Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Barrieren lauern überall: Gehbehinderte haben in Nieder-Eschbach vielerlei Probleme

Von Treppen vor einer Arztpraxis und im Rathaus, altes Kopfsteinpflaster und fehlende Treppengeländer – an vielen Ecken in Nieder-Eschbach bekommen Menschen mit Gehbehinderungen oder Eltern mit Kinderwagen Probleme. Der VdK-Ortsverband hat die Stolperfallen bei einem Rundgang in den Fokus gerückt.
Geschafft: Mit großer Kraftanstrengung hat Marion Amtsstetter ihren Mann Walter im Rollstuhl über das unebene Kopfsteinpflaster manövriert. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Geschafft: Mit großer Kraftanstrengung hat Marion Amtsstetter ihren Mann Walter im Rollstuhl über das unebene Kopfsteinpflaster manövriert.
Nieder-Eschbach. 

Marion Amtsstetter muss viel Kraft aufbringen, um ihren Mann Walter im Rollstuhl sicher über das Kopfsteinpflaster zu manövrieren. Für den 72-Jährigen ist die Fahrt sehr unruhig, ständige ruckelt und wackelt es. Derweil versucht seine Frau die Unebenheiten auszubalancieren. Immer wieder muss sie gegenlenken, damit der Rollstuhl nicht umkippt. Auch wenn das Kopfsteinpflaster auf den ersten Blick schön aussieht – für das Ehepaar und viele andere Menschen ist es eine echte Stolperfalle.

„Das Kopfsteinpflaster ist nur eines von mehreren dieser Probleme im Stadtteil. Viele öffentliche Gebäude sind für gehbehinderte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen ohne fremde Hilfe nicht zugänglich. Auf diese Schwachstellen wollen wir hinweisen und hoffen, dass dort etwas getan wird“, erklärt Otto Pühl, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Nieder-Eschbach bei einem Rundgang durch den Stadtteil. Der ist Teil der „Weg mit den Barrieren“-Aktionswochen, die landesweit stattfinden. 700 Mitglieder zählt der Ortsverband, im Durchschnitt 62 Jahre alt. Einige von ihnen sind beim Rundgang dabei, ebenso wie Vertreter des Ortsbeirates.

Bereits 2009 hatte sich der Nieder-Eschbacher Ortsverband ein Bild von den Zuständen in seinem Bezirk gemacht. Viel getan hat sich seitdem nicht. So gibt es vor dem Bürgeramt in der „Deuil-La-Barre-Straße“ immer noch eine Stufe. „Dort eine kleine Rampe anzubringen, ist wirklich kein Problem“, sagt Pühl und zeigt auf die zehn Zentimeter hohe Stufe. „Das ist schnell gemacht“, ist er sicher. Aber auch wenn es die Stufe vor dem Amt nicht mehr gäbe, das nächste Hindernis wartet direkt nach der Eingangstür: Treppenstufen. Zwar heißt es den gehbehinderten Menschen werde geholfen, wenn sie klingeln. Doch auf das mehrfache Schellen an diesem Nachmittag gibt es keine Reaktion.

Enge Bürgersteige

„Das sind doch alles nur leere Versprechungen“, sagt Stadträtin und Vorsitzende des Seniorenbeirats Renate Sterzel. Barrieren und Hindernisse sieht sie aber noch an ganz anderen Ecken des Stadtteils, vor allem in Alt-Nieder-Eschbach. „Die Bürgersteige dort sind oft so schmal, dass ein Rollator keinen Platz findet. Darüber ärgere ich mich jedes Mal aufs Neue“, sagt die Nieder-Eschbacherin.

Die schmalen Bürgersteige findet Ruth Klein auch ärgerlich. Allerdings ist sie mehr geplagt durch die Treppenstufen vor Gebäuden, wie der Post. „Für mich ist es schwer, dort alleine einen Brief hinzubringen. Wenn ich nicht die Hilfe meiner Söhne hätte, wäre ich verloren“, erzählt die 83-Jährige. Auch die Stufen vor den Arztpraxen machen ihr Probleme – zwei Allgemeinmediziner gibt es im Stadtteil. Beide sind nur über eine Treppe erreichbar.

Wie man einen Eingang auch barrierefrei gestalten kann, zeigt die Rampe an der Volksbank-Filiale in der „Deuil-La-Barre-Straße“. „Die wurde nachträglich eingebaut, weil manche Kunden mit den Stufen Probleme hatten“, erklärt Otto Pühl. Ebenso wie bei der Trattoria auf der gegenüberliegenden Straßenseite – auch dort wurde vom Besitzer ein barrierefreier Zugang ermöglicht.

Aufzug am Stadion

„Wir wollen durch unseren Rundgang niemanden anprangern, sondern nur zeigen, wo es klemmt und was verbessert werden kann“, betont Pühl. Schließlich habe das vor sieben Jahren auch schon Erfolg gehabt. Am Sportplatz wurde ein Aufzug an der Zuschauertribüne installiert und der Friedhof bekam eine barrierefreie Toilette. „Es geht doch“, so der VdK-Vorsitzende.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse