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Deutsche Pop Akademie sitzt in Fechenheim: Künftige Pop-Spezialisten lernen in Frankfurt

Von Tonmeister war früher, heute gibt es Audio Designer, Audio Engineer, Audio Produzent oder den Music Technology Specialist. So wie diese haben sich viele Berufsbilder rund um die Pop-Branche stark verändert. Unterrichtet werden sie unter anderem bei der „Deutschen Pop Akademie“ in Frankfurt.
Florian Baum im Foyer der Deutschen Pop Akademie in der Dieselstraße Foto: Heike Lyding Florian Baum im Foyer der Deutschen Pop Akademie in der Dieselstraße
Fechenheim. 

Nein, ohne Belichtungsmesser geht es auch im Zeitalter der digitalen Fotografie nicht bei Kursleiter To Kühne. Eine einfache, große Styroporplatte reflektiert das Licht des Scheinwerfers auf das Gesicht von Lars Lambrecht, während Mic Horch die benötigte Blende bei einer 125stel Sekunde Belichtung und einer Lichtempfindlichkeit von 640 Iso misst. „Vier“, liest die Studentin vom Gerät ab und Kühne ist zufrieden: Der Wert passt. „Rund 80 Prozent ihrer Zeit verbringen Fotografen heute am Rechner. Aber ich lege immer noch viel Wert darauf, dass die Studenten auch analog fotografieren. Dabei muss man akribischer arbeiten.“

Einmal pro Woche sind die Drittsemester des Foto-Designer-Kurses im Fotostudio der Deutschen Pop Akademie. Bunt gemischt ist die kleine Gruppe, so wie in vielen Kursen der 2012 eröffneten Frankfurter Zweigstelle der Akademie in der Dieselstraße 30: Lars Lambrecht ist Schlosser und Monteur, Mic Horch ist Grafikerin, der dritte im Bunde ist der Kommunikationsexperte Michael Förster.

To Kühne (Mitte) im Fotostudio der Akademie mit den Studenten Lars Labrecht (von links), Mic Horch und Michael Förster Bild-Zoom Foto: Heike Lyding
To Kühne (Mitte) im Fotostudio der Akademie mit den Studenten Lars Labrecht (von links), Mic Horch und Michael Förster

Mit Musik hat das Kursangebot der außergewöhnlichen Akademie nicht mehr viel zu tun – und doch ist der Name Programm, erklärt der Frankfurter Akademie-Leiter, Florian Baum (37): „Er steht für die Pop-Kultur, für Pop-Musik, für populäre Berufe in den Medien.“ Entstanden sei sie vor zwölf Jahren in München, wo sie sich aus dem Tonstudio des Geschäftsführers Rüdiger Veitu entwickelte.

Heute gibt es zwölf Standorte in Deutschland, je einen in Wien und Amsterdam. Am Anfang stand die Notwendigkeit, dass man nach der Aufnahme daraus eine Platte oder CD machen muss, dass man für sie Cover, Werbemittel, Poster und anderes designen und sie dann vermarkten muss. „Die Idee ist, Berufe aus der Medienbranche gezielt auszubilden.“

Berufe verändern sich

Dabei haben sich die Berufsbilder der Musik-, aber auch anderer kreativer Branchen in den vergangenen zehn, 15 Jahren stark verändert, sagt Baum – und führt sich selbst als Beispiel an. „Seit meiner Kindheit mache ich Musik, spielte lange Zeit als Schlagzeuger. Ich wollte beruflich unbedingt etwas mit Musik machen.“ Bei EMI in Köln, „damals eines der fünf großen Musik-Labels“, machte er eine Ausbildung zum Medienkaufmann. Später war er Produktmanager bei EMI in Wien, betreute Stars wie Cold Play oder Lenny Kravitz.

„Im ersten Gespräch bei EMI fragte ich: Was sagt ihr zu Musik als MP3-Datei? Sie antworteten, sie setzen auf die CD und überlegten, wie sie Tauschbörsen wie Napster unterwandern könnten.“ Die Folge: Die großen Plattenfirmen verpassten den Sprung ins Internetzeitaltern, nur Universal und Sonymusic überlebten – während Apple und andere neue Firmen das Geschäft mit Musik-Downloads aufzogen.

Mit der Technik änderte sich auch das Berufsbild des früheren Tonmeisters, erklärt Baum. Die Deutsche Pop Akademie bietet heute Ausbildungen zum Audio Designer, Audio Engineer oder Audio Produzent an. Der Bachelor-Studiengang heißt „Music Technology Specialist“. „Heute geht es primär um den Umgang mit Klangerzeugern und Tonmodulen, damit etwas so klingt, wie man sich das vorstellt. Musik gibt es überall, vom Radio-Jingle über Filmmusik bis zur Warteschleife eines Callcenters.“

Auch das Marketing hat sich verändert. Es gibt den Bachelor-Studiengang Music Management sowie Ausbildungen zum Event-, Marketing- oder Medienmanager. „Wir sprechen in der Ausbildung immer noch über Werbung in Printmedien, Fernsehen, Radio und Online. Wir selbst aber werben für uns nur noch online, in sozialen Medien oder Branchenpublikationen.“ Andere Kursthemen sind komplett neu, etwa „Games Designer“ oder die Modekurse, für die extra ein Raum mit einem Dutzend Nähmaschinen ausgestattet wurde.

Altes Handwerkszeug

Manches ist aber immer noch klassisches Handwerk, so wie bei To Kühne. In seinem Tontechnik-Kurs erklärt Farid Ayoub die Fourier-Analyse und Fourier-Transformation, die auf den französischen Mathematiker Jean Baptiste Joseph Fourier (1768-1830) zurückgehen. Sie dienen unter anderem dazu, aus sinusförmigen Tönen eine Rechteckwelle zu schaffen, um elektronisch bestimmte Instrumente nachzuahmen. Neben dem eigentlichen Studium sei eine gute Vernetzung wichtig für die Studenten, sagt Baum. „Wir haben viele Seiteneinsteiger, die Studenten sind bunt gemischt. Und alle Dozenten haben durch ihre Arbeit, weil sie alle in den Bereichen tätig sind, die sie unterrichten, vielfältige Kontakte.“ Und gute Kontakte seien wichtig, um in einer Branche Fuß zu fassen, in der Festanstellungen nicht die Regel seien. Kontakte und Erfahrung sammeln die Studenten bei eigenen Projekten. Etwa wenn sie als Semesterarbeit selbständig eine Aufnahme im Studio der Akademie machen müssen. „Die Band dafür müssen sie sich selbst suchen.“

 

Infos über die Deutsche Pop gibt es im Internet unter

deutsche-pop.com/de .

 

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