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Natur: Frankfurt: Taubenhaus soll 250 Tauben ein Zuhause bieten

Rund 4500 Tauben gibt es in Frankfurt und die nerven vor allem wegen ihrer Hinterlassenschaften. Auch im Parkhaus am Gericht waren die Tiere ein Problem. Um es zu lösen, hat der Betreiber ein Taubenhaus eingerichtet. Es ist das dritte in Frankfurt.
Alles, was die Taube begehrt: Nistplätze, Sitzstangen an der Decke und Getreidekörner für alle. So entsteht ein bequemer Ort zum Brüten – und für Eierdiebe. Foto: Leonhard Hamerski Alles, was die Taube begehrt: Nistplätze, Sitzstangen an der Decke und Getreidekörner für alle. So entsteht ein bequemer Ort zum Brüten – und für Eierdiebe.
Innenstadt. 

Dort oben im siebten Stock des Parkhauses im Gerichtsviertel, hinter den schmalen Fenstern gibt es Wasser, Futter und Nistplätze. Das haben die Tauben offenbar schon mitbekommen. Durch den ganzen Raum haben die Tiere das Getreidegemisch verteilt. In der Mitte des sechs Quadratmeter großen Bretterverschlags stehen die zwei gut gefüllten, runden Futterschalen. Es ist ein Haus für Tauben. Das dritte in Frankfurt.

Gudrun Stürmer hält eine verletzte Taube in ihren Händen. Foto: Christophe Braun
Tierschutz Was Frankfurt den Tauben schuldig ist

Krankheiten, Misshandlungen, Hunger: Viele Tauben in Frankfurt verwahrlosen. Die Mitarbeiter des Stadttaubenprojekts pflegen sie auf einem Gnadenhof in Oberrad. Sie sagen: Damit die Situation der Vögel sich wirklich bessert, muss sich die ganze Stadt verändern.

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Die anderen beiden stehen zum einen am Westbahnhof und zum anderen an der Hauptwache. Etwa 4500 Tauben leben im ganzen Stadtgebiet. In dem neuen Taubenhaus an der Klapperfeldstraße gibt es Platz für 250 Tiere. Im Umkreis von 500 Meter werde es wohl die Tiere anziehen und konzentrieren, schätzt Gudrun Stürmer. An der nahen Konstablerwache könnte die Taubenpräsenz also spürbar abnehmen. Stürmer ist die erste Vorsitzende des Frankfurter Stadttaubenprojekts. Seit 1982 engagiert sie sich ehrenamtlich für die Tauben.

Paradoxe Grundidee

Es sei die scheinbar paradoxe Grundidee von Taubenhäusern, die sich der Öffentlichkeit so schwer vermitteln lässt, sagt sie, als gestern das neue Taubenhaus eröffnet wurde. „Man muss den Vögeln erst einmal etwas Gutes tun, wenn man verhindern will, dass sie sich zügellos vermehren.“

Besser als Brotreste

Das Körnergemisch in den Schalen etwa ist eine deutlich bessere Nahrung für Tauben, verglichen mit den Krümeln, die sie auf der Straße finden, oder den Brotresten, mit denen sie mancher aus fehlgeleiteter Tierliebe noch füttert. Fehlgeleitet, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), erstens, weil Brot den Tieren nicht gut bekomme. Zweitens gebe es eben das Fütterungsverbot, um die Populationen besser regulieren zu können und so das elende Straßenleben der Tiere zu verbessern.

Es geht aber auch und an erster Stelle um die Menschen. In dem Parkhaus am Gericht waren die Tauben ein massives Problem. Schließlich stellt man ja nur ungern sein Auto dort ab, wo Vögel ihr „Geschäft“ herabstürzen lassen. Mit dem Taubenhaus sollen sich die Vögel samt ihres Drecks an einer Stelle konzentrieren. Das schont nicht nur den Autolack. Der Unrat lässt sich so auch leichter entfernen.

10 Gründe für Stadttauben Warum Tauben doch besser sind, als alle denken

Ja, sie machen Dreck. Und ja, sie können nerven. Trotzdem gehören die Tauben zu Frankfurt - und das zurecht. Wir nennen Ihnen zehn Gründe, warum die "Ratten der Lüfte" besser sind, als alle denken.

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Mit dem Taubenhaus an der Hauptwache hatte die Parkhaus-Betriebsgesellschaft (PBG) schon gute Erfahrungen gemacht. So hatte man sich erneut an das Stadttaubenprojekt gewandt. Zwei Parkplätze fallen für das Taubenhaus weg. Ein Angestellter des Taubenvereins kümmert sich nun regelmäßig darum, die Hütte sauber zu halten und die Wasser- und Futterschalen aufzufüllen.

Population regulieren

Er ist es auch, der die Eier der brütenden Tauben durch Eier aus Ton ersetzt. Es geht ja eben darum, die Population zu verringern. Das große Ziel des Stadttaubenprojekts: So wenige Tiere auf den Straßen, dass man besonders aufmerksam sein muss, um sie im Stadtbild zu bemerken.

Acht Mal im Jahr brüten die Tiere. Das Projekt lässt die Vögel insgesamt lediglich sechs bis zehn Kücken im Jahr und pro Taubenhaus schlüpfen. Andernfalls würden die Vögel woanders brüten. Wieder in den Dachnischen der Hinterhöfe, wo sie die Anwohner mit ihrem Dreck und Geflatter nerven und zum schlechten Image der Tauben beitragen. Die Taubeneier aus den Häusern verteilt das Stadttaubenprojekt bei ihrem Gnadenhof in Oberrad, füttert damit Raben, die wiederum Greifvögel vertreiben.

Finanziert hat das Haus die Stadt. Insgesamt 12 000 Euro hat es gekostet. 10 000 Euro davon hat das Umweltdezernat gezahlt, den Rest die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, zu der die PBG gehört.

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