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Überprüfung: Frankfurts Brücken genau im Blick

Gut 50 000 Autos fahren Tag für Tag über die Friedensbrücke, außerdem im Schnitt alle ein bis zwei Minuten eine Straßenbahn. Ein großes Verkehrspensum – deshalb tut die Stadt einiges dafür, dass die Brücke weiterhin in einem guten Zustand bleibt.
Vermessungsingenieur Enno Braune (47) ist für das Stadtvermessungsamt im Einsatz. Foto: Leonhard Hamerski Vermessungsingenieur Enno Braune (47) ist für das Stadtvermessungsamt im Einsatz.
Frankfurt. 

Die Friedensbrücke, da musste sich sogar das Büro von Stadtrat Mike Josef (SPD) kurz beraten, das ist die Brücke, die den Baseler Platz im Gutleutviertel mit der Stresemannallee in Sachsenhausen verbindet.

Am Mittwoch war ein sechs Mann starkes Team im Einsatz, um die Brücke mit allen Raffinessen der modernen Technik zu vermessen. Genauso erging es in den vergangenen Tagen dem Arthur-von-Weinberg-Steg, der Ignatz-Bubis-Brücke, der Flößerbrücke und der Untermainbrücke. Morgen ist der Eiserne Steg dran.

Keine Sanierung geplant

Einen konkreten Verdacht oder gar eine Gefahr gibt es nicht. Im Gegenteil: Die 1995 neu gebaute Friedensbrücke weise einen „ihrem Alter entsprechenden guten Bauwerkszustand auf“, heißt es aus dem städtischen Amt für Straßenbau und Erschließung. Aktuell seien keine größeren Instandhaltungsarbeiten erforderlich und es gebe auch keine Planungen für Arbeiten in nächster Zeit, die über die übliche Unterhaltungspflege hinausgehen.

Die Vermessungen sind notwendige Routinearbeiten: Wenn ein Schiff aus Versehen gegen einen Brückenpfeiler fährt – was in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Frankfurt laut der Erinnerung von Stadtrat Josef nicht passiert ist –, dann braucht man eine sogenannte Nullmessung als Verhandlungsgrundlage, um zu ermitteln, wie groß der tatsächliche Schaden ist.

Einen Stand Null also, und der wurde am Mittwoch ermittelt. Mithilfe eines terrestrischen 3D-Laserscanners („Achtung, besser nicht direkt in den Scanner gucken!“) wurden die Brückenpfeiler vermessen. Der Vorteil beim Einsatz dieses Instruments ist: Die Mitarbeiter können die Flächen der Brücken berührungslos erfassen und damit eine genaue Modellierung der Pfeilerebenen skizzieren und jeden beliebigen Pfeilerbereich auswerten.

Johannes Kaiser ist der Chef-Vermesser. Er hat an der Universität in Bonn die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche studiert, kurz: Geodäsie. Der Vermessungsingenieur hatte schon in jungen Jahren immer Interesse an einem Job im Außendienst, der zugleich einen Bezug zur Geografie und zur Erde hat. Während allerdings zu seiner Zeit gute Jobs noch Mangelware waren, herrscht heute wie fast überall Fachkräftemangel.

Das Team von Kaiser besteht aus Vermessungstechnikern, Messassistenten und zwei Auszubildenden der Stadt. Die Messungen erfolgen an beiden Seiten des Mainufers gleichzeitig. Sie haben eine Genauigkeit von unter einem Zentimeter. Die Folgemessungen werden unabhängig von einem möglichen Schadensfall alle sechs Jahre durchgeführt. Neben dem Aufprall eines Schiffes könnte auch ein Jahrhundert-Hochwasser für nachhaltige Schäden an den Brückenpfeilern sorgen – und auch hier will die Stadt auf Nummer sicher gehen und den Status quo dokumentiert haben.

Rückschlüsse auf Schäden

Stadtrat Josef, als Planungsdezernent auch für das Stadtvermessungsamt zuständig, sah den Arbeiten und der damit verbundenen Technik staunend zu. „Die Messergebnisse sollen insbesondere eine Aussage über die Größe des Schadens erlauben beziehungsweise Rückschlüsse auf die Schädigung und Standsicherheit der Brückenpfeiler ermöglichen.“ So könnten bei regelmäßigen Folgemessungen auch Verschiebungen, Schiefstellungen und Deformationen festgestellt werden.

Natürlich hat die punktgenaue Dokumentation aber auch etwas zu tun mit versicherungsrechtlichen Fragen; könnten sich betroffene Reedereien im Falle eines Aufpralls doch sonst in der Massivität der Schäden herausreden.

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