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Gleichstellung: Frankfurt braucht mehr Chefinnen

Von Männer und Frauen trennen nach wie vor Tätigkeiten, Positionen und Gehalt – im öffentlichen Dienst sollen sie aber bis 2025 auch auf der Führungsebene gleichgestellt sein. Darauf haben sich SPD und CDU in ihren Sondierungsgesprächen geeinigt. In der Stadt Frankfurt müsste sich da noch einiges ändern.
Stellt man Ampelmännchen und -frauchen gleich auf eine Ebene, stellen sich die zwei entscheidenden Fragen weiterhin: Begrüßt er sie da mit offenen Armen? Oder versperrt er ihr den Weg? Foto: dpa (dpa) Stellt man Ampelmännchen und -frauchen gleich auf eine Ebene, stellen sich die zwei entscheidenden Fragen weiterhin: Begrüßt er sie da mit offenen Armen? Oder versperrt er ihr den Weg?
Frankfurt. 

Frankfurts Stadtverwaltung wird immer weiblicher: Der Frauenanteil unter den Beschäftigten der Stadt liegt inzwischen bei 53,8 Prozent. So weist es die Kämmerei für den Stichtag 30. Juni 2017 aus und zeigt damit auf der weiblichen Seite einen Anstieg um 0,35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf.

Das sieht im Sinne der Gleichstellung nach guten Zahlen und einem mehr als überzeugenden Trend aus. Doch der Eindruck täuscht: In den Führungspositionen und höchsten Gehaltsgruppen dominieren nach wie vor die Männer, die Anteile verschieben sich von Jahr zu Jahr nur gering.

Politik mit Traumquoten

Dabei sind die Vorgaben auch ohne neue Beschlüsse aus Berlin klar: Das Hessische Gleichstellungsgesetz fordert in allen Gehaltsgruppen einen Frauenanteil von 51 Prozent – bislang noch ohne zeitlichen Rahmen. Das könnte mit dem in Berlin gesteckten Datum 2025 anders werden. Bis dahin müsste die Stadt Frankfurt noch allerlei Amtsleiter- und Abteilungsleiterstellen neu und vor allem mit Frauen besetzen: Aktuell führen 22 Frauen ein städtisches Amt und 30 Männer. In den obersten Gehaltsgruppen B 2 (ca 90 000 Euro Jahres-Brutto) bis A 13 (ca. 50 000 Euro Jahres-Brutto) liegt die Quote der Beamtinnen bislang nur bei 41,86 Prozent und fällt dabei zur Spitze hin auf ein Drittel ab. Bei den angestellten Führungskräften sieht es besser aus: 50,9 Prozent sind Gutverdienerinnen.

Auch abseits der Gehaltsgruppen und Chefposten ist die Frankfurter Stadtverwaltung ein Ort voller typischer Frauenberufe und -themen sowie echter Männerwelten:

  Wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, sind es auch dort die Frauen, die sich um die Kinder kümmern: So waren im Sommer 220 Mitarbeiter in Elternzeit – darunter ganze zwölf Väter. Ganz besonders unabkömmlich sind offenbar die Beamten im städtischen Dienst: Unter ihnen gönnten sich zwischen Juli 2016 und Juni 2017 maximal drei Kollegen eine Auszeit zur Betreuung der Kinder.

  Ähnlich sind die Quoten, wenn es um die Pflege von Familienangehörigen geht: 52 Mitarbeiter baten deshalb um eine längere Beurlaubung – darunter fünf Männer.

  Auch die Teilzeitquote entspricht der Ungleichverteilung der Republik: Von den 52 Amtsleitern und 183 Abteilungsleitern, die auf den Gehalts- und Soldlisten der Stadt stehen, arbeiten insgesamt 27 in Teilzeit: 5 Männer und 22 Frauen.

  Einen Telearbeitsplatz, auch Homeoffice genannt, haben 149 Beschäftigte: Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen steht bei 109:40.

  Noch mehr Klischees bestätigen sich beim Blick auf die Fortbildung: Frauen scheinen wissbegieriger zu sein. Von den insgesamt 16 843 gewährten Fortbildungen entfallen knapp 60 Prozent (9752) auf Teilnehmerinnen. Interessant dabei: Zum Thema Frauenförderung ließen sich 186 Frauen und kein einziger Mann fortbilden, an Bürger- und Serviceorientierung waren 712 Frauen, aber nur 302 Männer interessiert, während beim Thema Personalentwicklung, IT und Effektive Verwaltung das Interesse etwa gleich steht.

Nichts Neues bei Azubis

  Ähnlich geschlechtertypisch verteilen sich die Auszubildenden auf die städtischen Ämter: Tierpflegerin wollen sechs Frauen und ein Mann werden, zur Kauffrau für Büromanagement werden derzeit 28 weibliche und 12 männliche Azubis und als angehende medizinische Fachangestellte stehen exakt fünf Frauen und null Männer auf der Liste. Der Garten- und Landschaftsbau (3 Frauen, 14 Männer), der Stadtforst (0:3) und die Informatik (7:34) sind hingegen klare Männerdomänen.

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