wurden von den knapp 90 Mitarbeitern der Stadt erwischt. Doch 22 000 Anzeigen, etwa 2,8 Prozent, kamen 2017 von Privatpersonen. 2016 waren es noch 3,1 Prozent.

Um es den Bürgern künftig einfacher zu machen, Parksünder anzuzeigen, will Wiesbaden neue Wege gehen: Auf Antrag von CDU, SPD und den Grünen prüft der Magistrat, ob es sich lohnt, eine Knöllchen-App einzuführen. Mit dieser Smartphone-App könnten Bürger, die ein falsch geparktes Auto sehen, ein Foto samt Anzeige direkt ans Ordnungsamt weiterleiten. Das wäre deshalb so einfach, weil die App auf der Software basiert, mit der die Ordnungsämter sowieso schon arbeiten. Die Antwort des Magistrats steht noch aus.

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Kontra: Die Gesellschaft wird gespalten

Dass die Stadt Wiesbaden über eine Knöllchen-App nachdenkt, ist gleich auf zwei Arten dreist. Erstens verschärft diese App ein gesellschaftliches Klima, das sowieso schon ungut ist:

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Pro: Falschparken ist kein Kavaliersdelikt

Rund 3700 Straßen gibt es in Frankfurt, gut 200 Mitarbeiter hat die Abteilung Verkehrsüberwachung. Dass diese wenigen Stadtpolizisten es nicht schaffen, jeden Tag jede Straße in Frankfurt zu kontrollieren ist klar.

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„Nicht vorpreschen“

In Frankfurt wird diese App erst einmal nicht kommen. „Wir warten die Wiesbadener Erfahrungen ab“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Nicht gleich nach vorne zu preschen sei die vernünftigere Variante.

Dennoch haben Frankfurter, die sich über Falschparker ärgern, verschiedene Möglichkeiten, der Verkehrspolizei unter die Arme zu greifen: Auf der Homepage des Ordnungsamts kann man ein Formular zur „Anzeige einer Verkehrsordnungswidrigkeit“ herunterladen.

Und dann gibt es noch die kostenlose App „Wegeheld“. Im Unterschied zur Knöllchen-App in Wiesbaden, die über öffentliche Server laufen würde, ist „Wegeheld“ in privater Hand: Der ehemalige Greenpeace-Aktivist Heinrich Strößenreuther hat die App entwickelt, seit 2014 gibt sie ihren Nutzern die Möglichkeit, Fotos von Verkehrssündern mit verpixelten Kennzeichen ins Internet zu laden oder unverpixelt ans Ordnungsamt zu schicken. Allerdings nicht direkt: Die App generiert eine E-Mail, die dem Nutzer samt Hinweis auf die E-Mail-Adresse des nächstgelegenen Ordnungsamts ins E-Mail-Postfach geschickt wird. Dieser muss sie dann noch manuell absenden.

Da nicht statistisch erfasst wird, auf welche Art private Anzeigen eingehen, weiß das Frankfurter Ordnungsamt nicht, wie viele Frankfurter „Wegeheld“ nutzen. Matthias Engel, Ordnungsdezernent von Mönchengladbach, kann das für seine Stadt aber recht genau sagen: Durchschnittlich 80 Anzeigen gehen monatlich über die App ein – Tendenz steigend. „Das ist im Vergleich zur Gesamtknöllchenzahl sehr gering, aber dennoch eine nette Ergänzung“, sagt Engel. Und sei auch durchaus sinnvoll: „Die Frage ist doch, ob wir als Gesellschaft tolerieren wollen, dass Einzelne Menschenleben gefährden, wenn sie etwa so parken, dass man Kinder übersieht. Ich denke, wir sollten uns nicht von einer Minderheit und ihrem asozialen Verhalten dominieren lassen.“ Das von Kritikern geprägte Wort „Denunzianten-App“ hält Engel deshalb für fehl am Platz.

Egal, auf welche Weise Bürger Parksünder melden, eines bleibt immer gleich: Weil ein Zeuge den Parkverstoß bestätigen muss, muss der Anzeigensteller Familienname und Wohnort angeben. Anonyme Anzeigen sind also weder beim Formular noch in den beiden Apps möglich. Unter Umständen könne der Fahrzeughalter also Rückschlüsse auf denjenigen ziehen, der ihn gemeldet hat, sagt Michael Jenisch vom Ordnungsamt.

Über Rache nichts bekannt

Die meisten schrecke das aber nicht ab: Es gebe durchaus Frankfurter, „die mehr als nur einmalig oder ganz gelegentlich Verkehrsverstöße in ihrer Umgebung zur Anzeige bringen, sondern etwas strukturierter vorgehen“, sagt Jenisch. Wie viele Menschen genau das sind und wie oft sie jeweils Parksünder melden, werde aber nicht eigens ausgewertet. Nachteile für couragierte Bürger sieht Jenisch nicht: „Über ,Vergeltungsmaßnahmen‘ ist uns noch nichts bekannt.“

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