E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 20°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Prozess in Frankfurt: Gerichtspräsident kündigt S & K-Prozess an

Noch in diesem Jahr wird möglicherweise der Prozess gegen die Verantwortlichen der Betrugsfirma S & K vor dem Landgericht Frankfurt beginnen. Bis September sollen die Richter über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die beiden Geschäftsführer und fünf weitere Beschuldigte entscheiden.
Gerichtspräsident Scheuer geht Ende November in den Ruhestand. Foto: Rainer Rüffer Gerichtspräsident Scheuer geht Ende November in den Ruhestand.
Frankfurt. 

Geht es nach dem seit acht Jahren amtierenden Chef des Landgerichts Frankfurt, Klaus Scheuer, würde er wohl selbst noch gerne den Beginn eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Nachkriegszeit in Hessen im Dienst erleben. Doch der Gerichtspräsident gab gestern seine letzte Pressekonferenz. „Wir haben die Richter der 29. Großen Strafkammer von allen anderen Aufgaben freigestellt. Sie kümmern sich ausschließlich um S & K“, sagte Scheuer, der am 30. November in den Ruhestand geht.

Nach wie vor stellen sich viele bei Gericht die Frage, wie die Beteiligten denn mit einer 3150 Seiten starken Anklageschrift umzugehen gedenken. Zumindest der rund 1800 Seiten starke Anklagesatz muss in öffentlicher Sitzung verlesen werden. So will es die Strafprozessordnung, die allerdings, so Gerichtssprecher Werner Gröschel, „in ihrem Kern aus dem vorvergangenen Jahrhundert stammt“. Damals habe es noch kein S & K gegeben und noch keine große Wirtschaftskriminalität.

Das Mammut-Verfahren mit einem Schadensvolumen von rund 240 Millionen Euro krönt gewissermaßen aber nur einen Berg weiterer umfangreicher und aktenschwerer Wirtschaftsstrafsachen.

Eine weitere Spezialkammer brütet derzeit über einem Verfahren gegen acht Angeklagte, bei dem die Anklageschrift immerhin 765 Seiten umfasst – im Vergleich zu S & K eine recht kompakte Angelegenheit, deren Verlesung aber ebenfalls mehrere Verhandlungstage in Anspruch nehmen dürfte. Hier geht es um den Betrug mit vorgeblich kostenfreien Dienstleistungen im Internet. Mit einem leichtfertigen Knopfdruck schlossen die Geschädigten dubiose Dienstleistungs-abonnements ohne ihren Willen – 25 524 Leute zahlten Entgelte von insgesamt 2,1 Millionen Euro.

Dass es nicht immer die gestiegenen absoluten Zahlen der eingehenden Strafverfahren sind, die dem Gerichtspräsidenten Sorgenfalten entstehen lassen, zeigt der Blick auf die Entwicklung der beiden Schwurgerichtskammern. Die Eingangszahlen blieben 2013 und 2014 zwar relativ konstant: Gleichwohl verlängerte sich die Prozessdauer von ursprünglich neuneinhalb Monaten auf jetzt ein Jahr und einen Monat. Präsident Scheuer sieht die Ursachen für diese Verzögerung im Anstieg der Nebenkläger sowie dem zusätzlichen Bedarf an Dolmetschern.

Entwarnung meldeten die Berufungskammern, die neben gesunkenen Eingangszahlen auch eine Verkürzung der Verfahren auf fünf Monate zu verzeichnen hatten. Fast unverändert hoch war die Zahl der Gerichtsbesucher mit Waffen. In 10 125 Fällen – 10 272 waren es im Vorjahr 2013 – mussten „sicherheitsrelevante Gegenstände“ an der Pforte vorübergehend abgegeben werden, die 4182 Messer bildeten dabei die größte Einzelgruppe.

(ge)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen